Musik

Wawrczeck singt „Celluloid“: Filmriss vom Fragezeichen

JENS WAWRCZECK

JENS WAWRCZECK

Foto: Christian Hartmann / Presse Peter

Als Stimme von den „Drei ???“ lieben ihn die Fans. Nun wagt sich Jens Wawrzceck an eine CD mit großen Filmsongs. Eine Selbstüberschätzung, leider.

Zwei Tragödien kennt diese Welt: „Nicht zu bekommen, was man will - oder es zu bekommen. Die zweite Tragödie ist größer“. Oscar Wildes Menschenkenntnis zeigt keine Ermüdungserscheinung. Denn so gern wir Jens Wawrczecks mannigfaltige Künste preisen, ausgerechnet sein „Herzensprojekt“ ist ein sehr verzichtbares Album.

Der Schauspieler mit dem hellen, sacht kratzigen Timbre begleitet manche Fans seit Kindesbeinen. Er lieh und leiht Peter Shaw die Stimme bei den „Drei ???“, wurde Hör-Interpret von Weltliteratur und hat mit dem „Detektivbüro Lasse Maja“ einen der charmantesten Kinderbuchknüller unserer Zeit prachtvoll fürs akustische Medium Hörbuch aufbereitet. „Celluloid“ dagegen ist ein Album mit Songs aus großen alten Filmen. Die größte Hürde, daraus etwas sehr schönes zu machen, nehmen wir gleich vorweg: Wawrczeck kann nicht besonders gut singen. Zwar gibt es durchaus Beispiele (Hilde Knef allen voran), dass selbst das kein Hinderungsgrund für Qualität ist, hier aber landet Doris Days „Move Over Darling“ auf den hinteren Plätzen einer RTL-Talentshow. Noch ärger trifft es 007. Nicht nur die Intonationstrübungen in der Zeile „Love is a stranger“ setzen dem Bond-Song „You Only Live Twice“ heftig zu. Eine schlimme Bruchlandung.

„Celluloid“, Jens Wawrczeck von den „Drei ???“ hat alte Filmsongs zu einer CD gemacht

Wawrczeck sagt über Wawrczeck, der habe als junger Mann Clubgäste in New York begeistert, singend. Das muss lange her sein. Hier siegt sein Können allein in jenen Filmsongs, in denen Witz und Plauderton gefragt sind, „Bibbidi Bobbidi Boo“ aus Disneys „Cinderella“ etwa. Je weniger er singt, desto netter klingt das. Was hingegen als originelles Arrangement von „Porque Te Vas“ (berühmt geworden durch Carlos Sauras’ „Cria Cuervos“) daherkommen will, klingt nicht mehr als gewollt eigenwillig. Wawrzecks tendenziell unelegantes Englisch hilft vielen Titeln ebenfalls nicht. Und: Die für Sprecheinsätze reizvolle Stimme klingt hier oft gleichförmig geschlechtslos. Unsere Enttäuschung macht drei !!!
„Celluloid“, CD, Goldbek Records

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