Vereine stören den Betrieb im Schloss

Hagen.   Schloss Hohenlimburg ist ein beliebtes Ausflugsziel in NRW. Gerade die traditionsreichen Schlossspiele locken im Sommer breite Besucherschichten an. Doch der Zugang der Öffentlichkeit über die Eigenveranstaltungen des Fürstenhauses Bentheim-Tecklenburg hinaus wird künftig wohl stark reglementiert. Die Schloss-Spiele sollen ab 2018 auf netto sieben Tage beschränkt werden, das Publikum wird hauptsächlich bei Führungen Einlass erhalten.

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Schloss Hohenlimburg ist ein beliebtes Ausflugsziel in NRW. Gerade die traditionsreichen Schlossspiele locken im Sommer breite Besucherschichten an. Doch der Zugang der Öffentlichkeit über die Eigenveranstaltungen des Fürstenhauses Bentheim-Tecklenburg hinaus wird künftig wohl stark reglementiert. Die Schloss-Spiele sollen ab 2018 auf netto sieben Tage beschränkt werden, das Publikum wird hauptsächlich bei Führungen Einlass erhalten.

Der Zusammenschluss zwischen dem Fürstenhaus und drei ehrenamtlichen Vereinen in Hagen-Hohenlimburg mit dem Ziel, die einzige original erhaltene Höhenburg Westfalens zu bespielen, galt bisher als vorbildlich in der NRW-Kulturlandschaft. Nur wegen dieser Kooperation stellte die NRW-Stiftung 750 000 Euro zur Verfügung. Verwendungszweck ist es, das Kulturgut zu erhalten, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und Veranstaltungen zu ermöglichen. Letztere Punkte erweisen sich dabei für die an der Schloss-gGmbH beteiligten Ehrenamtlichen als immer schwieriger.

Der Förderverein Deutsches Kaltwalzmuseum ist mit den Exponaten bereits ausgezogen. Der Freundeskreis Schloss-Spiele weiß nicht, wie die Reihe ab 2018 über die Bühne gehen sollen. „Das Fürstenhaus hat mitgeteilt, dass dem Schloss-Spielverein 2018 die Nutzung der Innenhöfe nur noch zehn Tage lang mit einem Wochenende erlaubt sein soll“, berichtet Marie-Theres Konder als Vorsitzende. „Und zwar inklusive Auf- und Abbau. Das bedeutet, dass für die Vorstellungen nur noch sieben Tage zur Verfügung stehen würden. Das geht vorne und hinten nicht, wir haben über 20 Veranstaltungen.“ Der Fürstensaal soll als Spielstätte entfallen.

Jährlich eine Eigenproduktion

Neben Lesungen, Konzerten, Angeboten für Kinder und Freilichtkino steht jährlich eine Schauspiel-Eigenproduktion im Mittelpunkt des Festivals. „Wir wollen auf jeden Fall weitermachen“, betont Marie-Theres Konder. „Wir haben einen Plan der Schloss-Spiele 2018 beim Fürstenhaus eingereicht und warten auf Antwort.“

Mit mehreren Auflagen hat das Fürstenhaus die Schloss-Spiele in dieser Saison ohnehin vor Herausforderungen gestellt, die nur dank des großen Einsatzes der Helfer bewältigt werden konnten. Der Verein musste seinen Flügel aus dem Fürstensaal entfernen, der dort seit 20 Jahren steht. Auch die Holzstühle und Traversen, die bisher im Keller gelagert waren, dürfen zukünftig nicht mehr auf dem Schloss aufbewahrt werden.

Maximilian Fürst zu Bentheim-Tecklenburg setzt künftig verstärkt auf thematische Führungen im größtenteils leergeräumten und u.a. mit erheblichen Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz fast fertig renovierten Schloss, wie er kürzlich bei einer Pressekonferenz erläuterte.

Nur zu diesen Führungen kann das Publikum das Gebäude dann betreten, abgesehen von den Veranstaltungen, die das Fürstenhaus in Eigenregie organisiert, um das Gemäuer wirtschaftlich zu entwickeln, also den Weihnachtsmarkt, Partys und vor allem Hochzeiten. Das Engagement der Vereine stört dabei möglicherweise inzwischen den wirtschaftlichen Betrieb. So mussten zum Beispiel die Schloss-Spiele am 25. August nach der Kinonacht den Schlosshof samt Bühne und Bestuhlung wegen einer Hochzeit komplett räumen und am 27. August ab 7.30 Uhr wieder aufbauen, damit der ökumenische Gottesdienst wie geplant um 11 Uhr starten konnte.

Besorgt über die Konflikte

Für ein Gespräch über die Zukunft der Schloss-Spiele stand Fürst Bentheim unserer Redaktion noch nicht zur Verfügung. Das Fürstenhaus ist Mehrheitsgesellschafter der Schloss gGmbH.

Die NRW-Stiftung zeigt sich besorgt über die Konflikte, hält sich aber vorerst bedeckt. „Die Mittel von insgesamt 750 000 Euro sind dafür bewilligt worden, die Fläche im Schlosshof für die Schloss-Spiele herzurichten, den Wehrgang zu restaurieren und das Kaltwalzmuseum einzurichten. Die Bedingung dabei ist, dass die Mittel für einen genau definierten Nutzungszweck für einen bestimmten Zeitraum festgeschrieben sind“, erläutert Winfried Raffel als Sprecher.

Der festgeschriebene Zeitraum ist gerade einmal zur Hälfte abgelaufen. „Wenn sich an dieser Situation etwas geändert hat, werden wir dies prüfen und uns dann mit den am Ort Beteiligten in Verbindung setzen“, so Raffel weiter.

Das Deutsche Kaltwalzmuseum hat Schloss Hohenlimburg bereits verlassen und zieht ins Freilichtmuseum Hagen. Marie-Theres Konder hofft dagegen auf eine Zukunft des Festivals in der bewährten Kulisse: „Die Schloss-Spiele gehören ins Schloss. Wir haben eine 63-jährige Tradition, die wollen wir gerne ehrenamtlich fortführen.“

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