KONZERT

Rolando Villazón präsentiert Kunstlieder mit Clownszunge

Der große Rolando Villazón, hier bei einem Auftritt in Berlin im vergangenen Jahr.

Der große Rolando Villazón, hier bei einem Auftritt in Berlin im vergangenen Jahr.

Foto: dpa Picture-Alliance

Dortmund.   Startenor Rolando Villazón beglückt seine treuen Fans im Dortmunder Konzerthaus. Er tut dies auf seine Weise – und erntet donnernden Applaus.

Echte Fans bleiben bei dir, immer. Diese Vorfreude im Konzerthaus! Die Menschen, manche haben 130 Euro für die Karte bezahlt, haben natürlich seine berühmte „Traviata“ an der Seite Anna Netrebkos im Plattenschrank, manche schauen aufs Handy, nicht um es auszuschalten, sondern vorzuglühen für ein Erinnerungsfilmchen, das sie in aller unmöglichen Diskretion im Laufe des Abends machen werden. Und sie erzählen von „Klassik Radio“, wo sie wieder und wieder über sein urkomisch gerolltes „rrrrr“ lachen.

Ja, er ist’s, diesen Frühlingsdonnerstag in Westfalen: „Rrrrollando Villazón“. Und er tritt — ohne Orchester – an mit dem Mut des Anti-Populären: Es gibt einzig Kunstlieder, aus Kolumbien, Mexiko, Argentinien, Spanien. Nicht unsperrige Werke von de Falla bis Calvo. Man spürt rasch: Das Publikum im solide gefüllten Konzerthaus fremdelt mit diesem Stoff, vielleicht auch mit der Stimme der einstigen Tenor-Sensation. Villazóns erste Töne klingen grau, extrem trocken, vielfach glanzlos – aber es scheint nicht Vorsatz zur Gestaltung der traurigschönen Miniaturen zu sein. Später, nach der Pause erst, wird er auf eine eben erst bewältigte Erkältung hinweisen. Aber hätte er das zweite Mal (nach seiner Absage im Dortmunder Advent) die Menschen enttäuschen sollen? Donnernder Applaus. Echte Fans.

Perlen aus Andalusien und Südamerika

Villazon, das sagt er selbst, hat seinen Husten an Carrie-Ann Matheson weitergereicht. Die souveräne Pianistin bölkt immer wieder in die irrlichternde Rhythmik der Perlen aus Andalusien und Südamerika hinein. Villazón indes scheint das Bekenntnis zu helfen. Die Stimme des Mexikaners, den nicht wenige vor 15 Jahren für den neuen Domingo hielten, wird weiter, fließt mit schönem Bronzeschimmer, mitunter glückt gar ein Pianissimo, das gesungen ist, nicht bloß gehaucht.

Dankbar über den wachsenden Moderationsanteil feiert das Auditorium „seinen“ Rolando. Er macht das entwaffnend: Hier eine herausgestreckte Clownszunge, da ein Seitstepp à la Chaplin und eine Mozart-Anekdote, die die Peinlichkeit des penetranten Hineinklatschens in die Liederzyklen wegzuzaubern vermag.

Villazón beschenkt seine Verehrer mit Zugaben

Villazón führt 2019 Meisterklassen, gibt Solo-Abende, singt Opern, führt Regie... Man wird sehen, wie das weitergeht. Seine Verehrer gingen, von Zugaben beschenkt, offenbar glücklich nach Hause. Echte Fans bleiben ja nicht nur bei dir, sondern du bleibst auch bei ihnen, in jeder Gestalt, immer.

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