Kunst

Thomas Baumgärtel: „Kunstfreiheit ist nicht Banane“

Ausgerechnet Bananen: Eine typische Arbeit Thomas Baumgärtels  – Staatenlenker macht er ungeniert zu Affen.

Ausgerechnet Bananen: Eine typische Arbeit Thomas Baumgärtels – Staatenlenker macht er ungeniert zu Affen.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.  Der Bananen-Sprayer in Duisburgs „Cubus“: Thomas Baumgärtels Südfrucht-Satiren bringen Gegner auf die Palme.

Willkommen in der Bananenrepublik: Thomas Baumgärtel verteidigt die Kunstfreiheit in Form einer gelben Frucht. Der gebürtige Rheinberger wurde bekannt als Bananensprayer, signierte Gebäude mit seinem Markenzeichen. In seiner Ausstellung „Politische Arbeiten“, die derzeit in der Cubus Kunsthalle zu sehen ist, wird er satirisch.

Politische Alpha-Männchen zu verspotten macht ihm Spaß: Baumgärtel setzt Kim Jong-un auf eine Atombanane, zeigt Donald Trump in affiger Pose mit Banane im Mund oder schiebt dem türkischen Präsidenten gar eine in den Allerwertesten. Entstanden ist das Bild als Soldaritätsadresse für Jan Böhmermann, als dieser Ärger wegen seines Schmähgedichtes hatte. „Platt“ nennen das die einen. Bei Erdogan-Fans sorgt das Bild für wütende Proteste. Es gab bereits Demonstrationen, die Polizei geht vor der Kunsthalle regelmäßig Streife. „Ich könnte eine ganze Wand mit Morddrohungen und Beschimpfungen tapezieren“, so Baumgärtel. Dennoch findet er: Kunst darf das.

Ein komplettes Haus in bananengelb

Baumgärtel sieht sich noch immer als Street-Art-Künstler, auch wenn die Zeiten längst vorbei sind, in denen er nachts sprühte und dafür sogar mal in den Knast wanderte. Zur Banane kam er während des Zivildienstes. Er arbeitete in einem Seniorenheim. Durch Zufall fiel ein Holzkreuz von der Wand, der Künstler füllte die Lücke mit seinem Pausensnack. Heute wird der 57-Jährige offiziell eingeladen, um Museen und Institutionen aus dem kulturellen Bereich zu adeln.

Inzwischen hat er 4000 Bananen verteilt, in Ruhrort ist ein komplettes Haus in gelb verziert. Als Materialien für die Bilder dienen ihm alte Wahlkampfplakate von Angela Merkel, ausrangierte Verkehrsschilder oder Plastikkanister. Die politische Werkschau zeigt großformatige Motive, aber auch kleinere Zeichnungen. Seine Kunst kommt bei den meisten Betrachtern gut an. Deshalb hatte Baumgärtel eine neue Idee: Er erschuf die Volksbanane als Kunst für jedermann. Auf Holztafeln ist nur die Frucht zu sehen.

Kunstobjekte für jedermann

Den Text dazu dürfen sich die Fans selbst ausdenken. Baumgärtel schlägt in der Ausstellung vor: „Fremdenhass ist Banane“ oder „Paragraphen sind Banane.“ Es geht aber auch romantischer, wie eine Frau befand: „Ohne dich ist alles Banane.“ Mit Unterschrift des Sprayers wird’s ein Original. Zum Ausstellungsende (25. November) soll es eine Aktion geben, bei der sich Galeriebesucher gemeinsam mit dem Künstler eine Botschaft ausdenken und anschließend auf Holz bannen können. So lange verbleibt er mit folgendem Gruß: „Kunstfreiheit ist nicht Banane.“

Mittwochs bis sonntags von 13 Uhr bis 18 Uhr in der Cubus Kunsthalle (Friedrich-Wilhelm-Straße 64, Duisburg). Der Eintritt ist frei. Nähere Infos im Netz: www.cubus-kunsthalle.de

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