Musik & Theater

Ruhrtriennale – diese sechs Abende werden spannend

Ruhrtriennale 2019: „Everything That Happened And Would Happen“ von Heiner Goebbels.

Ruhrtriennale 2019: „Everything That Happened And Would Happen“ von Heiner Goebbels.

Foto: Ruhrtriennale / Ruhrtriennale 2019 / Artangel 

Bochum.  164 Aufführungen – das schlagen wir eine Schneise durch den Dschungel des Ruhrtriennale-Programms: Hier sind sechs spannende Inszenierungen.

Die schier unübersehbare Menge von 164 Aufführungen mit über 800 Künstlern aus 35 Ländern zwischen Argentinien und Vietnam bringt die neue Saison der Ruhrtriennale in die alten Industriehallen des Ruhrgebiets – vom 21. August bis zum 29. September. Wir haben einen allgemeinen Überblick (siehe hier) erstellt – und dazu noch aus 35 Produktionen jene sechs Inszenierungen herausgesucht, die vorab am spannendsten erscheinen (Karten: Auf der Ruhrtriennale-Homepage oder 0221 / 28 02 10, mo-fr 8-20 Uhr, sa 9-18 Uhr, so 10-16 Uhr; zu allen Inszenierungen gibt es jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn eine Einführung).

„Nach den letzten Tagen“

Ein Muss: „Reden aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, aus der Gegenwart und der nahen Zukunft“ sollen bei Christoph Marthalers „Spätabend“ im Auditorium Maximum der Bochumer Ruhr-Universität erklingen – dazu Musik von Komponisten, die aus Wien und Prag vertrieben wurden und die man heute kaum noch kennt: Pavel Haas, Viktor Ullmann, Alexandre Tansman, Józef Koller, Erwin Schulhoff, Gideon Klien, Szymon Laks und dem später in Hollywood so erfolgreichen Erich Wolfgang Korngold. Klingt ein bisschen ausgedacht und künstlerisch riskant – ein typisches Marthaler-Projekt also, das keinen Platz in der Reihe seiner Erfolge garantiert hat.

Aufführungen im Audimax am 21. (ausverkauft), 22., 24., 28., 29., 30. und 31. August (20 Uhr) sowie an den Sonntagen 25. August und 1. September (18 Uhr).

„Everything That HappenedAnd Would Happen“

Ein Wiedersehen: Auch in der Kunst kann Recycling durchaus sinnvoll sein, und so wird es ein Wiedersehen mit den Bühnenbildelementen aus der Ruhrtriennale-Inszenierung von John Cages Anti-Oper „Europeras 1 & 2“ aus dem Jahre 2012 geben: Ex-Triennale-Intendant Heiner Goebbels kombiniert das Bühnenbild, das Klaus Grünberg seinerzeit für seine Inszenierung schuf, mit Patrik Ouředníks „Europeana“-Text, der „Eine kurze Geschichte des 20. Jahrhunderts“ sein will, sowie mit unkommentierten Fernsehnachrichtenfetzen, Tanz und Musik.

Aufführungen in der Jahrhunderthalle Bochum am 23., 24., 25. und 26. August, 21 Uhr.

„Dido And Aeneas, Remembered“

Verrückt: Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas“ wird genauso unter Erdschichten ausgegraben wie der Gesang von Erika Stucky, und im Grunde genommen geht es um nicht weniger als die europäische Kultur und das, was bleibt von ihr. „Eine Collage des Erinnerns und Vergessens“ nennt Regisseur David Marton seine Inszenierung, die um eine Einlage des Jazz-Gitarristen Kalle Kalima ergänzt wird und von der Oper Lyon, der Stuttgarter Oper und der Opera Vlaandern in Auftrag gegeben und mit der Ruhrtriennale koproduziert wurde.

Aufführungen in der Kraftzentrale des Duisburger Landschaftsparks Nord am 28., 29., 30., 31. August, 20 Uhr.

„Congo“

Riskante Begegnung: Die Kinder der Ausgebeuteten und Kolonisierten in Afrika treffen auf die Kinder der Ausbeuter und Kolonisten. Der kongolesische Regisseur und Choreograf Faustin Linyekulas kombiniert Auszüge aus Eric Vuillards Erzählung „Kongo“ mit Liedern aus dem Kongo, die zum Teil auf den Kautschukplantagen aufgenommen wurden, zu einem Theaterstück. Bei der Uraufführung in Belgien hat es große Emotionen freigesetzt.

Aufführungen in der Gebläsehalle im Duisburger Landschaftspark Nord in französischer Sprache mit deutschen und englischen Obertiteln am 28., 29., 30. und 31. August, 19.30 Uhr

„Gefährliche Operette“

Geheimtipp: Eine Kammer-Operette kündigt der aus Herne stammende Komponist Gordon Kampe an, „eine Wiederbelebung“: Er will das Genre, das ein wenig Staub angesetzt habe, mit neuem Leben füllen, auf das man sehr gespannt sein darf. Es soll nämlich mit Texten von Schorsch Kamerun, Wiglaf Droste und anderen herbeigeführt werden, dazu erklingt Musik, die von Jacques Offenbach und der unverwüstlichen „Fledermaus“ inspiriert ist.

Aufführungen im Maschinenhaus der Zeche Carl in Essen, 4. und 5. September, 20 Uhr (leider nur noch Restkarten)

„Orlacs Hände“

Stummer Grusel mit Musik: Einem berühmten Pianisten kommen bei einem Unfall die Hände abhanden, als Ersatz näht man ihm Hände eines Mörders an. Werden sie Sonaten spielen – oder unschuldige Menschen erwürgen? Der Tastenzauberer Orlac wird verrückt über Fragen wie dieser. Den Stummfilm „Orlac’s Hände“ mit diesem zeitlos beunruhigenden Motiv und dem jungen Fritz Kortner stammt aus dem Jahr 1924 und ist sichtlich beeinflusst vom expressionistischen Meisterwerk „Das Cabinet des Dr. Caligari“. Das experimentelle Konzert zum schrägen Film gibt’s in der Essener Lichtburg.

Aufführung in der Essener Lichtburg am 22. September, 20 Uhr.

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