Ausstellung

Buntes im Quadrat: Comic trifft Rock im Museum

| Lesedauer: 7 Minuten
Auch „Tim und Struppi“-Zeichner Hergé verewigte sich auf einem Plattencover.

Auch „Tim und Struppi“-Zeichner Hergé verewigte sich auf einem Plattencover.

Foto: Hergé / Ludwig Galerie Oberhausen

Oberhausen.  Die Ludwiggalerie in Oberhausen zeigt Comic-Kunst auf Plattencovern. Die Schau „Vinyl!“ wird ein Konzert für die Augen.

Alles kommt wieder – das gilt bekanntlich nicht nur in der Mode. So hat zuletzt auch die Langspielplatte ein fulminantes Comeback gefeiert. „Vinyl“ lautet das Schlagwort unter der jungen Generation von Plattenkäufern. Und „Vinyl!“ – mit verstärkendem Ausrufezeichen dazu – heißt auch eine Ausstellung in Oberhausen, die sich ab dem kommenden Sonntag dem alten/neuen Tonträger widmet. Genauer: seiner Verpackung. Und zwar einer bestimmten, wie der Untertitel verrät. Farbenfrohe „Comic-Cover“ zieren die Wände der Ludwiggalerie, in der man sich bekanntlich mit Popkultur im Allgemeinen und Comics im Besonderen auskennt.

„Vinyl!“ folgt Gottvater und Jesus

Schon die aktuelle Hauptausstellung „Unveröffentlicht – Die Comicszene packt aus“ widmet sich Sprechblasen und ihrem Drumherum. Am Sonntag endet sie und wird abgelöst von bunten Bildern im Format 31,5 x 31,5 cm. Der Übergang ist fließend, denn „Vinyl! Die Comic-Cover“ belegt nur einen Raum (einen großen durchaus), in der bis zum vergangenen Sonntag noch die Trinitarische Pietà im Mittelpunkt stand.

Von Jimi Hendrix bis Guns N’Roses

Wo sich zuletzt also Gottvater und gekreuzigter Heiland begegneten, treffen nun Rockmusik (überwiegend) und Comics aufeinander. Eine Paarung, die passt, ja perfekt scheint, seit beide Jugendkulturen Ende der 1960er-Jahre zueinanderfanden. Etwa als Zeichner-Ikone Robert Crumb die Hülle von „Cheap Thrills“, dem zweiten Album der Band Big Brother & the Holding Company um Janis Joplin, verzierte.

Es ist nur eines von 180 Covern, die in Oberhausen zu sehen sind. Darunter auch solche von Jimi Hendrix, Jethro Tull, den Byrds und Guns N’ Roses. Zu den Zeichnern der quadratischen Werke gehören u.a. Richard Corben, Joe Sacco, Moebius, Enki Bilal, Hugo Pratt, Milo Manara, Alfred von Meysenbug und Gerhard Seyfried.

Asterix trifft Torfrock

Sogar Asterix-Meister Albert Uderzo verewigte sich auf einem Cover. Das darin steckende Album des französischen Schauspielers Richard Gotainer dreht sich allerdings auch um die berühmten Comic-Gallier. Die norddeutschen Spaßrocker Torfrock wiederum sahen sich 1990 wohl als Gallier im Geiste und ließen sich von Stefan Böhle ein Cover im Stil der berühmten Vorsatzseite aus den „Asterix“-Alben malen.

Zusammengetragen hat sämtliche Cover Ausstellungskurator Eckart Sackmann, seines Zeichens Donaldist, Verleger und mehrfach ausgezeichneter Comic-Forscher. Seit den 70ern liebt er Comics, seit etwa 30 Jahren sammelt er sie auch auf Plattencovern: „Ich habe um 1990 herum in Frankreich eine erste Ausstellung mit Comic-Covern gesehen, und da hat mich die Sammelleidenschaft gepackt“, erinnert sich der 71-Jährige im Interview.

Leihgabe: Plattencover von Ralf König

Seitdem seien Hunderte zusammengekommen. Im bereits erschienenen Katalog zur Ausstellung (im eigenen Verlag des Kurators: Comicplus+) finden sich mit 350 Covern noch eine ganze Ecke mehr als in der Ausstellung. Und die Sammlung wächst weiter, wie Eckart Sackmann berichtet: „Es kommen immer neue dazu: Gerade jetzt, wo bekannt wird, dass wir die Cover ausstellen, melden sich die Zeichner. Erst gestern hat mir jemand erzählt, er habe eine von Ralf König illustrierte Platte – eine, die ich noch nicht kannte. Er leiht sie uns für die Ausstellung, aber vermutlich werde ich nun auch selbst versuchen, sie zu bekommen.“

Seltene Stücke zu ergattern ist freilich, wie in jedem Sammelgebiet, nicht immer einfach. Zumindest, so lange man sich nicht finanziell verausgaben möchte: „Natürlich kann man alles bekommen, wenn man genug Geld auf den Tisch legt. Ich habe jetzt auch für die Ausstellung einiges dazugekauft,“ so der Kurator. „Aber mehr Spaß macht es, wenn man sich in Frankreich oder Belgien durch einen Plattenladen ,grabbelt’. Nach einer Stunde fragt dann der Besitzer, was ich suche, und ist überrascht, dass mich die Musik nur am Rande interessiert.“

Die Ärzte auf der Abbey Road

Dabei habe sich der Comicfan und Plattensammler zu Beginn sogar noch stets den Inhalt der bunten Hüllen angehört. „Aber dann merkte ich, dass ein berühmter Zeichner nicht immer die Garantie für guten Musikgeschmack ist. Jetzt reichen mir die Cover.“

Manchmal steckt aber auch gar keine Platte im Cover – und das nicht einmal, weil sie verloren gegangen ist: So verewigte Frans Strummer die Spaßpunks Die Ärzte Ende der 90er als Comicfiguren, wie sie beatlesmäßig die Abbey Road überqueren. Das Cover wurde auch gedruckt – enthielt aber kein Vinyl, sondern wurde lediglich vom Verlag Ehapa als Werbegimmick an die Presse verteilt. „Viel mehr als 50 Stück dürften damals nicht gefertigt worden sein“, weiß Eckart Sackmann. Und eines davon besitzt er. Sein seltenste Stück? „Ganz bestimmt. Selten ist aber auch das Klappcover der dänischen Band Gasolin, das ein Motiv aus einem „Tim und Struppi“-Comic verwendet. Es gibt viele Hergé-komplett-Fans, also ist dieses Cover quasi ,ausverkauft’.“

Ausstellung mit Rock und Lichtshow

Doch ob selten oder besonders gelungen, ein Lieblingsstück kann Sackmann in seiner Sammlung nicht ausmachen. Ja nicht mal sortieren will er sie: „Es ist gerade die künstlerische Vielfalt, die den Reiz dieser Sammlung ausmacht. Sie sehen in Oberhausen, dass es unmöglich ist, in diese Vielfalt eine Ordnung zu bringen. Ein gesundes Chaos, ein buntes Chaos“, so der „Vinyl!“-Kurator.

Lightshow und Rockmusik in der Ausstellung

Wenn im Museum Rockmusik auf Comics trifft, dann erwartet die Besucher eben keine typische Kunstausstellung: „Deswegen gibt es in ,Vinyl!’ auch nicht die typische Museumshängung, alle drei Meter ein Bild, sondern Wände voller Bilder, dicht an dicht“, so der zur Eröffnung aus seiner Heimatstadt Leipzig anreisende Sackmann.

Beim Planen der Oberhausener Schau erinnerte er sich seiner Jugend als Konzertgänger und will nun das Gefühl von damals auch in die Ludwiggalerie transportieren: „Wenn man in den 70ern in Konzerte gegangen ist, hat da keiner Abstand gehalten. Die Musik wurde mit allen Sinnen aufgenommen.“ Ein Konzert solle nun auch seine Ausstellung sein – mit allem drum und dran. Na ja, fast allem: „Es gibt eine Lightshow mit wabernden Farbblasen und gute Rockmusik nonstop direkt aus dem Lautsprecher. Fehlt nur der Duft von Cannabis, aber soweit sind wir in Deutschland noch nicht.“

>>> Infos zur Ausstellung:

„Vinyl! Die Comic-Cover“, 16.1.-8.5., Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46. Di-So 11-18 Uhr, Eintritt: 8 € (erm. 4 €). Info: www.ludwiggalerie.de Der gleichnamige Katalog zur neuen Ausstellung mit 112 Seiten und 350 Abbildungen ist bereits erschienen. Museumspreis: 20 €.

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