Interview

Kabarettist Fritz Eckenga feiert Bühnencomeback im Stadion

Lesedauer: 9 Minuten
Revierkabarettist und Fußballfan Fritz Eckenga weiß, wie man sich im Stadion benimmt – gelegentliches Ausrasten bis hin zum angemessenen Beschimpfen der eigenen Mannschaft ist ausdrücklich erlaubt.

Revierkabarettist und Fußballfan Fritz Eckenga weiß, wie man sich im Stadion benimmt – gelegentliches Ausrasten bis hin zum angemessenen Beschimpfen der eigenen Mannschaft ist ausdrücklich erlaubt.

Foto: Volker Hartmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Revierkabarettist Fritz Eckenga verrät im Interview seinen EM-Favoriten – und wieso er vor seinem Auftritt in Oberhausen Lampenfieber verspürt.

Fritz Eckenga ist Dortmunder mit Leib und Seele. Als solcher hauchte er mit regionalem Zungenschlag unvergessenen Ruhrgebietsfiguren wie Bademeister und Baumarktleiter Leben und Witz ein. Als solcher ist er aber auch eingefleischter Fußball- und BVB-Fan. Wie passend, dass er sein Bühnencomeback nach dem Lockdown-Ende in einem Stadion feiern darf. Kommende Woche trifft er im Oberhausener Stadion Niederrhein erstmals wieder auf echtes Publikum. Im Interview mit Stefan Moutty gestand der 66-Jährige, dass sich nach der Zwangspause sogar längst überwunden geglaubtes Lampenfieber angekündigt hat.


Der Lockdown ist vorbei, man kann wieder einkaufen, in den Biergarten – fühlen Sie sich befreit?

Fritz Eckenga: Nicht unbedingt, ich versuche mich erst daran zu gewöhnen. Ich bin jetzt auf jeden Fall häufiger verabredet, als das vor einigen Wochen noch der Fall war. Homeoffice war für mich zumindest kein Fremdwort (lacht), weil unsereiner ja viel zuhause arbeitet. In der Zeit sind ja unter anderem auch zwei Bücher von mir erschienen. Daraus hätt‘ ich gerne mal dem Publikum vorgelesen. Aber abends war ich ja wenig raus.

Was hat Ihnen im Lockdown am meisten gefehlt – abgesehen natürlich von Auftritten?

Das Treffen mit mehreren Menschen. Ich arbeite ja auch gerne mit befreundeten Kollegen zusammen. Und wenn da zuletzt mal etwas möglich war – es war selten –, dann waren das echte Highlights. Das soziale Miteinander ist mir doch sehr abgegangen. Das merkt man zwar vielleicht nur schleichend. Aber jetzt, wo wieder ein paar Sachen möglich sind, merkt man umso mehr, wie es einem gefehlt hat.

Comeback im Stadion Niederrhein

Was die Auftritte angeht, geht‘s für Sie aber wieder los. Nächste Woche stehen Sie in Oberhausen wieder vor Live-Publikum – und dann gleich in einem Stadion …

Ja, nachdem wir anderthalb Jahre im Keller gearbeitet haben, gehen wir jetzt sofort ins Stadion. Ich weiß nicht, wieviel kommen, vielleicht 50.000 … (lacht) Ich hab‘ mich richtig erschrocken, als es hieß, der Auftritt findet statt. Es war natürlich ein freudiges Erschrecken. Wobei ich aber auch ein bisschen Schiss habe, muss ich ehrlich sagen. Da kommt tatsächlich so was wie Lampenfieber auf, ich bin ja lange nicht vor Menschen aufgetreten.

Wann war das in Ihrem Fall?

Ich glaube der letzte Auftritt vor Publikum – vor sehr wenig Publikum – war im November. In einen Saal für 400 Leute konnten wir 30 rein lassen, oder so ähnlich. Das war schon ziemlich gruselig – für alle Beteiligten.

Sie haben sich für Ihr Programm „Am Ende der Ahnenstange“ ja schon den aktuellen Stand der Evolution angeschaut. Hat die Corona-Zeit diesbezüglich neue Aufschlüsse geboten?

Das ist ja mittlerweile fast eine Binsenweisheit, dass die Corona-Krise wie ein Brennglas alles deutlicher werden lässt – die Widersprüche, die Unterschiede, die Ungerechtigkeiten. Aber ich mach ja keine Soziologievorlesung auf der Bühne. Aber dass wir über die menschlichen Beklopptheiten reden – auch über die eigenen –, die uns in diesen Zeiten vielleicht besonders aufgefallen sind, ist ja klar. Und vielleicht können wir ja dabei auch übereinander lachen. Dass man zumindest für einen Abend ein paar Probleme einfach weglacht, hat ja schon häufiger mal geholfen.

Waren Sie als Fußball-Fan schon mal im Stadion Niederrhein? Immerhin ist es die Heimstätte des Traditionsvereins Rot-Weiß Oberhausen.

Ja, aber ich bin mir sehr sicher, dass ich da noch nicht war. Ich kenne natürlich den Präsidenten sehr gut (Hajo Sommers, Chef des Ebertbads; Anm. d. Redaktion).

RWO, BVB, VfL Bochum – und Schalke

Rot-Weiß Oberhausen und der BVB begegnen sich in Pflichtspielen natürlich auch eher selten …

Naja, die sogenannten Amateure von Borussia Dortmund spielten bis zum Aufstieg vergangene Woche mit RWO in einer Liga. Aber ich hätte natürlich gar nichts dagegen, wenn so ein richtiger Fußballverein wieder da spielen würde, wo er hingehört. Und nicht nur so komische Vereine … Deshalb find ich’s klasse, dass Bochum aufgestiegen ist, da freue ich mich sehr drüber. Es ist schade, dass der andere Verein abgestiegen ist …

Schalke? Das sagen Sie als BVB-Fan?

Ich muss diesen Verein ja nicht lieben, aber hassen tue ich ihn auch nicht. Ich habe Freunde in der Stadt, ich spiele in Gelsenkirchen – wenn ich darf … (lacht). Ich finde, die gehören natürlich in dieselbe Liga wie wir. Eigentlich …

Ihr Kollege René Steinberg zum Beispiel ist ebenfalls BVB-Fan. Kennen Sie auch einen überzeugten Schalker aus dem Kabarett- und Comedyfach?

Der Schauspieler Peter Lohmeyer ist ein bekannter Schalke-Fan. Und HG Butzko tut immer so, als wäre er Schalke-Fan. Aber ich glaube, er macht das nur, um andere Leute damit zu ärgern … (lacht)

Apropos Fußball: Die EM geht los. Freuen Sie sich drauf? Gucken Sie überhaupt?

Ja sicher, ich werde schon was gucken. Aber das ist schon so eine Veranstaltung, die gefühlt im Beiprogramm stattfindet. Das Wetter ist schön, ich möchte viel draußen sein, das steht eher im Vordergrund. Und ich darf selber auch ein bisschen anschaffen gehen, also arbeiten. Die EM ist ja auch irgendwie so eine aufgeblasene Veranstaltung mit gefühlt 130.000 Spielen. Aber Frankreich gegen Deutschland gucke ich mir natürlich an – und ich hoffe, dass sich die wenigen Dortmunder, die mitspielen, nicht verletzen. (lacht)

„Ich bin kein Fan der Nationalmannschaft.“

Ihr Tipp für die EM?

Wenn alles normal läuft, wird Frankreich Europameister, würde ich sagen. Oder England. Aber vielleicht wird’s auch Deutschland. Aber das glaube ich eher nicht …

Ist es nicht so, dass Fans eines Bundesliga-Vereins die Nationenturniere generell weniger schätzen als das Fußballgelegenheitspublikum?

Ja sicher, ist das so. Ich bin ja kein Fan der Nationalmannschaft. Ich gucke mir auch gerne Spiele an, in denen die deutsche Mannschaft guten Fußball spielt. Aber mein Herz hängt nicht daran – das ist ja schon vergeben.

Gehe ich also richtig in der Annahme, dass Sie Auto und Balkon noch nicht Schwarz-Rot-Gold dekoriert haben?

(lacht) Ja. Die Antwort lautet ja. Wir haben das ja oft erlebt, dass bei großen Turnieren – Stichwort „Sommermärchen“ – auf einmal Menschen begeisterte Fußball-Fans sind, die noch nicht oft im Fußballstadion waren. Ich hab’s selbst beim Halbfinale 2006 in Dortmund erlebt, das Italien zu Recht gegen Deutschland gewonnen hat. Da hab ich in meinem eigenen Stadion, das ich nun wirklich in- und auswendig kenne, so gefremdelt – weil da so viele Menschen waren, die offensichtlich nicht wussten, wie es in einem Fußballstadion normalerweise so abgeht. Wenn ich da ab und zu mal Ausbrüche hatte und Spieler der deutschen Mannschaft angemessen beschimpft habe, dann wurde ich angeguckt, als hätte ich Blattern und Lepra gleichzeitig.

„Die sogenannten Experten reden ja auch oft ziemlich schlimmes Zeug.“

Sie sind ja ein Meister des Fußball-Fachsimpelns. Mit welchem Kommentar kann man beim Fußballgucken mitreden, ohne wirklich Ahnung zu haben?

Naja, da gibt’s so ein paar Standards: „Wenn er rauskommt, muss er ihn auch haben“, zum Beispiel. Oder: „Warum spielt der den nicht lang?“ Oder moderner: „Die vorgezogene Sechs ist ja eigentlich ‘ne abfallende Acht.“ Die Menschen, die sich das antrainieren müssen, sagen sowas aber meistens in Augenblicken, wo das völlig unpassend ist. Ist aber auch nicht schlimm. Die sogenannten Experten, die sich selbst für Fachleute halten – also ich zum Beispiel –, die reden ja auch oft ziemlich schlimmes Zeug. (lacht)

Tatsächlich?

Klar, wenn ich mir anhören müsste, was ich über die Jahre beim Fußball von mir gegeben habe, käme wahrscheinlich relativ viel Scham auf. Dafür ist der Fußballplatz aber auch da. Man sagt dort Sachen, die nur für diesen Ort und diesen Moment gedacht sind – da muss man nachher keine Textkritik machen! Also wenn man sich im Kreise Gleichgesinnter gepflegt entmenschen will, dafür sind die 90 Minuten perfekt. Nachher heißt es dann aber: Jetzt wieder hübsch zurück in die Zivilisation.

Fritz Eckenga live:

Termine: 18.6. Oberhausen (Stadion Niederrhein), 27.8. Unna (Lindenbrauerei), 25.+29.9. Dortmund (Ruhrhochdeutsch-Festival), 6.11. Gelsenkirchen (Kaue), 13.11. Bochum (Haus Spitz), 18.11. Soest (Alter Schlachthof). Infos zum Kartenkauf auf: www.eckenga.com

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