Interview

Kai Magnus Sting ärgert die „Dummheit der Menschen“

Der Duisburger Kabarettist Kai Magnus Sting hofft, ab Herbst mit seinem neuen Programm „Hömma, so isset“ durch die Region touren zu können.

Der Duisburger Kabarettist Kai Magnus Sting hofft, ab Herbst mit seinem neuen Programm „Hömma, so isset“ durch die Region touren zu können.

Foto: harald hoffmann / Stand-up & More GmbH

Kai Magnus Sting steht momentan nicht auf der Bühne, sondern sitzt am Schreibtisch. Ein Interview über Corona, Krawatten und Krimis.

Auf der Bühne steht Kabarettist und Autor Kai Magnus Sting momentan nicht, dafür sitzt er viel im heimischen Arbeitszimmer oder auf dem Fahrrad. Das neue Programm „Hömma, so isset“ ist längst fertig und wartet darauf, gespielt zu werden. Im Herbst ist es so weit. Dann tritt der 42-jährige Duisburger mit seiner Liebeserklärung ans Ruhrgebiet auch in der Region auf. Kirsten Gnoth sprach vorab mit Kai Magnus Sting über mordlüsterne Momente, die Liebe zum Sakko und seinen Auftritt im Oberhausener Ebertbad, der eigentlich gar keiner war.

Für das Internet sind die kürzlich im Ebertbad aufgetreten. Vor leeren Stühlen und mit einer Show, die daraus bestand, sich auf der Bühne einzurichten. Was steckt dahinter?

Kai Magnus Sting: Eigentlich geht das nicht. Das merkt man relativ schnell. Das ist eine Sache, die ist nicht schön und tut auch nicht gut. Deshalb habe ich diese Show im Ebertbad, die wir später ins Netz gestellt haben, quasi ohne Inhalt bestritten. Ich wollte damit spielen. Andere Kollegen spielen bei diesen Formaten ihr normales Programm und das finde ich manchmal recht schwierig – gerade, wenn man Solokünstler ist. Man merkt dann doch, wie wichtig die Reaktion aus dem Publikum ist, wie wichtig Applaus ist und wie wichtig die Gemeinschaft in so einem Raum ist. Deshalb habe ich mich für eine fast nonverbale Geschichte entschieden, um eben auch auf diese momentane Situation aufmerksam zu machen. Es ist eben keiner da und deshalb mache ich auch nichts. Trotzdem mache ich was, weil wir ja alle irgendwas machen müssen.

Auf der anderen Seite hatten Sie auch kürzlich die Chance, im Autokino aufzutreten.

Wenn mir das vor einem halben Jahr jemand gesagt hätte, hätte ich ihm den Vogel gezeigt. Und dann stehst du da plötzlich vor 100 oder 200 Autos. Du siehst nur in der ersten Reihe die Leute hinter der Autoscheibe lachen. Ansonsten gibt es nur Hupe, Lichthupe und Warnblinkanlage. Das ist schon kurios und dennoch bekam ich eine Gänsehaut und ein Tränchen ins Auge, weil man auch bei diesen verhaltenen Reaktionen merkt, dass da eine Gemeinschaft ist. Und das alleine durch Lichtsignale.

In dem Video im Internet sprechen Sie auch von einer kulturlosen Zeit. Wie erleben Sie diese Zeit?

Auf die Frage gibt’s zwei Antworten. Also einmal stehe ich aufgrund meiner Tätigkeit jeden zweiten Abend auf einer Bühne und gehe daher selbst wenig weg. Jetzt wären allerdings die Ruhrfestspiele in Recklinghausen gewesen, wo ich sonst fünf oder sechs Vorstellungen in der Saison gucke. Ich habe mich irrsinnig auf eine Inszenierung vom Deutschen Theater Berlin mit Ulrich Matthes und Wolfram Koch als Don Quijote und Sancho Panza gefreut und das fehlt mir nun. Noch mehr fehlt natürlich das selber auftreten und spielen. Gerade, wenn es einem auch nicht gut geht. Da sitzen 500 Leute zusammen in einem Raum und jeder hat an dem Abend so sein kleines Problemchen. Vollkommen egal, was. Für die zwei Stunden ist es schön, wenn du es als Künstler schaffst, das für ein, zwei Augenblicke vergessen zu lassen. Auf beiden Seiten, sowohl im Saal als auch auf der Bühne. Es sind diese magischen Momente, in denen du eine Art der Zuneigung und Liebe erfährst. Gerade in kritischen Zeiten ist das überlebensnotwenig. Vor ein paar Wochen hat die Bundesregierung alle Buchhandlungen geschlossen, weil sie nicht in die Kategorie „systemrelevant“ fallen – für mich sind Literatur, Musik und Theater extrem systemrelevant, weil ohne diese Dinge kann ich persönlich nicht funktionieren. Ich brauche Input.

Sie haben kaum Zeit sich selbst etwas anzusehen, weil Sie eigentlich einen gut gefüllten Tourplan haben. Wie ist es, plötzlich immer zu Hause zu sein?

Das hat ein bisschen was von Schule schwänzen. Ich habe letzte Woche auch einen Termin verschmitzt, weil ich gar nicht erst in den Kalender geguckt habe. Vor ungefähr zehn Jahren gab es in den Sommerferien noch keine Kleinkunstfestivals oder offene Theater. Wenn mich Freunde fragten, was ich im Sommer so mache, habe ich immer gesagt: „Ich habe jetzt auch sechs Wochen Sommerferien.“ Die Reaktion war: „So gut möchten wir das auch mal haben.“ Aber ich konnte mir das ja nicht aussuchen. Als Selbstständiger muss ich vor- und hinterher so arbeiten, dass ich diese Wochen aufgefangen kriege. Das habe ich in den ersten Wochen der Corona-Krise auch gesagt. Ich nutze das und arbeite den Schreibtisch leer. Ich sitze nicht zu Hause und drehe Däumchen. Ich habe ein Hörspiel für den SWR geschrieben, eines für den WDR und habe das neue Programm samt des dazu erscheinenden Buches fertig geschrieben. Ich arbeite jeden Tag, habe aber ausnahmsweise die Wochenenden frei. Dann ist mein Schreibtisch im Herbst frei und ich kann mich aufs Touren konzentrieren.

Wie klappt das Homeoffice mit Kind und Kegel?

Das klappt ganz gut, weil wir versuchen, uns das einzuteilen. Wenn meine Frau etwas zu tun hat, gehe ich mit unserer Tochter raus und umgekehrt. Unsere Tochter ist drei Jahre alt. Wir haben nicht das Problem mit Hausaufgaben zu Hause oder einem bevorstehenden Abi. Bei uns geht es „nur“ darum, dass gerade kein Kindergarten ist. Natürlich fällt uns schon mal die Decke auf den Kopf, aber nicht mit einem schulischen Leistungsdruck dahinter – das entschärft das Ganze um Längen. Allerdings kenne ich dieses Arrangement. Wenn ich nicht auf Tour bin, arbeite ich auch von zu Hause. Wenn meine Tochter an die Arbeitszimmertür klopft und sagt „Papa, Papa“, kann ich auch nicht widerstehen und es wird eine halbe Stunde gespielt. Bei den Kindergarten-Kindern ist das Problem, dass den Kleinen ihre Freunde und Spielgefährten fehlen. Das macht es für ein Kind schwer. Unserer Tochter sagen wir momentan: „Die Welt hat Schnupfen und deshalb müssen wir Abstand halten.“ Und dann versteht sie das auch. Die Unlockerheit der Eltern färbt aber auf das Kind ab und so schaukelt sich das manchmal eben auch hoch.

Sie sind Duisburger und wohnen auch immer noch dort. Haben Sie Corona-Zufluchtsorte in der Stadt?

Ich schwinge mich gern aufs Fahrrad und fahre einfach durch die Gegend. Man bewegt sich, hat Luft und sieht ein bisschen was anderes. Da gibt es natürlich Orte wie den Landschaftspark, die Sechs- Seen-Platte in Wedau oder auch der Wald am Zoo, an denen ich gerne bin und durch die ich gerne fahre. Alles weitere wie Cafés und Stammkneipen fallen allerdings auch weg. Man wird auf Schritt in Tritt von all dem verfolgt.

Sie blicken in Ihren Programmen auf Alltägliches. Was treibt Sie ganz persönlich in den Wahnsinn?

Gerade ganz akut -- die Dummheit und Ignoranz der Menschen. Wenn es heißt „Abstand halten“ und ich muss wie eine Flipperkugel zwischen den Leuten hin und her springen, die einfach ganz stur und ohne Rücksicht ihren Weg weiter gehen. Nur wenige Leute schaffen es wirklich, Rücksicht zu nehmen. Und wenn man dann etwas sagt, kriegt man noch einen blöden Spruch gedrückt. Das bringt mich wirklich auf die Palme und das kann ich nicht verstehen. Wir werden von morgens bis abends mit dem Thema Corona behelligt und kriegen es daumendick um die Nase geschmiert und die Leute sind nicht in der Lage, Rücksicht zu nehmen. Die Menschheit ist eben dumm und sie lernt nicht. Das ist das traurige Ergebnis.

Das klingt nach jeder Menge Zündstoff für ein neues Programm?

Ne, ne, ne, ne. Ich hatte nach dem 11. September 2001 einige Auftritte. Bei denen bin ich vor der Show auf die Bühne gegangen - ohne Mikro und ohne, dass der Raum abgedunkelt war. Ich habe in den paar Minuten vor dem Auftritt zu den Leuten gesagt: „Wir lesen alle die Zeitung, hören alle Radio, sind im Internet unterwegs und gucken alle Fernsehen. Ich werde jetzt gleich hier raus kommen und die nächsten zwei Stunden kein Wort über die aktuellen Ereignisse verlieren.“ Ähnlich ist es nun auch bei Corona. Ich möchte das nicht miteinander vergleichen, aber es waren und sind beides weltbewegende Themen. Wir reden nach wie vor anhaltend darüber. Vor und nach dem Programm kann man gerne darüber sprechen, aber ich möchte, dass die Leute zwei Stunden lang Freude an ganz alltäglichen Dingen haben und ihren ganzen Scheiß für diese Zeit mal vergessen. Das ist mir sehr wichtig, bei dem was ich mache. Es gibt ganz wunderbare politische Kabarettisten. Ich finde das toll, aber ich kann und möchte das nicht für das, was ich mache. Ich möchte den Alltag auf die Bühne bringen und die Leute über mich und in Reflexion auch über sich selbst lachen lassen. Im neuen Programm werde ich Themen, die die Menschen verängstigen und durch die viele einen Verlust erlitten haben, nicht verarbeiten.

Was dürfen wir denn dann vom neuen Programm erwarten?

Ich habe 2012 ein Programm gespielt, das heißt „Hömma, weiß Bescheid“. Da habe ich mich mit der Sprache, dem Denken und der Philosophie der Menschen im Ruhrgebiet beschäftigt. Ich habe uns, die Menschen im Pott, nicht auf die Schippe, sondern liebevoll in den Arm genommen. Ich habe auf der Bühne, anders als ein Tegtmeier oder ein Knebel, keine Figur verkörpert, sondern ich als Kai habe Geschichten, Anekdoten und Grammatik aus dem Ruhrgebiet erzählt. Das ist so gut angekommen, dass ich das in „Hömma, so isset“ auch wieder machen werde. Eine schöne Geschichte ist mir vor ein paar Monaten in einer Bäckerei passiert. Vor mir stand eine Frau und zeigt auf einen roten Kuchen in der Auslage. Sie fragt die Verkäuferin: „Ist das Erdbeerkuchen?“ Die Verkäuferin antwortet: „Ja, aber mit Kirschen.“ Ganz ernst. Das macht uns für mich aus. Ich zeichne ein Psychogramm über die Menschen im Pott.

Der Pott unterliegt einem ständigen Wandel. Welcher Fortschritt freut Sie?

Ich finde es wunderbar, wie wir im Pott mit gewissen Dingen leben. Wenn ich unterwegs bin, finde ich es manchmal anstrengend, mit welchem Stolz sich die Leute aus gewissen Regionen brüsten. Sei es der Stolz des Bayern auf seine schönen Berge oder die Schnodderschnauze der Berliner, mit der sie wie eine Brechstange durch die Straßen pflügen. So sind wir nicht im Pott. Hier ist es ja nicht objektiv schön. Was hier die Region ausmacht, sind die Leute und wie wir mit dem Jahrzehnte anhaltenden Wandel umgegangen sind. Das finde ich bemerkenswert. Wir tragen nicht mit stolzgeschwellter Brust unsere Region vor uns her, sondern bei uns ist es eher ein Understatement. Und das macht es hier für mich so sympathisch und lebenswert. Ich zeige auch gerne Kollegen das Ruhrgebiet. Und zwar nicht die Vorzeige-Ecken wie Villa Hügel und den Landschaftspark. Manchmal stehe ich mit denen einfach nur an einer Bude und esse eine Currywurst. Mit Henning Venske bin ich oft aufgetreten und wie oft wollten wir danach noch in einer Kneipe einkehren und die Stühle standen schon alle oben. Für ein Pils konnten wir uns aber immer noch setzen.

Gibt es denn auch Dinge, die sie beim heutigen Ruhrgebiet vermissen?

Es ist ja schon viel zugebaut. Früher war gefühlt mehr Platz da, aber das hängt auch vielleicht damit zusammen, dass man älter und größer wird. Früher waren ja auch die Schokoküsse in einer kleinen Kinderhand Berge, heute da isst die die ganze Packung, weil sie so klein geworden sind. Vielleicht liegt es auch nur an der Perspektive. Auf der anderen Seite gibt es seit 26 Jahren den Landschaftspark, den hat es in meiner Kindheit noch nicht gegeben. Der Duisburger Innenhafen war ein ganz normales Hafengebiet. Da gab es Silos und Speicher. Da war an der A59 noch die „Mister Softy Milchtüte“, das war ein angestrichener Speicher. Das hatte früher auch seinen Charme. In meiner Kindheit wurde dieser Speicher abgerissen und in meiner Adoleszenz wurde der Innenhafen mit den Gastronomien aus dem Boden gestampft. Natürlich möchte ich aber auch die Luftverpestung und den ganzen Schmutz nicht wieder haben. Vor drei Jahren durften wir allerdings noch mal auf der Bottroper Zeche Prosper Haniel unter Tage. Als ich da unten auf 1000 Meter war, aber ich die Region erst richtig verstanden und warum wir so reden, wie wir nun mal reden. Da muss alles schnell gehen. Kurze Ansagen und danach muss gehandelt werden. So ist es oberirdisch auch.

Haben Sie denn ein Lieblings-Ruhrpott-Deutsch-Wort?

Ein schönes Sprachphänomen ist die sechsfache Sachlichkeit. „Ich sach, weiße sach ich zu meinem Arzt. Ich sach zum dem – Hömma, sach ich.“ Auch die ganzen reduzierten Wörter wie Hömma, Samma, Kumma – wo zwei Worte zu einem verschmelzen und man sofort aufhorcht. Du kannst auf dem Jungfernstieg „Hömma“ rufen und es bleiben sofort zehn Leute stehen. Das sind Schlagworte. Letztens in Bochum, im Bermudadreieck bei Dönninghaus (dieser Currywurstbude): Die Verkäuferin hinter der Theke sagt einfach „Und?“, mehr nicht. Ein ganzer Satz wird zu einem Wort und das ist noch nicht mal ein Fragewort. Wir sind im Ruhrpott in der Lage eine Begrüßung, ein beginnendes Kundengespräch und die Bestellungsaufnahme in einer einzigen Silbe zu verpacken. Das ist so zugespitzt wunderbar, da geht mir das Herz auf.

Kommen wir vom Ruhrgebiet zum Niederrhein. Sie schreiben ja auch Krimis und machen Hörspiele daraus. Wann haben Sie zum ersten Mal Ihre mörderische Ader erlebt?

Ich glaube als Kind (lacht). Das fing mit Fünf Freunden und den ganzen Enid-Blyton- Ding an. Ich habe schon sehr früh die ganzen Hörspielschallplatten gehört und fand das sehr spannend. Dann wurde es etwas erwachsener und gruseliger mit den „Drei ???“ und richtig zur Sache ging’s – da muss ich so elf gewesen sein – mit Sherlock Holmes. Den ersten Radio-Krimi vom WDR werde ich nie vergessen „Paul Temple und der Fall Alex“, da war es um mich geschehen.

Jetzt schreiben Sie Ihre eigenen Krimis?

Das hat mich so in seinen Bann gezogen, dass ich es auch machen wollte. Ich habe Bastian Pastewka 2012 kennenlernen dürfen und mit ihm einen verschollenen Paul-Temple-Fall auf die Bühne bringen dürfen. „Paul Temple und der Fall Gregory“. Darüber habe ich Leonhard Koppelmann kennenlernen dürfen. Er ist einer der führenden deutschen Hörspielregisseure. Er hat alles gemacht, von Thomas Mann über Elfriede Jelinek bis zu ja, Kai Magnus Sting. Wir haben uns angefreundet und er inszeniert einen Großteil meiner Hörspiele, wie auch „Tod unter Gurken“ und „Tod unter Lametta“. Für „Tod unter Lametta: Folge eins“ haben wir sogar den Deutschen Hörbuchpreis bekommen. Und das haben wir dann mit Bastian Pastewka, Annette Frier, Jochen Malmsheimer und mir auf CD gebannt. Wir sprechen zu viert 30 unterschiedliche Charaktere.

Wie kann man sich ihre Krimis vorstellen?

Das war für mich ganz klar. Ich möchte, dass sehr skurril halten. Ich möchte das die Plots sehr skurril sind und auch die Figuren.

Haben Sie denn schon den perfekten Mord in der Schublade?

(lacht). Wenn ich den wüsste, dann läge der nicht mehr in der Schublade. Ich hätte zehn potenzielle Kandidaten. Die verrate ich aber natürlich nicht. Ich habe letztens ein Buch geschrieben „Das ABC des schönen Mordens“. In dem morde ich mich quer durch das Alphabet. Da können Sie sich von Ameisenhaufen über Krabbensalat bis zum Ziegenbiss ihre Lieblingsmordart aussuchen.

Krabbensalat klingt verlockend.

Ja, das fällt dann auch unter „S“ wie Salmonellen.

Was würden Sie wählen?

Ich fand die Idee, jemanden zu überwältigen, in einen Ameisenhaufen zu legen und von den Tieren des Waldes auffressen zu lassen, eigentlich schon sehr schön. Aber bei mir geht es da gar nicht großartig um Umsetzbarkeit, sondern mehr um Skurriles. Es ist ja alles schon mal dagewesen. Deshalb geht es mehr darum, wie man etwas noch weiter drehen kann.

Noch sind alle aber quicklebendig und Sie feiern in diesem Jahr Ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum. Welche drei Worte kommen Ihnen in den Kopf, wenn Sie die letzten 25 Jahre Revue passieren lassen?

Dankbarkeit, Freude, Mühe.

Was steckt dahinter?

Es ist eine sehr mühevolle Arbeit. Besonders der Weg zur Bühne. Wenn ich vor 25 Jahren um 19 Uhr beim Soundcheck in Dortmund seien sollte, bin ich um 18 Uhr losgefahren. Heute fahre ich dafür um 16.30 los, weil der Verkehr so schlimm ist. Diese Zeitverschwendung ist sehr mühevoll und anstrengend. Außerdem ist es eine Heidenarbeit, bis ein Programm, ein Buch oder ein Hörspiel fertig ist. Dass ich das allerdings machen darf, erfüllt mich mit Dankbarkeit und Demut. Das sehe ich nicht als Selbstverständlichkeit an. Das, was ich mache, mache ich mit einer großen Inbrunst und Freude. Das ist der Dreischritt. Ich bräuchte den Applaus am Schluss gar nicht. Während des Abends habe ich die Lacher gehört und das ist für mich der eigentliche Applaus.

Sind sie der Kai auf der Bühne, der Sie auch privat sind?

Ich glaube: Humor funktioniert nur, wenn man die nötige Ernsthaftigkeit in sich hat. Man sagt ja auch: Komödie ist Tragödie plus Zeit. Da ist auch etwas dran. Ich bin kein Trauerkloß, habe auch keine Depressionen oder bin Melancholiker, aber ich genieße meine ruhigen Stunden sehr. Was ich auf der Bühne erzähle, bin ich auch.

Apropos Bühne. Man kennt Sie dort in Anzug und Krawatte. Darf es nun im Homeoffice auch die Jogginghose sein?

(lacht). Anzug und Krawatte im Homeoffice nicht unbedingt. Aber ein gewisses Maß sollte es schon sein. Ich finde, man sollte den Niedergang nicht so vor sich her tragen. Es sollte bequem sein, aber es sollte die Form gewahrt werden. Der Anzug auf der Bühne ist einfach der Tatsache geschuldet, dass ich ein „fast“ dünner Mann bin. Um den Bauch herum habe ich ein einziges Problemfeld und das kann man mit einem Sakko sehr schön kaschieren. Allerdings fehlt dann in der Mitte immer etwas und so kam die Krawatte dazu.

Sie teilen sich ja Ihren Nachnamen mit einem berühmten Musiker. Sind Sie selbst auch musikalisch?

Die einen sagen so, die anderen sagen so. Ich liebe Musik und liebe auch Sting. Meine drei Favoriten sind Bach, Paolo Conte und Sting. Ich durfte Sting im letzten Jahr auch live sehen. Das war ein unglaubliches Erlebnis. Da kommt ein Endsechziger auf die Bühne und spielt zwei Stunden lang einen Welthit nach dem anderen. Mir ist Musik sehr sehr wichtig. Ich habe Klavier gelernt und kann leidlich spielen. So wie ich auch leidlich singen kann. Ich spiele ein Stück im Ebertbad, das heißt „Pommes“ und da singe ich auch. Und ich singe gerne, aber ich pfeife auch gerne – zum Beispiel mit meiner Tochter.

Termine: 17.+18.9. Oberhausen (20 Uhr, Ebertbad), 2.+3.10. Dortmund (20 Uhr, Spiegelzelt), 20.11. Heiligenhaus (20 Uhr, Der Club), 21.11. Mülheim (20 Uhr, Ringlokschuppen), 22.1.21 Soest (20 Uhr, Alter Schlachthof).

Karten für „Hömma, so isset“ gibt es ab ca. 23 €.

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