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Electric Callboy veranstalten „Escalation Fest“ in Oberhausen

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Heißen jetzt Electric Callboy: (v li.) Pascal Schillo, David Friedrich, Kevin Ratajczak, Nico Sallach, Daniel Haniß und Daniel Klossek

Heißen jetzt Electric Callboy: (v li.) Pascal Schillo, David Friedrich, Kevin Ratajczak, Nico Sallach, Daniel Haniß und Daniel Klossek

Foto: Contrapromotion  / PRESSEBILD

Oberhausen.  Electric Callboy aus Castrop-Rauxel haben sich einen Traum erfüllt und veranstalten ein eigenes Festival. Eingeladen haben sie u.a. die 257ers.

Als sie vor zwei Jahren ihre Single „Hypa Hypa“ veröffentlichten, kündigte es sich schon an: Electric Callboy – damals noch Eskimo Callboy – sind auf dem Vormarsch. Die erste Single mit Neuzugang Nico Sallach am Mikro schaffte erstmals den Sprung in die Charts in der Musikhistorie der Castrop Rauxeler, zumindest in die Top 100.

Von den Fans wurde die Nummer irgendwo zwischen Pop und Metalcore zur neuen Hitsingle erkoren. Und die Band um Frontmann Kevin Ratajczak legte die erste Auskopplung ihrer zweiten EP „MMXX“ gleich in mehreren Versionen neu auf – mit Sasha, den 257ers, The Boss Hoss und anderen Musikerkollegen. Spätestens da war ihnen Aufmerksamkeit auch von bisher ungewohnter Seite garantiert.

“Escalation Fest“ soll die Arena füllen

Seitdem wurde das Musikerleben des Sextetts ziemlich durcheinandergewirbelt. Die Metal-/Trancecoreband aus dem Pott klettert auf der Popularitätsskala stetig nach oben und erreicht am kommenden Samstag wohl den vorläufigen Höhepunkt. Am 13. August veranstalten Electric Callboy ihr erstes eigenes Festival – und füllen mit ihrem „Escalation Fest“ die Rudolf Weber-Arena in Oberhausen.

„Das war schon lange unser Traum! Ein eigenes Festival, in unserer Heimat und dazu noch mit unseren Freunden zusammen auf der Bühne. Einen ganzen Tag lang Vollgas mit geiler Laune und der besten Musik. Das wird die absolute Eskalation“, kündigt Sänger Kevin Ratajczak an.

Verlegung von März in den Sommer

Der Run auf die Karten war nach der Ankündigung Anfang Oktober enorm, selbst die – fast schon standardmäßige coronabedingte – Verlegung vom März in den August konnte den Vorverkauf nicht bremsen. Einige wenige Tickets gibt es noch. Auf die Bühne holen die selbst ernannten leichten Jungs ihre Kollegen von den 257ers, Annisokay, Any Given Day, One Morning Left und Samurai Pizza Cats.

Dass die sechs Musiker aus dem Ruhrgebiet mit ihrem Gute-Laune-Song „Hypa Hypa“ eine ohrwurmtaugliche Single auf den Markt schmeißen, war zwar geplant, aber dass sich die Band damit ihre erste Chartplatzierung sichert, wohl kaum. Corona inspirierte die beiden Frontmänner Ratajczak und Sallach zum Song, wie ersterer im Interview mit dieser Zeitung erklärte.

Gute-Laune-Song in Zeiten von Corona

„Wir dachten, die Leute brauchen uns jetzt. Da haben wir uns ein gedachtes Superman-Cape umgehangen, um die Laune zu heben.“ Mission erfolgreich. Dazu gab’s eine Musikvideo im 80er-Jahre- Look, Schnubbi und Vokuhila inklusive.

Auch zwei der darauffolgenden Singles lösten Begeisterungsstürme bei den Fans aus – nicht zuletzt durch die kreativen Visualisierungen – und verschafften der Band gleich neue Anhänger. „Pump It“ und „Spaceman“, ebenfalls zwei Nummern, in denen sich melodischer Gesang auf Trancebeats mit dem genretypischen Screaming abwechselt, kletterten in den deutschen Charts noch weiter nach oben als ihr Vorgänger „Hypa Hypa“.

Populär dank Trash-Format?

Dass die Band einer breiteren Masse, abseits der eingeschworenen Fangemeinde, bekannt wurden, haben sie Drummer David Friedrich zu verdanken. Der gebürtige Duisburger sammelte Sympathiepunkte in den RTL-Formaten „Bachelorette“ und Dschungelcamp.

„Am Anfang hat man uns unterstellt, wir schicken David dahin, damit eben genau diese Aufmerksamkeit auf uns gelenkt wird. Aber so war es gar nicht“, erklärte Ratajczak. „Wir waren eher dagegen, weil wir keine Kasper sein wollten.“

Keine Auftritt beim ESC

In die Öffentlichkeit zieht es die Castrop-Rauxeler dann aber doch irgendwie, zumindest bewarb sich die Band mit ihrem Hit „Pump It“ für den Vorentscheid beim diesjährigen Eurovision Song Contest, erhielt von der NDR-Jury allerdings eine Absage. Nicht radiotauglich, hieß es als Begründung.

Das ließen Fans nicht auf sich sitzen und starteten eine Petition. Aber auch 100.000 Unterschriften änderten die Meinung der Jury nicht. Der finale deutsche Export landete, wie bekannt, auf dem letzten Platz.

Europa- und Amerikatour geplant

Keine Zeit für Was-wäre-wenn-Fragen und Trübsal blasen. Für das Quintett stand in April und Mai die lange aufgeschobene „Hypa Hypa“-Tour an, Festivals stehen diesen Sommer auf dem Plan, am 9. September erscheint das neue Album „Tekkno“, am Ende des Monats startet eine Tour durch Großbritannien und Frankreich, anschließend geht’s quer durch die USA mit Co-Headliner und den Genrekollegen von „Attack Attack!“.

Viele Auftritte der Band im In- und Ausland sind bereits ausverkauft. Aber für 2023 steht eine weitere Europatour an, um das neue, zehn Tracks umfassende Album (darunter „Pump It“, „We Got The Moves“ und die zuletzt erschienene Single „Fuckboi“) zu promoten. Dabei kommen Sallach & Co. nach Köln – nicht mehr ins Palladium, sondern direkt in die Lanxess Arena.

Namenswechsel, aber die Musik bleibt

Dass die elektrisierenden Musiker aber auch ernst können, bewiesen sie in den vergangenen Monaten. Nicht nur, dass sie alte Lieder, die als sexistisch und homophob kritisiert wurden, von ihrer Musikplattform entfernen ließen.

Die seit 2010 existierende Band änderte auch ihren Namen. Die Mitglieder hätten sich nicht mehr wohl mit ihrer Benennung gefühlt, heißt es auf der Homepage, gemeint ist das kontrovers diskutierte Wort „Eskimo“.

„Wir wollen niemanden ausschließen“

„Wir wollen niemanden verletzten, wir wollen niemanden ausschließen und wir wollen keine Jahrhunderte alten Klischees promoten“, erklären die Frontmänner auf ihrem Social-Media-Kanal. Um direkt hinzuzufügen: „Ansonsten ändert sich nichts. Wir bleiben die gleichen süßen Jungs, die ihr aus dem Internet kennt, unsere Musik bleibt dieselbe.“ Und anscheinend auch der Humor.

>>> Info: Electric Callboy – Escalation Fest, 13.8., 16 Uhr, Rudolf Weber-Arena, Arenastr. 1, Oberhausen. Karten: ca. 57 €; Tekkno Tour 2023, 3.3., 19 Uhr, Lanxess Arena, Willy-Brandt-Platz, Köln. Karten: ca. 66 €.

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