Festival

„Olgas Rock“: Feiern vor dem Förderturm

| Lesedauer: 5 Minuten
Hoch die Hände, Festival-Wochenende: Auf dem Boden der 1992 stillgelegten Zeche Osterfeld fluten die Fans bei „Olgas Rock“ wieder die große Wiese im Olga-Park.

Hoch die Hände, Festival-Wochenende: Auf dem Boden der 1992 stillgelegten Zeche Osterfeld fluten die Fans bei „Olgas Rock“ wieder die große Wiese im Olga-Park.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Nach zwei Jahren Pause steigt am 12. und 13.8. wieder das „Umsonst & Draußen“-Festival „Olgas Rock“ mit Bands wie Ignite, Le Fly und Ash.

Die Landesgartenschau 1999 auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Osterfeld bescherte den Oberhausenern eine weitläufige Grünanlage inmitten der Stadt. Im Olga-Park kann man seitdem schön spazieren gehen, aber – sind wir ehrlich – viel los ist da normalerweise nicht. Das ändert sich grundlegend an zwei Terminen im Jahr: Im Juni lockt das DJ-Happening „Ruhr In Love“ die Fans synthetischer Rhythmen aufs Areal, zwei Monate später ist die Rock-Fraktion an der Reihe. Und die freut sich nicht nur über elektrisch verstärkte Gitarrenklänge aller Art, sondern auch über das Fehlen einer Kasse am Eingang: „Olgas Rock“ heißt das „Umsonst & Draußen“-Festival, das nach zwei Corona-Jahren ab kommendem Freitag wieder an seine beachtliche Tradition anknüpfen kann.

Olgas-Rock: Festival-Premiere im Jahr 2000

Bereits seit dem Jahr 2000, also gleich im ersten Sommer nach der Oberhausener Landesgartenschau (Olga), lud der Rocko e.V. erstmalig Musiker ins Grün. Die Anfänge waren naturgemäß klein, aber das Festival mauserte sich über die Jahre zu einem der größten seiner Art. Bis zu 20.000 Fans fluten an zwei Tagen die Riesenwiese des Parks. Bands wie Kraftklub, Jupiter Jones, Electric Callboy und immer wieder Sondaschule spielten hier schon. Aber auch internationale Bands, gerne aus dem Punkrock-Bereich, finden sich regelmäßig im Line-up – von Lagwagon über No Use for a Name bis zu Anti-Flag.

Beinahe keine Bühne

Gleichwohl stand „Olgas Rock“ schon auf der Kippe – etwa als die finanziell gebeutelte Stadt Oberhausen vor zehn Jahren ihren finanziellen Zuschuss drastisch kürzen musste. Zuletzt bremste ein anderer, hinlänglich bekannter Grund das Festival aus. Beim Neustart nach zwei Jahren hatte so mancher Veranstalter Probleme – wie sah’s in Oberhausen aus? „Jetzt steht alles. Aber noch vor rund zwei Monaten hat uns der Verleiher der Hauptbühne abgesagt. Er hätte zwar die Bühne, aber ihm fehlte das Personal für den Aufbau“, schildert Kevin Kerndl vom Rocko e.V. seinen Schreckmoment im Frühsommer. Und das war schon der zweite: „Er hatte uns erst kurz vorher das Angebot geschickt, das war ungefähr doppelt so hoch wie vor Corona. Aus Mangel an Alternativen haben wir trotzdem zugesagt.“

Bund-Zuschuss rettet das Festival

Glücklicherweise fand man doch noch eine Bühne: „Sie ist etwas kleiner. Aber wir hatten diese Größe auch schon in der Vergangenheit und werden damit klarkommen.“ Dass man aber überhaupt so weit kam, verdankt das Rocko-Team der Bundesregierung: „Wir hatten uns gefragt, wie wir das Festival in diesem Jahr finanziell stemmen können. Deshalb haben wir Unterstützung beim Programm ,Neustart Kultur – Initiative Musik‘ beantragt. Wir waren heilfroh, als es bewilligt wurde ...“, erinnert sich Kerndl.

Preissteigerungen bei Festival-Infrastruktur um 50 %

Wie nötig die Finanzspritze letztlich war, merkte man erst bei der Planung: „Wir dachten, damit die ganze Infrastruktur schon sicher zu haben. Dann haben wir allerdings erst die Angebote bekommen – Bühne, Ton, Licht, Absperrung, Sicherheit – und bemerkt, dass dieses Jahr alles rund 50 % teurer ist.“

Trotz allem: Am Freitag um 15 Uhr geben die Verstärker wieder Laut im Olga-Park – mit einem Programm auf zwei Bühnen, wie es die Fans in seiner Mixtur kennen: Von Indiepop über Punkrock bis zum Hardcore sind diverse Stile vertreten. Eröffnen dürfen wie immer Newcomer und lokale Bands

Electric Callboy in der Arena, Ex-Sänger bei Olgas Rock

Electric Callboy, dem Festival inzwischen entwachsen, spielen am selben Wochenende in der nahen Arena, doch Ex-Sänger „Sushi“ Biesler rockt mit seiner neuen Band Ghostkid die Olga (Fr 17.20 Uhr). Als Stimmungsgarant folgen ihm auf der Hauptbühne die vielfach festivalerprobten Deutsch-Punkrocker Montreal (Fr 19.20 Uhr). Noch mehr Punk in deutscher Zunge gibt’s zum Freitagsfinale von Swiss & die Andern (Fr 21.40 Uhr). Mit ihren straßenkämpferischen Songs schafften sie es zuletzt bis auf Platz zwei der Album-Charts. Zuvor gibt’s auf der kleineren Bühne Indierock mit Pop-Melodien und punkiger Kante vom nordirischen Trio Ash.

Tanzmusik aus St. Pauli

Deutschsprachiger Indierock steht für Samstag (17.30 Uhr) mit der Kapelle Petra aus Hamm im Programm. Auch Reggae erklingt – von den Düsseldorfer Tips, aber mit Ska und Punk garniert (Sa 18.25 Uhr). An letzterem herrscht eh kein Mangel: Die aufstrebenden Jospeh Boys singen ihn auf Deutsch (Sa 15.20 Uhr), Itchy auf Englisch (Sa 20.30 Uhr). Und wenn die Kalifornier Ignite um 21.40 Uhr mit ihrem Melodycore zum rasanten Finale ansetzen, dürfte die Stimmung schon brodeln: Schließlich sind auf der Hauptbühne vor ihnen Le Fly dran – und die lassen dank fetter Festivalhymnen wie „St. Pauli Tanzmusik“ und „Ätzend fröhlich“ garantiert nichts anbrennen.

Olgas Rock, 12.+13.8., Fr 15 Uhr, Sa 13.30 Uhr, Olga-Park, Vestische Str. 45, Oberhausen. Eintritt frei. Den Timetable des Festivals gibt’s hier.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Veranstaltungstipps

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben