Tanz – klassisch und modern

„Star Dust“: Ein Tanz um Bowie und Bach voller Kontraste

„Star Dust“ mit dem Complexions Contemporary Ballet in Köln.

„Star Dust“ mit dem Complexions Contemporary Ballet in Köln.

Foto: Sharen Bradford / BB

Köln.  Das „Complexions Contemporary Ballet“ aus den USA eröffnete das 32. Kölner Sommerfestival mit dem sehr zweigeteilten Programm „Star Dust“.

Er ist groß. Er ist klein. Er ist männlich und weiblich. Seine Haut ist hell oder dunkel oder noch dunkler. Wenn sieben so unterschiedliche Tänzer des Complexions Contemporary Ballet in die Rolle von David Bowie schlüpfen, ist die Botschaft klar: in jedem von uns steckt ein Stück Pop-Ikone. Ganz gleich, wie wir aussehen oder wer wir sind. Die „Star Dust“-Hommage an den Meister der vielen Facetten lässt in der Kölner Philharmonie glitzernden Sternenstaub auf ein begeistertes Publikum regnen. Und krönt damit ein zweiteiliges, kontrastreiches Programm, mit dem jetzt das „32. Kölner Sommerfestival“ eröffnet wurde.

Noch bis Sonntag, 21. Juli, ist die 1994 gegründeten Company in Köln zu Gast. Ihrem Ruf, zu einer der innovativsten und aufregendsten Tanzcompanys der USA zu gehören, werden die Amerikaner unbedingt gerecht. Sie sind Grenzgänger und Grenzeneinreißer. Wagemutige Kreative, die, ohne jede Berührungsangst oder Angst vor dem, was zusammen nicht gehen könnte, Stile, Zeiten und Genres miteinander kombinieren oder kontrastieren. Bester Beweis: ihre tänzerische Reise, die sie „From Bach to Bowie“ führt.

Nacktheit ohne jeden Schnörkel – und Vorhänge aus Goldlamée bei Bowie

Eine hochkarätiger Zweiteiler, der die Choreografien „Bach 25“ (2018) und „Star Dust“ (2016) von Company-Mitbegründer Dwight Rhoden hintereinander setzt. Was schade ist: der erste, 35-minütige, Teil verblasst hinter dem zweiten, 50-minütigen. Was nicht nur an der Pause dazwischen liegt. Sondern daran, dass die erste Hälfte wesentlich puristischer ausfällt. Hier wehen weder Vorhänge aus Goldlamée noch werden Plateausohlen untergeschnallt oder mit Licht Effekte erzielt, die an ferne Galaxien oder Bars im Rotlichtbezirk erinnern.

Die Kostüme in farblich aufeinander abgestimmter Latex- Metalloptik haben nichts von der poppigen Bowieschen Buntheit, die hinterher den Glam-Rock in asymmetrische Pfauenfantasien hüllt. Vielmehr befördern sie den Eindruck der Nacktheit – im Sinne von bar jeden Schnörkels. Hier konzentriert man sich auf das Wesentliche, auf die Musik von Johann Sebastian Bach und Carl Philip Emmanuel Bach, und auf das was sie ausdrücken, was sie auslösen kann. Ein Meisterwerk, das den Minimalismus, den es scheinbar propagiert, ad absurdum führt. Zu den barocken Klängen von Cello, Klavier, Violine, Cembalo und Chor agieren die bis zu 14 Tänzer absolut synchron und in klassischer Perfektion. Um dann in ein spielerisches Auffächern feenhafter Paarungen zu wechseln und in Vignetten die ganze Gefühlsskala von Trauer über Triumph bis hin zur Seligkeit von Kindern abzubilden.

Jillian Davis - den Namen wird man sich merken müssen

Ein Anspieler von „Warszawa“ (1977) genügt dann – und schon ist man mittendrin in der Welt von David Bowie. In der die Tänzer zu „Heroes“ werden, zu „Lazarus“ oder zu „Young Americans“, zu modernen Liebenden, zu Marsbewohnern oder zu Models. Die, wenn sie auf Spitze tanzen, wirken, als trügen sie High Heels. Sich in den Hüften wiegend, sehr sexy und sehr selbstbewusst. Die androgyne Jillian Davis wird man sich merken müssen. Sie ist nicht nur optisch die Größte.

Bis Sonntag, 21. Juli, Philharmonie Köln; Karten ab 34,90 Euro + VVK www.koelnersommerfestival.de

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