Literatur

Roman: Wenn mörderischer Hass entsteht

Foto: wp

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Hagen. Sein neues Werk hat "Sprengkraft": Bestsellerautor Horst Eckert legt einmal mehr einen furios komponierten Kriminalroman vor.

Der Düsseldorfer Krimiautor Horst Eckert gilt inzwischen als einer der besten deutschsprachigen Erzähler. Zu Recht, denn mit seinem neuen Roman „Sprengkraft” legt Eckert ein furios komponiertes, kompromisslos aufregendes Stück Gegenwartsliteratur vor.

Eine Bombe explodiert in einer Düsseldorfer Hinterhofmoschee. Die rechte Partei „Die Freiheitlichen” versucht, mit der Angst vor islamistischem Terror auf Stimmenfang zu gehen, doch die frisch gekürte Vorsitzende stirbt unter dubiosen Umständen. Und mitten in diesem Hexenkessel aus verängstigten Bürgern und aufgeregten Politikern forschen die Polizisten Martin Zander und Anna Winkler nach einem Maulwurf in den eigenen Reihen.

Atmosphärisch dichte Milieu-Schilderungen

Zu den großen Stärken von Eckerts Romanen gehören die penibel recherchierten, atmosphärisch dichten Milieu-Schilderungen. Gleich zu Beginn schleppen Rafi und Said einen Heimtrainer aus zweiter Hand in den vierten Stock einer Mietskaserne in Oberbilk. Dort wohnt Said mit seiner schwangeren Frau, die so strenggläubig ist, dass sie sogar tief verschleiert ohne männliche Begleitung nicht das Haus verlässt.

Wie Hass entsteht, das untersucht Horst Eckert penibel und schlüssig. Hass auf die Ungläubigen bei den entwurzelten Kindern der Einwanderer-Generation, die es durchaus zu etwas gebracht hat und ihren barttragenden Söhnen verständnislos gegenüber steht. Hass bei den Deutschen, die sich von geplanten Großmoscheen bedroht fühlen, Ängste, die „Die Freiheitlichen” mit genussvoller Manipulation schüren.

Entwurzelt ist auch der Kripomann Martin Zander mit der rasierten Glatze, der nach dem Selbstmord seiner Frau und ein paar aufgeflogenen illegalen Aktionen darum kämpft, nicht aus dem Dienst entlassen zu werden und damit erpressbar ist. Horst Eckert, der Spezialist für kaputte Polizisten-Biographien, zeigt, wie der Polizeiapparat selbst in Gefahr gerät, zum Spiegelbild des globalisierten Verbrechens zu werden, das er bekämpft. Mit Beamten, die genauso hilflos, korrupt und verführbar sind wie die Täter, denen sie nachstellen. Und mit einer Bürokratie, in der windschnittige, politikkompatible Sessel-Ajatollahs hemmungslos um ihre Karrieren pokern.

Alte Vorurteile

Wie immer in Eckerts Romanen gibt es starke satirische Elemente in der komplexen, sprachlich höchst kunstvollen Erzählung. Und auf der Suche nach den wahren Bombenattentätern wird so manches Vorurteil kräftig durchgeschüttelt. So leicht, dass sich die Bösen fein säuberlich in islamistische Terroristen und rechte Rattenfänger aufteilen ließen, macht Horst Eckert es seinen Lesern nicht. Das Ergebnis liest sich ebenso verstörend wie verblüffend und bis zur letzten Zeile spannend.

„Sprengkraft” ist ein brillanter Roman über unsere entfremdete und verängstigte Gesellschaft.

Horst Eckert: "Sprengkraft" Grafit-Verlag, 410 S., 18,90 Euro

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben