Denkmal

Westfalen hat seinen Kaiser Wilhelm wieder

Das Luftbild zeigt das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta-Westfalica:. 122 Jahre nach der Eröffnung wird das Denkmal nach über zwei Jahren Sanierung am 8. Juli wiedereöffnet.

Das Luftbild zeigt das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta-Westfalica:. 122 Jahre nach der Eröffnung wird das Denkmal nach über zwei Jahren Sanierung am 8. Juli wiedereöffnet.

Foto: dpa Picture-Alliance / Friso Gentsch

Porta Westfalica.   Das beliebte Denkmal in Porta Westfalica wurde über zwei Jahre lang grundsaniert, dazu entstand ein Besucherzentrum. Kosten: 17,8 Millionen Euro

Astronomische Kostenüberschreitungen, Pfusch am Bau – alles keine Errungenschaften unserer Tage, das gab’s schon bei den Preußen. Als 1895 der Münsterschen Firma Groß die Bauarbeiten am Denkmal für Kaiser Wilhelm I. in Porta entzogen wurden, drohten die Kosten von geplanten 800 000 Reichsmark auf 1,5 Millionen zu explodieren. Damit es dann am Ende „nur“ 1 Million wurde, sparte man allen Ecken und Enden, vor allem dort, wo man es nicht sah: an den Fundamenten. So fing das Denkmal schon gleich nach der Einweihung 1896 an zu bröseln.

Und doch erfreut sich der weithin in die westfälische Tiefebene grüßende Preußen-Monarch im Grünspan-Gewand ungebrochener Beliebtheit, rund 150 000 Menschen aus näherer und ferner Umgebung besuchen das Monument Jahr für Jahr, besonders Motorradfahrer lieben die kurvenreiche An- und Auffahrt durchs Weserbergland. Das Denkmal ist ja von der nahen Autobahn 2 ebenso gut zu sehen wie von der ICE-Strecke Köln-Berlin.

Deshalb bezahlen jetzt die Urenkel der bauwütigen Patrioten von einst für den kaisertreuen Pfusch. Rund 17,8 Millionen Euro hat die Restaurierung in anderthalb Jahren gekostet, am Sonntag wird die Einweihung gefeiert. Die 20 000, die seinerzeit für Kaiser Wilhelm II. Spalier standen, werden diesmal nicht kommen, die Plätze für die Feier wurden vorab verlost.

Doch ab Montag wird nach über zwei Jahren Bauzeit der traumhafte Blick ringsum wieder für die Allgemeinheit zugänglich sein. Man kann sich nun in einem bewusst modern und klar gestalteten Besucherzentrum samt Restaurant vorzüglich über die Geschichte des Bauwerks ins Bild setzen, das zwischen 1944 und 1945 einen Stollen überwölbte, in dem Zwangsarbeiter aus zwölf Nationen für die Rüstung der Nazis schuften mussten, Hunderte kamen dabei um.

Das Besucherzentrum erläutert nicht nur auf Monitoren und Schauwänden die Geschichte des Denkmals, sondern bettet sie ein in die wilhelminische Zeit, aber auch in den Zusammenhang mit anderen Monumental-Denkmälern vom Mount Rushmore in den USA bis zum Holocaust-Mahnmal in Berlin. „Hier am Berg können Sie 2000 Jahre Geschichte auf 2000 Metern erwandern“, sagt Matthias Löb, Direktor des federführenden Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL).

Die Idee zu dem Denkmal kam übrigens aus Dortmund, Stahlbaron Albert Hoesch schlug 1888 gleich nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. vor, dem Monarchen, der mit seinen Kriegen das zweite deutsche Kaiserreich zusammengeschmiedet hatte, ein eisernes Reiterstandbild zu errichten, vorzugsweise auf dem Wittekindsberg an der Porta Westfalica. Dortmunds Oberbürgermeister Schmieding hätte die Ruhrhöhen bevorzugt, man überbot sich nicht nur im Nationalstolz, sondern auch im Lokalpatriotismus. Am Ende hat Dortmund die Abstimmung im westfälischen Provinziallandtag mit 39 Stimmen verloren. Porta Westfalica bekam 43.

Architekt des mit 88 Metern bis heute zweithöchsten deutschen Denkmals war Bruno Schmitz aus Düsseldorf. Er entwarf auch das Kaiser-Wilhelm-Reiterstandbild am „Deutschen Eck“ in Koblenz (1896), das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Kyffhäuser (1897) und das Leipziger Völkerschlachtdenkmal (1913); sein Patriotismus hielt Schmitz indes nicht davon ab, auch in Italien oder den USA Nationaldenkmäler zu gestalten.

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