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Schockrocker am Schloss: ESC-Sieger Lordi beim „Castle Rock“

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Mehr als 1500 Fans werden jeweils an den beiden Tagen beim „Castle Rock“ zu Gast sein.

Mehr als 1500 Fans werden jeweils an den beiden Tagen beim „Castle Rock“ zu Gast sein.

Foto: Oliver Müller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Nach fast vier Jahren Pause kehrt „Castle Rock“, das Mülheimer Traditionsevent für düstere Rockmusik, an seinen angestammten Ort zurück.

Einen runden Geburtstag feiert das „Castle Rock“ in diesem Jahr – endlich, werden die Stammgäste sich denken. Im Gegensatz zu den meisten anderen Festivals konnte das zweitägige Event nämlich schon 2019 nicht regulär stattfinden. Seinerzeit wurde das fast direkt an der Ruhrbrücke gelegene Schloss Broich renoviert, im nahen MüGa-Park gab es eine passend betitelte Ersatzveranstaltung namens „Near Castle“.

In den folgenden zwei Jahren machte die Pandemie fast jegliche Bemühungen von Michael Bohnes und seinem Team zunichte, es gab lediglich kleine Open-Air-Konzerte am Mülheimer Ringlokschuppen unter dem Titel „Unüberhörbar“. „Wir wollten damit zeigen, dass wir überhaupt noch da sind. Es war schön, das was stattgefunden hat, aber die Regularien nahmen doch einiges an Spaß von der Sache weg“, erinnert sich der Veranstalter. Nun jedoch geht das 20. „Castle Rock“ am 1. und 2. Juli über die Bühne.

Viel „Castle Rock“-Historie auf der Bühne

Das Band-Aufgebot liest sich fast wie ein „Best of“ früherer Jahre – das war laut Bohnes auch beabsichtigt: „Der Gedanke war schon, dass das Line-up die Festivalhistorie widerspiegelt. Unter anderem mit Lord Of The Lost, Joachim Witt oder Crematory hatten wir hier schon viele schöne Abende.“ Ausgerechnet der größte Name im Feld war aber noch nicht dabei: Lordi wurden im Mai 2006 europaweit über Nacht zu Stars, als sie mit dem Song „Hard Rock Hallelujah“ den Eurovision Song Contest gewannen. Seitdem veröffentlichen die monströs maskierten Hardrocker um Sänger Tomi „Mr. Lordi“ Putaansuu weiter konstant Platten, zuletzt im Rahmen des Boxsets „Lordiversity“ im vergangenen November gleich gar sieben am Stück. „Ein sehr schöner Coup, der uns da gelungen ist“, sagt Michael Bohnes und freut sich auf die Finnen, die das „Castle Rock“ am Samstag ab 20.30 Uhr beschließen.

Zumindest ein wenig ESC-Erfahrung sammelte kürzlich ein weiterer Musiker, der mit seiner Hauptband mittlerweile einen durchaus prominenten Status in der Gothic- und Metalszene besitzt. Chris Harms gehörte zu den Songwritern und Instrumentalisten bei Eros Atomus’ Lied „Alive“, das beim deutschen Vorentscheid letztlich gegen Malik Harris’ „Rockstars“ den Kürzeren zog. Erfolg hat Harms allerdings als Sänger von Lord Of The Lost. Das aktuelle Album „Judas“ stieg im vergangenen Juli auf Platz zwei in die deutschen Charts, der Headliner-Auftritt beim „Castle Rock“ am Freitagabend dient quasi als Warmspielen für ein wahres Highlight am Tag darauf. Denn wenn Lordi die Schlossmauern in Mülheim-Broich zum Wackeln bringen, stehen Lord Of The Lost gute 70 Kilometer südlich im Kölner RheinEnergie-Stadion auf der Bühne – als Vorband der legendären Iron Maiden.

Ähnlich lange wie die britische Metal-Institution ist auch Joachim Witt im Geschäft. 1981 gelang dem 73-Jährigen mit „Goldener Reiter“ der Durchbruch. Von den Neue-Deutsche-Welle-Klängen distanzierte sich der Hamburger aber schon im folgenden Jahrzehnt. Seit der 1998 begonnenen „Bayreuth“-Albumtrilogie fischt Witt musikalisch eindeutig in rammsteinschen Gewässern. Zuletzt erschien im Februar, erneut im Neue-Deutsche-Härte-Musikstil, die LP „Rübezahls Reise“, von der Witt sicher einiges beim „Castle Rock“ vorstellen wird (Samstag, 19 Uhr).