Musical

Chaplin, das Musical: Hommage an den traurigen Clown

Das Leben des ersten Kino-Weltstars auf der Bühne: „Chaplin, das Musical“.

Das Leben des ersten Kino-Weltstars auf der Bühne: „Chaplin, das Musical“.

Foto: Ralf R. Louis Frank Serr Showservice Int.

Essen.  Im Oktober feiert die deutsche Version eines Musicals über den legendären Hollywood-Star Premiere. Bald ist sie auch in der Region zu erleben.

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Zwölf Minuten dauerte der Applaus, als Charlie Chaplin 1972 in Hollywood den Oscar für sein Lebenswerk entgegennahm – Rekord in der Geschichte der wichtigsten Film-Auszeichnung. Es war die späte Genugtuung für den ersten wirklichen Weltstar des Kinos, den seine Wahlheimat USA im Zuge der Kommunistenhatz der McCarthy-Ära aus dem Land geworfen hatte. Bis heute ist Chaplin unvergessen und eine Ikone der Stummfilm-Zeit – Grund genug also, ihm auch auf der Bühne ein Denkmal zu setzen. In dieser Woche feiert mit „Chaplin – das Musical“ in der Schweiz die deutsche Fassung einer 2006 uraufgeführten US-Produktion Premiere. Ab November kann man das Stück über den Mann mit der Melone und dem dünnen Spazierstock dann auch in der Region erleben.

Die Handlung des Musicals beginnt in England mit der Jugend des vor 130 Jahren in London geborenen Charles Spencer Chaplin jr. und schlägt einen Bogen über seinen Erfolg in Hollywood bis zum Lebensende im Exil.

Jugend auf der Straße

Christopher Curtis, der neben der Musik auch das Buch geschrieben hat, sieht in der Kindheit den Schlüssel zu Chaplins späterem Wirken auf der Leinwand. Denn der kleine Charlie hatte es schwer: Sein alkoholkranker Vater ließ die Familie im Stich und starb früh, seine Mutter wurde für geisteskrank erklärt – so landete Chaplin mal im Waisenhaus, mal trieb er sich auf der Straße herum. „Das Musical zeigt, wie sich die Sorgen aus Chaplins Vergangenheit in brillante Komödien verwandelt haben“, beschreibt Curtis sein Werk, über das er sich auch mit den Nachkommen seines Protagonisten austauschte: „Der Sohn von Charlie Chaplin, Sydney, erzählte mir, dass der ,Little Tramp’ niemals geschaffen worden wäre, wenn sein Vater kein Waisenkind gewesen wäre.“

In den USA schaffte es das Chaplin-Musical sogar an den Broadway, später wurde es unter anderem in Russland, Brasilien und Belgien adaptiert. Für den deutschsprachigen Raum sicherte sich Produzent Frank Serr die Rechte und schickt die Inszenierung des jungen Hamburger Regisseurs Felix Löwy nun auf ausgedehnte Tournee. Vom Erfolg ist Serr überzeugt: „Das Musical ist eine perfekte Mischung aus stimmungsvoller Unterhaltung und tragischer Momente – ganz wie bei Chaplin. Und es gibt endlich wieder Musik, die den Namen Broadway Musical verdient hat.“

Choreografien im Stil der Zeit

16 Darsteller agieren bei der Singspiel-Biografie auf der Bühne – neben den Schauspielern auch Tänzer. Für die Choreografie zeichnet die gebürtige Engländerin Lauren Slater-Klein verantwortlich. Nach ihrer Mitwirkung an Disco-Musicals wie „Saturday Night Fever“ und „Daddy Cool“ geht es für sie nun in eine ganz andere Zeit: „Die Herausforderung bei der Choreografie liegt darin, die Ära, die Chaplin geprägt hat, realistisch auf die Bühne zu bringen und dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, er sei z.B. in einer Szene im London des frühen 20. Jahrhunderts oder im Hollywood der 1920er-Jahre.“

Den Protagonisten verkörpert auf der Bühne der niederländische Musical-Darsteller Bas Timmers. Regisseur Löwy ist überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben: „Ich erinnere mich an den Tag seiner Audition. Während er mich und den Rest des Kreativteams in seinen Bann zog, zeichnete sich das Bild des ,traurigen Clowns’ in aller Deutlichkeit ab.“ Wenn es Timmers schaffen sollte, ein wenig von der einzigartigen Aura der 1977 verstorbenen Stummfilm-Legende auf die Bühne zu zaubern, dürfte ihm der Applaus des Publikums sicher sein.

>>> Die Infos zum Musical:

Termine: 5.11. Witten (Saalbau), 9.2. Recklinghausen (Ruhrfestspielhaus), 19.3. Bielefeld (Stadthalle), 25.3. Iserlohn (Parktheater) 27.3. Hagen (Stadthalle), 29.3. Essen (Colosseum.

Karten für diese Vorstellungen (außer 25.3.) ab ca. 40 € gibt’s hier.

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