TANZ

Tanzwelt: Trauer um Raimund Hoghe

Raimund Hoghe (1949-2021)

Raimund Hoghe (1949-2021)

Foto: Jean-Marc ZAORSKI / Gamma-Rapho/ Getty Images

Essen.  Ein außergewöhnlicher Mann, der für außergewöhnliche Kunst stand: Der in Wuppertal geborene Tänzer und Choreograf Raimund Hoghe ist tot.

Raimund Hoghe schämte sich seiner Tränen nicht, als er letzten Herbst auf der Bühne des Essener Aalto Theaters mit dem geehrt wurde. Rührung und Stolz auf ein Lebenswerk werden sich in diesem Augenblick wohl gemischt haben, denn wenn einem Menschen gewiss nicht in die Wiege gelegt war, in der Welt des Tanzes, diesem Universum physischer Vollkommenheit, zu triumphieren, dann diesem.

Raimund Hoghe war kleinwüchsig, bucklig dazu. Dieser feinfühlige, facettenreiche Mensch war in einen Körper hineingeboren, der einen Menschen wie ihn noch vor 100 Jahren kaum mehr in der darstellenden Kunst hätte sein lassen als einen Märchen-Kobold. Der in Wuppertal geborene Journalist aber wusste zu wandeln: Was ihm fehlte, wurde sein Pfund, nicht zuletzt das Wissen um die Vielen, die unsere Gesellschaft reflexhaft ausgrenzt.

Auch in seinen Choreografien spiegelte Raimund Hoghe das Wissen um Ausgrenzung

Schreibend war das Porträt seine Domäne, dann stieß er 1980 zu Pina Bauschs Truppe. Er wurde Dramaturg großer Würfe und wagte, von Bausch ermutigt, deren Kunst Persönlichkeiten ja so oft den Vorzug vor Perfekten gegeben hatte, selbst zu choreografieren – und gar zu tanzen. Beides geriet entschieden minimalistisch; frei von modischen Spielchen war es ebenso wie satt gefüllt mit der Botschaft, dass Tanz nie Selbstzweck sei, sondern immer eine große Erzählung. Am vergangenen Freitag ist Hoghe – 2019 geehrt als „Officier“ des französischen Ordre des Arts et des Lettres – in seiner Wahlheimat Düsseldorf gestorben, nur zwei Tage nach seinem 71. Geburtstag.

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