RUNDFAHRT

Theaterfans erkunden bei „JackPott“ die Bühnen im Ruhrgebiet

Finale in der Jahrhunderthalle: Die Gäste der „JackPott“-Theaterrundfahrt kamen schließlich in Bochum zu Austausch und Buffet zusammen.

Foto: Dietmar Wäsche

Finale in der Jahrhunderthalle: Die Gäste der „JackPott“-Theaterrundfahrt kamen schließlich in Bochum zu Austausch und Buffet zusammen. Foto: Dietmar Wäsche

Oberhausen.   Experiment „JackPott“: 1100 Theaterfans haben am Wochenende bei einer Rundfahrt die Bühnenszene der Region als Überraschungspaket erkundet.

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„Keine Ahnung, was die in Hagen so machen.“ „Das Theater an der Ruhr kenne ich nur vom Namen her, soll ja ganz gut sein.“ „Nach Oberhausen wollten wir immer schon mal, aber Sie wissen ja, wie das ist.“ Die Chancen stehen gut, dass die Kenntnislücken in den nächsten Stunden geschlossen werden.

1100 Theaterfreunde aus der Region fiebern an diesem sonnendurchfluteten Sonntagvormittag vor der Jahrhunderthalle in Bochum einem Blind Date der besonderen Art entgegen. Unter dem Markennamen „JackPott“ haben zehn Ruhr-Bühnen zu einer außergewöhnlichen Entdeckungsreise aufgerufen. „Drei aus Zehn“ lautet das Glücksrad-Motto.

Unterwegs mit 23 Großraumbussen

Auf 23 Großraumbusse werden die Kulturbeflissenen verteilt, auf sechs unterschiedlichen Routen fahren sie an jeweils drei Zielorte, und sie steuern aktuelle Inszenierungen in verschiedenen Theatern an. Tanz, Schauspiel, Oper, Performance – niemand außer den Organisatoren und natürlich den Busfahrern weiß, wohin die Reise geht.

Als der Regionalverband Ruhr (RVR) als Veranstalter Anfang Juli die Tour als sprichwörtliche „Katze im Sack“ anbot, waren alle Tickets (44 €, ermäßigt 22 €) innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Und als die Planungen vor einem Jahr anliefen, erzählt RVR-Kulturchef Jürgen Fischer, stand bei einigen Bühnen noch nicht einmal der Spielplan 17/18 fest.

Zu einem Netzwerk zusammengeschlossen

Vor knapp zwei Jahren hatten sich die Häuser (neben den erwähnten Schauspiel Bochum, Ringlokschuppen, Musiktheater Gelsenkirchen, PACT Zollverein, Theater Dortmund, Schlosstheater Moers, Theater & Philharmonie Essen) zu einem Netzwerk (ähnlich dem der Ruhr-Museen) zusammengeschlossen mit dem Ziel, neue Marketingmaßnahmen wie gemeinsamen Ticket-Verkauf und gemeinsame Spielpläne zu entwickeln und überhaupt den Bekanntheitsgrad zu erhöhen.

Damals war nicht klar, dass – dank der Ruhr Tourismus GmbH als Antragsteller – 1,2 Millionen Euro aus dem EU-Fonds für regionale Entwicklung in das Netzwerk fließen würden. Diese Mittel sind zweckgebunden, weshalb im „JackPott“ selbst kein EU-Geld steckt. Die Theater-Expedition wird finanziert unter anderem von den Häusern, dem RVR und dem NRW-Kulturministerium.

An der Jahrhunderthalle steigt unterdessen die Spannung. Auch als die Busse losfahren, gilt noch höchste Geheimhaltungsstufe. Die Fahrt an sich ist schon eine Odyssee ins Ungewisse über Straßen und durch Stadtteile, die für so manchen Teilnehmer den berüchtigten weißen Fleck auf der Landkarte darstellen dürften.

Hagen, Dortmund? Nein Zollverein!

Als unser Bus, einer von fünf der Route B, auf der A40 Richtung Essen fährt, greift das Ausschlussprinzip. Nach Hagen ins Musical oder Dortmund („Die schwarze Flotte“ über illegale Handelsrouten im Mittelmeer) geht es jedenfalls nicht. Als die Zeche Zollverein näher rückt, bleiben immer noch zwei Optionen. Statt PACT mit der Performance „Tomorrow’s Parties“ heißt es Salzlager, wohin das Schlosstheater Moers für diesen Tag sein amüsantes Sittengemälde „Wir sind Schmidt“ ausgelagert hat.

Ehe die Fahrt nach Oberhausen („Schimmelmanns“) beginnt, wird im Musiktheater Gelsenkirchen während der Wunschkonzert-Show „Fifty-Fifty“ eine jener Fragen ans Publikum gestellt, an deren Beantwortung RVR und Netzwerk Ruhr Bühnen so interessiert sind: „Wer war bisher noch nie im MiR?“ Das sind geschätzt 30 Prozent. Für viele, das zeigen die Reaktionen und die angeregten Gespräche danach, wird der erste Abstecher nach Gelsenkirchen nicht der letzte gewesen sein.

Den „JackPott“ geknackt

Als sich die Reisenden am Abend wieder in der Jahrhunderthalle versammeln, wo zum harmonischen Ausklang noch ein attraktives Buffet wartet (im Ticketpreis inbegriffen), sieht man nur glücklich strahlende, in intensivem Erfahrungsaustausch vertiefte Theater-Abenteurer. Jeder, so scheint es, geht im Gefühl nach Hause, den „JackPott“ geknackt zu haben.

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