Musik

Jung, laut, bunt: Das Holi Festival tourt wieder durch NRW

Farbenekstase: Etwa 7500 Menschen feierten am vergangenen Samstag im Leverkusener Neuland-Park das „Holi Festival of Colours“.

Farbenekstase: Etwa 7500 Menschen feierten am vergangenen Samstag im Leverkusener Neuland-Park das „Holi Festival of Colours“.

Foto: Ralf Rottmann

Leverkusen.  Seit Jahren zieht das „Holi Festival of Colours“ Fans von Elektromusik unter die Bassboxen. Auch in NRW wird’s in diesem Sommer wieder bunt. 

Plötzlich Pause. Abrupt verstummen die laut wummernden Bässe, die Uhr zeigt die volle Stunde – und immer dann kommt Farbe ins Spiel. Der DJ, unter seinem Pavillon zwischen zwei haushohen Boxentürmen kaum zu erkennen, schnappt sich das Mikro: „Leverkusen! Seid ihr bereit?“ Und klar, hey, die 7500 in Weiß gekleideten Elektro-Fans auf der vertrockneten Rasenfläche unweit des Rheins, sie sind es.

Auf der LED-Wand über dem DJ-Pult blinkt nun in großen Ziffern ein Countdown auf, der Plattenchef gibt den Anheizer, stimmt lauthals an: „Zehn, neun, acht ...“ – in der Menge werden unterdessen hastig kleine Plastiktütchen aufgerissen, darin die entscheidende Zutat des Tages: 75 Gramm Farbe, feines Pulver in lila, blau, grün, rot und gelb. „Sieben, sechs, fünf, vier ...“

Auch die Rufe der Masse werden jetzt lauter, der Gruppenpuls steigt spürbar an. Mehr und mehr Hände wandern nach oben, viele haben ihr Smartphone gezückt, andere hüpfen nervös auf und ab. Euphorisch bringt der DJ seine Knöpfchen in Stellung. Und dann geht alles ganz schnell: „Drei, zwei, eins“ – bunt!

Der Ursprung des Festivals ist ein indischer Brauch

Während aus den Boxen der treibende Beat von Szene-Ikone David Guetta einsetzt, ergießt sich über der Menge ein Meer aus Farben. Eine knallbunte Wolke, die in alle Himmelsrichtungen wabert – und nach und nach die wild besprenkelten Shirts und Gesichter der Tanzenden preisgibt.

Die dabei entstehenden Bilder sind inzwischen bekannt – und doch immer wieder neu. Die Euphorie rund um das „Holi Festival of Colours“ ist bis heute vor allem bei jungen Erwachsenen ungebrochen. Seit nunmehr sieben Jahren tourt der Veranstalter „Holi Concept“ mit seinem Farbenspektakel durch Deutschland. Auch an diesem Samstag sind im Leverkusener Neuland-Park die meisten Feierwütigen wieder zwischen 16 und 25 Jahren.

Seinen Ursprung hat das Holi in Indien, wo sich die Menschen losgelöst von ihrer Kaste zu Beginn jedes Frühjahrs mit gefärbtem Wasser und Puder, dem so genannten „Gulal“, bewerfen, um den Sieg des Frühlings über den Winter zu feiern. Während das Farbenfest auf dem südasiatischen Subkontinent oft mehrere Tage andauert, ist die Export-Party hierzulande nach ungefähr zehn Stunden vorbei.

Einmal in der Stunde gibt’s den „Farb-Countdown“

Der Ablauf des Open-Airs ist dabei stets ähnlich: Ab 12 Uhr mittags lässt ein DJ die Teller kreisen – und verarbeitet fast jeden Chart-Klassiker zu einem Remix, der nicht bei drei auf den rar gesäten Bäumen ist. Ob Queen, Los del Rio („Macarena“), Usher oder Gzuz: Hauptsache, es knallt. Ab 15 Uhr gibt’s dann einmal in der Stunde den gefeierten „Farb-Countdown“, den letzten um kurz vor 22 Uhr.

So farbenfroh war es auf dem Holi Festival in Leverkusen
So farbenfroh war es auf dem Holi Festival in Leverkusen

Doch das grellbunte Pulver fliegt längst nicht nur, wenn gerade „der Beat dropped“. Immer wieder nehmen die Besucher ein Bad in der Farbe – welch perfekte Kulisse für Instagram! Die Nebelmaschine gibt alles, über der tanzenden Menge liegt ein beständiger Dunst. Was die Feiernden daher zum Ende des langen Tages eint, ist weniger ihre einst blütenweiße Kluft als vielmehr ein dringendes Bedürfnis: Duschen.

>>> Hier geht die bunte Party weiter

Seit Juli 2012 richtet die Holi Concept GmbH als größter Veranstalter mehrmals im Jahr und in einer Vielzahl von Städten weltweit das „Holi Festival of Colours“ aus. Der Fokus allerdings liegt auf Deutschland, wo das eintägige Open-Air inzwischen in knapp 20 Städten stattfindet, darunter auch in Köln, Leverkusen und Neuss bei Düsseldorf sowie in den Ruhrgebietsstädten Essen, Bochum und Dortmund.

Die nächste Gelegenheit für den kollektiven Farbrausch bietet sich Freunden von elektronischer Musik bereits an diesem Sonntag, 28.7.: Dann findet das Festival im Rahmen der „Aloha Tour 2019“ auf der Galopprennbahn in Neuss statt. Aber auch weniger Kurzentschlossene haben noch eine Chance: Am 31.8. wird der Dortmunder Fredenbaumpark beschallt und in eine bunte Wolke gehüllt.

Analog zum offiziellen „Holi Festival of Colours“ gibt es in Deutschland noch einige weitere Anbieter des beliebten Farbspektakels, etwa den „Holi Farbrausch“ (Justa Event GmbH) oder die „Holi Gaudy“ (Go 2 Convent GmbH). Beide planen aber derzeit keine Events in NRW.

Generell gilt: Bei allen Holi-Veranstaltungen liegt das Mindestalter bei 16 Jahren, das Mitbringen von Speisen, Getränken und Farbpulver ist nicht gestattet. Wer am Festivaltag erst am späteren Nachmittag anreist, sollte Geduld mitbringen: Dann ist der Andrang vor dem Einlass häufig am größten, es kann zu langen Schlangen kommen.

Holi Festival of Colours: So., 28.7., Galopprennbahn Neuss + Sa., 31.8., Fredenbaumpark Dortmund. Karten (ohne Farbpulver) ab ca. 23 € auf www.holifestival.com.

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