Hobby

Souvenirmedaillen: Wo Kleingeld groß rauskommt

Marcel und Anja Urbanski kurbeln wieder – in diesem Fall  an einem Münzprägeautomaten nahe der Regattabahn in Duisburg.

Marcel und Anja Urbanski kurbeln wieder – in diesem Fall an einem Münzprägeautomaten nahe der Regattabahn in Duisburg.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Souvenirmedaillen aus Fünf-Cent-Münzen sind ein immer beliebter werdendes Sammelobjekt. Auch in der Region stehen die Automaten mit der Kurbel

Anja und Marcel Urbanski haben etwas, das nur wenige Ehepaare teilen: ein gemeinsames Hobby. Während „Sie“ der Modelleisenbahn des Gatten oft verständnislos gegenübersteht und „Er“ sich schaudernd von ihren Puppenbabys abwendet, frönen die Urbanskis einmütig derselben Leidenschaft: Sie quetschen ihr Kleingeld platt, genauer: Fünf-Cent-Münzen. Unter dem Druck des Zahnräderwerks spezieller Automaten verwandeln diese sich von banalen Geldstücken in „Souvenirmedaillen“, wie es werbend über der Kurbel heißt. Ebenfalls geläufig: „Andenkenprägungen“, „Quetschmünzen“ und – liebevoll – „Quetschies“. „Elongated Coins“ wiederum (englisch für „gestreckte, gedehnte Münze“) nennen sie der Fachmann und: der Sammler.

Souvenimedaillen: Vom Urlaubsandenken zum Sammelobjekt

Denn was Generationen von Touristen als selbstgekurbeltes Urlaubsandenken kennen, ist in den letzten Jahren ein beliebtes Sammelobjekt geworden. „Zwischen 2000 und 3000“ der ovalen Medaillen besitzen Anja und Marcel Urbanski, so schätzen sie. Und die Duisburger sind nicht die einzigen mit reichlich Kupfergeld im Haus. 2900 registrierte User verzeichnet elongated-coin.de, das ­„1. Deutsche Forum für Souvenirprägungen/Medaillen“. Auch die Urbanskis pflegen dort ihr Hobby online: „Über das Forum kann man mit anderen Sammlern Münzen tauschen und man erfährt, wo neue Automaten aufgestellt wurden“, erklärt Anja Urbanski.

Mit anderen Sammlern tauschen

Die Geräte mit der Kurbel findet man nicht etwa nur an Touristen-Hotspots wie Neuschwanstein, Kölner Dom & Co., sondern auch in der Region – etwa am Duisburger Sportpark, also bei den Urbanskis quasi um die Ecke. Fehlt Sammlern aus anderen Ecken der Republik der platte Fünfer mit dem Sportpark-Motiv, steht das sammelnde Paar zum Tausch bereit. Denn: „Wenn wir an einem Automaten sind, kurbeln wir immer gleich 30 Sätze“, erklärt Marcel Urbanski. Meist prägt ein Automat zwei bis drei Motive, 30 Sätze bedeuten also bis zu 90 Mal kurbeln: „Dafür brauchen wir manchmal eine halbe Stunde, das geht ganz schön in die Arme.“

Lieblingsstück ihrer Sammlung ist ein „Quetschie“ mit dem Pilsumer Leuchtturm im ostfriesischen Greetsiel. „Genau in diesem Leuchtturm haben wir geheiratet“, erklärt Anja Urbanski und strahlt, „als dort später ein Münzenautomat aufgestellt wurde haben wir uns natürlich besonders gefreut.“

Münzen mit Fußballmotiven

Mit derart romantischen Sammlergeschichten kann Rainer Konietzko nicht dienen. In der Ehe pflegt der Essener seine Quetschmünzen-Leidenschaft allein – dafür aber nicht weniger begeistert als die Urbanskis. Was Münzen angeht – die klassischen, ungeplätteten –, ist Konietzko sogar Profi, denn er handelt mit ihnen in einem Fachgeschäft, das er mit einem Kompagnon in der Essener City betreibt. Sein Herz aber gehört seit einigen Jahren den geprägten Fünfern. Besonders auf solche mit Fußballmotiven hat er es abgesehen, dafür besucht der 61-Jährige regelmäßig auch Stadien in England. Ein hiesiges Vereinsmotiv kann sich Rainer Konietzko sogar täglich aufs Neue prägen, denn im Geschäft auf der Lindenallee 97-99 steht seit drei Jahren ein Automat mit Rot-Weiss-Essen-Motiv auf der Walze. Jeder, der mag, kann hier seine Souvenirmedaille kurbeln. Und, keine Angst, er muss nicht mal RWE-Fan sein: Eine Prägung zeigt auch Helmut Rahn, den legendären „Boss“ der Weltmeister von 1954.

Schon gewusst?

Ein Euro verlangt ein Souvenirmedaillen-Automat üblicherweise für das Prägen eines 5-Cent-Stücks, das zusätzlich eingeworfen wird. Sammler verwenden dafür möglichst prägefrische Münzen, um ein entsprechend glänzendes Ergebnis zu erhalten.

Vier Motive kann ein Automat maximal prägen. Vor Beginn muss das Zahnrad auf die entsprechend Einstellung gekurbelt werden. Das alles funktioniert mit Muskelkraft, strombetriebene Automaten aus der Anfangszeit findet man heute nur noch selten.

Seltene Prägungen können hohe Sammlerpreise erzielen. In Deutschland werden schon mal dreistellige Beträge für eine gesuchte Souvenirmünze gezahlt. In den USA sind es mitunter mehrere Tausend Dollar – deshalb sind inzwischen auch Falschmünzer aktiv.

Die USA sind das Mutterland der Elongated Coins. Mit den G.I.s kamen sie später auch nach Deutschland. Die erste Münzpräger standen hier ab 1969 auf US-Militärbasen wie Ramstein.

Hier darf gekurbelt werden

Rund 1200 Souvenirmedaillen-Automaten gibt es derzeit in Deutschland, viele davon auch in der Region. Aufgestellt und betrieben werden sie von Automatenherstellern wie dem Wuppertaler Unternehmen „Euroscope“. Beliebt sind dafür etwa Zoos und Tierparks, aber auch andere Freizeitziele wie der Biggesee-Staudamm in Attendorn, das Planetarium in Bochum oder der Landschaftspark Nord in Duisburg. Wo man die Automaten findet, erfährt man auf der Seite des Sammlerforums www.elongated-coin.de – hierüber tauschen die Nutzer nicht nur Infos aus, sondern auch die Münzen selbst.

Umfangreiche und detaillierte Infos zu Aufstellorten und Zugänglichkeit von Souvenirmedaillen-Automaten gibt’s aber auch auf den Internet-Seiten von Sammlern. So präsentiert etwa der Kölner Horst Fänger auf hf-penny.de seine 3391 Münzen umfassende Sammlung – inklusive Motivabbildungen und genauer Wegbeschreibung. Ähnlich informativ und hilfreich für erfahrene wie angehende Sammler sind die Seiten smilecoin.hpage.com und www.quetschmuenzen.de.

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