Kunst-Kino

Selbstdarstellung des Kunststars Julian Schnabel

Porträt des Künstlers als reifer Mann: „Julian Schnabel – A Private Portrait“

Foto: Porfirio Munoz

Porträt des Künstlers als reifer Mann: „Julian Schnabel – A Private Portrait“

Essen.  Im Kino: Pappi Corsicatos Doku über den Maler Julian Schnabel, Jeff Koons und Laurie Anderson, Willem Dafoe, Al Pacino und Bono sind auch dabei

Wer möchte, darf den Titel von Pappi Corsicatos Dokumentation „A Private Portrait“ durchaus als Warnung verstehen. Wörtlich ist er auf jeden Fall zu nehmen, das signalisieren schon die ersten Bilder, die Julian Schnabel mit einem blonden Baby in einer italienischen Villa am Meer zeigen.

Schnabel präsentiert sich vor der Kamera des italienischen Filmemachers äußerst offen und zugänglich. Der Zuschauer erhält einen Einblick in das private Leben des Künstlers, der seit seinem rasanten Aufstieg in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren die New Yorker Kunstszene geprägt hat. Allerdings sind Corsicatos Aufnahmen vom im Meer mit seinem Kind spielenden Schnabel ebenso wie die älteren Schwarzweißaufnahmen, die immer wieder in dieses „private Porträt“ einfließen, gar nicht so intim, wie sie auf den ersten Blick wirken. Hier gibt ein berühmter Künstler nur genau so viel von sich preis, wie es seinem Image nützt.

Pappi Corsicato ist Regisseur einer Dokumentation, die der Selbstinszenierung Schnabels dient. Dazu passt auch die lange, prominent besetzte Liste von Freunden und Weggefährten, die der Film versammelt. Neben zwei Ex-Frauen und Schnabels Kindern kommen mit Jeff Koons und Laurie Anderson, Willem Dafoe, Al Pacino und Bono Stars der globalisierten Kunst-, Film- und Musikszene zu Wort. Und alle schwärmen von Schnabels visionärem Schaffen und von seiner überlebensgroßen Persönlichkeit, die jeden in ihren Bann ziehe.

Corsicato rückt Schnabels riesige Gemälde ebenso wie die Tellerbilder, die seinen Ruhm begründeten, äußerst werbewirksam ins Bild. Aber der Blick der Kamera verweilt kaum mal länger als einen Augenblick auf einem Werk. So werden Kenner viele berühmte Arbeiten wiedererkennen – für alle anderen bleibt nur der überwältigend Eindruck der Ausmaße.

Über den US-„Neo-Expressionismus“, mit Schnabels Namen untrennbar verbunden, erfährt man ebenso wenig wie über die Kontroversen, die er ausgelöst hat. Stattdessen wärmt Corsicato die Legende vom künstlerischen Genie auf, das sich fast schicksalhaft durchsetzen musste.

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