KINOFILM

„Tolkien“ zeigt den Weg vom  Schützengraben nach Mittelerde 

J. R. R. Tolkien (Nicholas Hoult) und Edith (Lily Collins).

J. R. R. Tolkien (Nicholas Hoult) und Edith (Lily Collins).

Foto: 20th Century Fox

Essen.   Neu im Kino: Der biografische Film „Tolkien“ leuchtet die Jugend und die Weltkriegserfahrungen des Mannes aus, der den „Herrn der Ringe“ erfand.

Mit Figuren wie dem „Herrn der Ringe“ oder dem Hobbit verbindet die jüngere Generation wohl am ehesten den Namen Peter Jackson. Er war es schließlich, der diese Fantasy-Epen über Mittelerde auf die große Leinwand gebracht hat. Rund 50 Jahre früher hat man sich schon einmal für diese Geschichten begeistert. Damals aber musste man sie noch lesen, in Büchern aus Papier. Damals traf man auch erstmals auf den Namen J.R.R. Tolkien und konnte kaum fassen, dass hinter all dem Fabulieren ein Oxford-Professor für Altenglisch steckte. Mit dem biografischen Film „Tolkien“ wagt sich der finnische Regisseur Dome Karukoski nun daran, zumindest einen wichtigen Abschnitt im Leben dieses Schriftstellers zu beleuchten.

John Ronald Reuel Tolkien (Nicholas Hoult) wächst Ende des 19. Jahrhunderts wohlbehütet auf dem Land bei Birmingham auf. Dass er es nach dem frühen Tod von Vater und Mutter schafft, in Oxford studieren zu können, das verdanken er und sein Bruder einer Gönnerin aus der Nachbarschaft.

Tolkien gründet als Student eine Kameradschaft

Der Film bewegt sich zunächst in Studentenkreisen, Tolkien gründet mit drei Freunden eine Kameradschaft, in der jeder dem anderen verpflichtet ist. Kurz zuvor hatte er daheim noch die schöne Waise Edith (Lily Collins) kennengelernt und sich unsterblich in sie verliebt. Dass er sie wegen Oxford zurücklassen muss, schmerzt ihn deutlich.

Um den eher leichtfüßigen Auftakt des Films im Studentenleben zu bremsen, zeigen die Drehbuchautoren David Gleeson und Stephen Beresford Tolkien von Beginn an immer wieder in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs, wo er im Dreck und zwischen lauter Toten verzweifelt nach einem Kameraden sucht. All das wird später wahr, als Tolkien 1916 eingezogen und in die Schlacht an der Somme verfrachtet wird, den blutigsten Stellungskrieg.

Für den Regisseur scheint festzustehen, dass Tolkiens Kriegserlebnisse wesentlich zu seinem späteren Werk beigetragen haben. Deshalb lässt Karukoski höchst aufwändig feuerspeiende Drachen aus dem Schlachtfeld emporsteigen und berittene Krieger quer durch die zerbombten Felder galoppieren. Diese Bilder mögen für die Leinwand attraktiv sein, den späteren Werken Tolkiens aber werden sie nicht ganz gerecht. „Ein einziger Traum ist mächtiger als tausend Realitäten“, hat er einmal gesagt. Und gerade wegen seiner Weltkriegserfahrung hat er in seinen Büchern auf Schlachtszenen weitgehend verzichtet. Es war Peter Jackson, der seine Verfilmungen teilweise als monströse Schlachtplatte arrangiert hat.

Film weicht stellenweise von den Fakten ab

Und auch was die Liebe angeht, weicht der Film von den Fakten ab: Es stimmt, wenn da nach langer Zeit des Wartens plötzlich von einem anderen Mann an der Seite von Edith die Rede ist. Tatsächlich aber war Tolkien zum Zeitpunkt der Einschiffung nach Frankreich in den Krieg längst mit ihr verheiratet.

Tolkien-Darsteller Nicholas Hoult („Mad Max: Fury Road“) jedoch überzeugt in jeder Beziehung. Er blüht auf zu einem romantischen Schwärmer, wenn er mit Edith allein ist. Er nimmt den Zuschauer mit in die Gräuel des Ersten Weltkriegs. Und er ist es, der am Ende die berühmten ersten Worte eines Weltbestsellers spricht: „In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben