Nachruf

Wenn Wiglaf Droste Worte schliff, floss nachher oft das Blut

Wiglaf Droste 2018 bei der Verleihung des Satire-Preises „Göttinger Elch“.

Wiglaf Droste 2018 bei der Verleihung des Satire-Preises „Göttinger Elch“.

Foto: imago

Essen.   Ein vollendeter Sprachvirtuose und gnadenloser Polemiker: Autor und Satiriker Wiglaf Droste ist mit 57 Jahren von uns gegangen. Ein Nachruf.

„Schon seltsam, wie leicht man vergisst, dass alles, was man tut, für immer ist“, sang Wiglaf Droste so sentimental, dass der Refrain seines Liedes „Für immer“ im Nachhinein wie zweierlei erscheint: als Gleichnis auf die Vergeblichkeit allen Tuns; und als Appell, im Jetzt zu leben...

Wiglaf Droste ist tot. Und Sentiment war es nicht, womit er sich einen Namen machte. Vielmehr war es seine skalpellscharfe Formulierkunst und der kritische, undogmatische Blick auf Politik, Gesellschaft und Sprache. Er war radikal, polemisch, auch mal stänkernd und wurde einst als „Rumpelstilzchen des Kabaretts“ tituliert. Wenn Droste seine Worte schliff, floss danach nicht selten böses Blut.

Radikaler Spötter, großer Genießer

Geboren in Herford, trieb es ihn mit 22 nach Berlin, wo er für die taz die Medienseite betreute, sich mehrfach mit Vorgesetzten überwarf – aber der Zeitung als Kolumnist erhalten blieb und später für die „Junge Welt“ schrieb. Ein kurzes Gastspiel als Redakteur des Satire-Flaggschiffs „Titanic“ nannte er „langweilig“. Viel Aufregung hingegen gab es um den „Barbier von Bebra“, einen Satire-Krimi mit Gerhard Henschel, in dem DDR-Bürgerrechtler einem Serienmörder zum Opfer fielen – in deren Reihen recht humorlos quittiert. Fast wäre Droste Popstar geworden, als er mit Bela B. von den Ärzten die Single „Grönemeyer kann nicht tanzen“ aufnahm, gegen die der Geschmähte persönlich vorging.

Bei seinen Lesungen sang Droste oft zusammen mit dem Essener Spardosen-Terzett. Als Genießer und Lebemann suchte er Themen nach Lust und Laune, erhitzte Texte für Spitzenkoch Vincent Klink („Wir schnallen den Gürtel weiter“) und schnurrte zu Illustrationen von Jan Michael Richter alias Jamiri („Kater Humpelkumpel und ich“).

„Das Allerschönste“ sei laut Wiglaf Droste, der 57 Jahre alt geworden ist, wenn nichts über ihn in der Zeitung stehe. Diese paar Zeilen, wo auch immer er jetzt weilt, möge er bitte verzeihen.

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