HÖREN UND SEHEN

Wochen-Tipps: Tolle Musik, Hörbücher – und eine öde DVD-Box

Kopfhörer auf, Musik an: Auf dieser Seite gibt’s Tipps fürs Hör-Vergnügen.

Kopfhörer auf, Musik an: Auf dieser Seite gibt’s Tipps fürs Hör-Vergnügen.

Foto: Annette Riedl

ESSEN.   Gute Musik und tolle Hörbücher: Die Kulturredaktion spricht in dieser Woche vier Empfehlungen aus. Von einer DVD-Box hingegen war sie enttäuscht.

Lesen, Hören, Schauen: Woche für Woche landen jede Menge (Hör-)-Bücher, CDs und DVDs auf den Schreibtischen der Kulturredaktion. Hier präsentieren wir einige ausgewählte Werke.

Der Wochen-Überblick: Im CD-Spieler dreht sich das Album „Gallipoli“, das Zach Condon unter Pseudonym veröffentlicht hat. Wir hören den musikalischen Abschied des David Orlowsky Trios, die Geschichte von Mary Stewarts „Verhextem Besen“, und wir verfolgen die Abenteuer der „Fantastischen 6“ von Neil Patrick Harris. Zum Abschluss zeigen wir Ihnen noch eine TV-Serie, von der Sie getrost die Finger lassen können.

Tipp 1: Zach Condon erkundet „Beirut“

Beirut: „Gallipoli“. Foto: 4AD-Records Zach Condon gilt als einer, der Klänge von Balkan und Orient in den US-Folk getragen hat. Auf der Suche nach neuen Klängen ist er nun im apulischen Gallipoli fündig geworden. Das gleichnamige Album hat er unter dem Pseudonym „Beirut“ veröffentlicht, kann aber auch sein, dass die Blaskapelle so heißt.

Womit wir bei der Hauptzutat des Albums sind: Inspiriert von getragenen Klängen eben jener Blaskapelle, die durch Gallipolis Gassen prozessionierte, ist ein sehr entspanntes, getragenes Album entstanden. Die leicht angeschrägten Trompeten begleiten, wie der beinahe klagende Gesang von Condon, unter kräftigen, rhythmischen Herzschlägen viele andere Tracks des Albums.

Stücke, die unter anderem noch auf die Inseln Mainau und Korfu entführen. So entstehen akustische Porträts von Orten und Ereignissen, angenehme Klangflüsse für den inneren Sonntagsspaziergang. (herm)

In Kürze: Beirut: „Gallipoli“. 4AD-Records, Beggars, Indigo,
circa 15 Euro.

Fazit: Klangreise fürs Kopfkino!

Tipp 2: Abschied der Klezmer-Könige

Kaum eine Formation weltweit hat die Entwicklung des Klezmer so begeisternd vorangetrieben wie das David Orlowsky Trio. Nach über 20 Jahren löst sich die Gruppe um den gerade einmal 37 Jahre alten Ausnahme-Klarinettisten jetzt auf. Zum Abschied legt Sony den klangtechnisch überragenden Mitschnitt eines Konzerts in der Hamburger Elbphilharmonie vom November 2018 vor.

„One Last Night“, ein mit neuen Stücken angereichertes „Best of“, zeigt David Orlowsky, Jens-Uwe Popp (Gitarre) und Florian Dohrmann (Kontrabass) auf dem Zenit ihrer Kunst. Was die drei, stets der mitreißenden Melodie verpflichtet, in einem einzigen Titel an dynamischen Wechseln, rhythmischen Breaks, metrischen Verschiebungen, an Elementen des Jazz und nahöstlicher Musik einbringen, ist atemberaubend. Eindrucksvoller können Könige des Klezmer nicht abdanken! (WP)

In Kürze: David Orlowsky Trio: „One Last Night“, Live at Elbphilharmonie Hamburg. CD. Sony Classical. 16,99 Euro.

Fazit: Musik für Herz und Hirn!

Tipp 3: Hexen-Spaß für Hörbuch-Fans

Sage niemand, diese Dame namens Rowling habe das Zauber-Internat erfunden. Bei uns (zu Unrecht) viel zu wenig bekannt, ist Mary Stewarts Vorläufer: Stewart, die 2014 fast hundertjährig starb, hatte bereits 1971 ein wackeres Mädchen in die Magier-Ausbildung geschickt.

„Der verhexte Besen“ ist ein hinreißendes Kinderbuch, Humor und Spannung der Story reizt Katharina Thalbach für die köstliche Hörbuchfassung grandios aus. Die Handlung: Aus der Langeweile von Großtantchens Landhaus reist Mary (10) samt Katze Tibb und Flugbesen ins Endor College, wo man vom Warzenzauber bis zur schrumpligen Rübe Sprüche für jede Lebenslage paukt.

Kinder werden Thalbach gespannt lauschen, Erwachsene kichern, wenn sie als überkandidelte (und tückische) Internatschefin Mumblechook von der Jahrestagung im Harz und der privaten Besen-Landebahn plaudert. Einfach toll! (LvG)

In Kürze: Mary Stewart: Der verhexte Besen. Hörbuch mit Katharina Thalbach. Empfohlen ab 8 Jahren. 3 CDs, circa 3,5 Stunden. Hörcompany, 16,95 Euro.

Fazit: Traumbesetzung!

Tipp 4: Neil Patrick Harris und „Die magischen 6“

Neil Patrick Harris: Die magischen 6. Mr. Vernons Zauberladen. Foto: Argon Neil Patrick Harris kennen Sie vielleicht als Barney Stinson: In der Sitcom „How I met your mother“ avancierte er zum Millionenliebling. Der Schauspieler hat sein erstes Kinderbuch geschrieben. Harris, selbst ein ziemlich versierter Zauberer, stellt genau diese Leidenschaft ins Zentrum von „Die magischen 6“.

Carter lernt darin schnell die Tricks und Taschenspielereien seines Onkels – bis ihm aufgeht, dass der Zauber faul ist und nur dazu dient, Menschen um ihren Besitz zu bringen. Der enttäuschte Junge türmt und findet fünf (!) Freunde, die vom Schwebezauber bis zur Entfesselungskunst jede Menge Magie oder Showtalent mitbringen. Aus der Gemeinschaft wird ein Clan der Gerechten, als die Kinder vom Plan eines Diamantenraubs erfahren... (LvG)

Simon Jäger liest dieses spannende Hörbuch mit wundervollem Gespür für Wärme, Action, Witz. Empfehlung für die ganze Familie! (LvG)

In Kürze: Neil Patrick Harris: Die magischen 6. Mr. Vernons Zauberladen. Gelesen von Simon Jäger. Argon, 4 CDs, circa 4,5 Stunden. 16,95 Euro. Ab 8 Jahren.

Fazit: Zauberhaft erzählt!

In der Kritik: „Hackerville“ mit vielen Schwächen

Wer dieser Tage Erfolg haben will, sollte am besten in Serie gehen. Wie sonst lässt sich erklären, dass ein Format wie „Hackerville“ selbst den altehrwürdigen Grimme-Preis einheimsen konnte?

Der Lorbeer für Qualitätsfernsehen wundert: Die sechs Episoden der ersten Staffel zeigen ein Heer von Schwächen. Die Synchronisation: zweitklassig. Der Plot: erwartbar und im Tempo etwa so wie „24“ nach einem Röhrchen Schlaftabletten. Die Typen: schlimme Schablonen – von der gedunsenen rumänischen Oligarchin bis zum schlaffen osteuropäischen Polizeichef.

Hackerville erzählt, wie im Internet hausende kriminelle Energie einem ganzen Markt (Banken) das Fürchten lehren kann. Aber mehr als einen ziemlich guten Sound hat das Format, in dem kein Schauspieler begeistert, nicht zu bieten. DVD-Zugabe: Interviews und Blick hinter die Szenen. Keine Kaufempfehlung. (red)

In Kürze: Hackerville, DVD und Blue-Ray. Deutsche Fassung, englische Untertitel. 330 Minuten und Bonusmaterial. Ab 16 Jahren. TNT-Serie. 17 Euro(DVD), 23 Euro (Blue-Ray)

Fazit: Ödes Fernsehen!

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