Extremsport

„Night Of The Jumps“: Tricksensationen mit Luc Ackermann

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Wo war doch gleich nochmal oben ..? Luc Ackermann und seine Kollegen trotzen der Schwerkraft – Ende Mai auch wieder in Köln.

Wo war doch gleich nochmal oben ..? Luc Ackermann und seine Kollegen trotzen der Schwerkraft – Ende Mai auch wieder in Köln.

Foto: NIGHT of the JUMPs / Berlinièros PR

Köln.  Luc Ackermann ist einer der Top-Stars der FMX-Szene. Bei der „Night Of The Jumps“ in Köln präsentieren er und seine Kollegen ihre besten Tricks.

76 Meter hoch ist sie, die Lanxess Arena in Köln. Gut, ganz so weit in die Luft schafft es Luc Ackermann dann doch nicht. Was der 24-Jährige beim Großevent „Night Of The Jumps“ am 29. Mai an Ort und Stelle zeigen wird, sorgt aber bei vielen Betrachtern sicher trotzdem für ein mulmiges Gefühl, umso mehr jedoch für Erstaunen. Der Thüringer, der bereits mit zwölf Jahren an der renommierten Eventreihe teilnahm, gehört zu den erfolgreichsten FMX-, also Freestyle-Motocross-Fahrern der Welt. In der Luft zeigt er mit seinem Gefährt waghalsige Stunts wie Salti und Handstände – allein die Absprungrampen sind dabei gerne bis zu zehn Meter hoch.

Furcht kennt so ein Sportler nicht: „Ich bin generell kein ängstlicher Mensch. Auch beim Fahren habe ich keine Angst, eher gesunden Respekt. Wer Angst hat, macht Fehler, denke ich. Sobald so ein Gefühl in den Magen kommt, sollte man erstmal eine kleine Pause einlegen“, betont Ackermann, der im vergangenen Jahr als erster Deutscher die Goldmedaille bei den „X Games“ holte. „Die sind quasi das Olympia des Extremsports. Das Höchste, was man im Freestyle-Motocross erreichen kann. Die zu gewinnen war immer ein Traum“, sagt er.

Freestyle-Motocross-Sportler dürfen keine Angst haben – auch nach Unfällen

Zuschauer waren in Aspen im US-Bundesstaat Colorado leider nicht erlaubt. Das wird bei der „Night Of The Jumps“ ganz anders sein. Die FMX-Veranstaltungsreihe ist seit ihrer Erstauflage 2001 im sächsischen Riesa regelmäßig in der Rheinmetropole zu Gast. Einmal wurde es für Luc Ackermann besonders schmerzhaft: 2012 landete er, damals 14 Jahre alt, nach einem 9,50-Meter-Sprung mit seinem Bike auf der Landerampe und brach sich dabei das Schulterblatt. Glück im Unglück: „Ich musste den Arm nur drei, vier Wochen ruhig halten“, erinnert er sich. Den Unfall hat er aus seinem Kopf gestrichen: „Ich denke da nicht mehr dran, will einfach fahren und Spaß haben.“

Gezeigt wird bei der diesjährigen „Night Of The Jumps“ eine Team-Weltmeisterschaft. Jeweils ein Mountainbike-Sportler und drei Freestyle-Motocross-Profis aus Deutschland, Italien und Spanien sind mit dabei und wollen die Jury mit Front- sowie Backflips (Vorwärts- sowie Rückwärtssalto), 360-Grad-Drehungen und vielen weiteren Tricks überzeugen.

Kein Konkurrenzdenken im Fahrerlager

Bei allem Wettbewerb ist die Stimmung in den Umkleiden allerdings friedlich und kumpelhaft, wie Luc Ackermann weiß: „Zum Glück haben wir dieses Konkurrenzdenken, wie man es aus der Formel 1 kennt, nicht. Wir sind sehr gut befreundet, reisen und erleben viel zusammen. Die „Night Of The Jumps“ ist ohnehin meine zweite Familie, von Aufbaucrew bis Teilnehmerfeld kenne ich eigentlich jeden.“ Pandemiebedingt ist es die erste FMX-Veranstaltung in der Lanxess Arena seit fast zweieinhalb Jahren.

An volle Terminkalender und Zuschauerränge muss sich Ackermann erst wieder gewöhnen: „Es war natürlich eine Mega-Umstellung seit Corona. Normal bin ich 20 bis 30 Wochenenden im Jahr unterwegs, letztes Jahr waren es fünf. Was die Zuschauer angeht: Man ist schon in einem Tunnel und kriegt die Reaktionen nicht so richtig mit. Aber es ist immer schön, wenn Publikum drumherum sitzt und Vollgas gibt, das motiviert zu noch besseren Performances.“

Aufmerksamkeit für den Nachwuchs

Und bei aller Gefahr, die die Ex­tremsportart mit sich bringt, lassen sich durch Events wie die „Night Of The Jumps“ vielleicht auch junge Talente anwerben. Der Profi spricht von einer „sehr schwierigen Nachwuchssituation. Erstmal musst du lange suchen, um einen Platz zu finden, wo man fahren kann. Dann musst du dir selber Rampen und Landebahnen bauen. Es gibt keine öffentlichen Plätze, wo du Freestyle-Motocross mal austesten kannst. Daher ist die Szene sehr klein.“

Durch Sponsoren kann Ackermann vom Freestyle-Motocross leben: „Reich wird man nicht. Aber es geht mir gar nicht groß ums Geld verdienen, sondern eher um die Passion und darum, die ganze Sportart positiv zu beeinflussen.“ Sein Teamkollege Kai Haase versuchte dies 2013 mit einem Auftritt vor Dieter Bohlen & Co. – beim RTL-„Super­talent“ reichte Haases Performance allerdings nicht für eine Teilnahme an der Finalshow. Luc Ackermann hält sich vom Fernsehen bis auf Weiteres jedenfalls erstmal fern: „Ich werde zunächst weiter Wettbewerbe fahren, das ist eher mein Ding. Aber vielleicht werde ich im höheren Alter beim ,Supertalent’ nochmal zeigen, was ich kann.“

Night Of The Jumps, 29.5., 17 Uhr, Lanxess Arena, Willy-Brandt-Platz 3, Köln. Karten ab ca. 47 €, weitere Infos erhalten Sie auf www.nightofthejumps.com

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