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Urbi @ orbi – Papst Benedikt bekommt eigenen Twitter-Account

Bald zwitschert er mit: Papst Benedikt XVI.

Bald zwitschert er mit: Papst Benedikt XVI.

Foto: Pier Paolo Cito/AP/dapd

Rom.   Nachdem Lady Gaga, einige Bischöfe und die Herrnhuter Brüdergemeinde vorgeprescht sind, zieht nun auch der Heilige Vater nach: Benedikt XVI. soll demnächst auch den Kurznachrichtendienst Twitter beliefern – mit theologischen Häppchen in 140 Zeichen...

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Lady Gaga tut es längst, nun beginnt auch der Papst mit dem Twittern. Der Vatikan kündigt diese epochale Neuerung mit einem Wortschwall an, der im krassen Gegensatz zu jenen 140 Zeichen steht, die Benedikt XVI. künftig für jedes seiner „Gezwitscher“ zur Verfügung hat. Am Montag wurde der päpstliche „Account“ der Öffentlichkeit präsentiert: Unter dem Namen @Pontifex werde der Papst ab dem 12. Dezember Botschaften über den Kurznachrichtendienst senden, teilte der Vatikan mit.

Römische Kirchenleute schwärmen schon jetzt von „neuen Möglichkeiten der Evangelisierung“, von den „großen Wahrheiten, die sich in kleinen Worten ausdrücken lassen“, vor allem aber von den Möglichkeiten, religiöse Wahrheiten und Erfahrungen weltweit zu „teilen“. Zwitschern und weiterzwitschern – die Pfarreien sterben, es lebe die „Community“.

Jesuitenpater Antonio Spadaro sieht Benedikts Twitterei schon „in einer Linie mit der ersten großen Radiobotschaft eines Papstes“. Pius XI. sprach diese im Februar 1931. Damals aber war eine Botschaft noch eine Botschaft und nicht ein Fetzen im millionenfach vermehrten Geschwätz, das die Welt heute überzieht. Pater Spadaro muss es allerdings wissen. Der Chef der einflussreichen Vatikan-Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“ nennt sich gern „Cybertheologe“ und führt einen entsprechenden Blog. Vielleicht wird Christus, klassisch als „Herr des Alls“ angesprochen, bei ihm ja künftig zum „Webmaster im Cyberspace“.

Die Zehn Gebote sind bereits Twitter-taugliche Häppchen

Auf Twitter ist Benedikt allerdings eher spät dran. Bischöfe und Kardinäle sind ihm voraus. Und in der konfessionellen Konkurrenz hat die Herrnhuter Brüdergemeine mit ihren täglichen Bibel-Losungen längst den App- und Twitter-Space erobert und schon bewiesen, dass sich mit 140 Zeichen viel anfangen lässt. Hat nicht Mose bereits die zehn Gebote in zwitschertaugliche Häppchen gepackt? Und Jesus die Bergpredigt? – „Wehe euch, ihr Reichen...“

Das Twittern mag für päpstliche Kreise auch deshalb so attraktiv sein, weil sich seine Terminologie so anhört wie die direkte Umsetzung einer neutestamentlichen Szene: Jesus ruft den Fischer Simon Petrus – „von jetzt an wirst du Menschen fangen!“ – samt dessen Netz in seine „Nachfolge“: Der twitternde Benedikt fischt per „Web“ nach „Followers“, und die Bibel hat’s vorausgesehen...

Aus "urbi et orbi" wird "urbi @ orbi"

Aber was wird Benedikt – praktisch wohl eher sein (Holy-)Ghostwriter – der Welt zwitschern? Auszüge aus den päpstlichen Reden könnten es sein, meint Padre Spadaro, die „in gewissermaßen poetischer Textverdichtung“ auf Format gebracht würden. Bestimmt, sagen andere, auch der Segen „urbi et orbi“, den die neue Welt ohnehin längst „urbi @ orbi“ schreibt. Lehrsätze aus dem Katechismus, vielleicht aber auch, unkt mancher, die Ver- und Gebote katholischer Moral. „Macht’s ohne!“ würde der Papst demnach zwitschern, während sämtliche Gesundheitsorganisationen „Macht’s mit!“ tweeten.

Benedikt hat neulich übrigens eine „Akademie für die lateinische Sprache“ gegründet. Da bei diesem Papst, seinen römischen Interpreten zufolge, nie irgendetwas als ein „Schritt zurück“ verstanden werden darf, bringen Experten auch die neue Latinität in Zusammenhang mit der Twitter-Zukunft. Auf lateinisch, sagen sie, lasse sich alles viel knapper ausdrücken als in jeder modernen Sprache.