Blütenstaub

Birke, Hasel und Erle – So heftig wird das Pollenjahr 2019

In diesem Frühjahr leiden Allergiker ganz besonders unter dem Blütenstaub.

In diesem Frühjahr leiden Allergiker ganz besonders unter dem Blütenstaub.

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Berlin  Der Blütenstaub fliegt dieses Jahr besonders früh. Die Leidenszeit für Allergiker hat sich verlängert. Wichtige Fragen und Antworten.

Schniefen, schnäuzen, Augen reiben: Für Pollenallergiker hat die Zeit des Leidens begonnen. Laut Robert-Koch-Institut sind in Deutschland etwa 20 Prozent der Erwachsenen und 30 Prozent der Kinder von mindestens einer Allergie betroffen. Von den Erwachsenen leiden etwa 15 Prozent unter Heuschnupfen.

In diesem Jahr hat der Flug der kleinen Quälgeister im Vergleich zum Vorjahr zwar etwas später eingesetzt, dafür ist er derzeit aber umso intensiver: Die Birkenblüte sorgt momentan für ungewöhnlich heftige Heuschnupfen-Attacken. Wie schlimm wird es dieses Jahr? Wichtige Fragen und Antworten.

Ist das Pollenjahr 2019 schon jetzt besonders heftig?

Ja. „Die Pollensaison hat früh begonnen, mit teils außergewöhnlich hohen Pollenkonzentrationen“, sagt Christina Endler vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung Freiburg des Deutschen Wetterdienstes. „In den nördlichen Landesteilen, vor allem in Schleswig-Holstein und Niedersachsen war der Beginn der Hasel- und Erlenblüte ungewöhnlich früh, sogar bis zu drei Wochen früher.

In Sachsen und Brandenburg war die Erlenblüte um drei Wochen verfrüht.“ Das habe auch am trockenen und sonnigen Februar gelegen: „Sonne, trockene Witterung, leichter Wind – das waren ideale Flugbedingungen für die Pollen.“

Laut der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) haben die Pollen der Erle in diesem Jahr im nord- und west­deutschen Tiefland Rekorde gebrochen – sowohl was die Höhe der Belastung angeht als auch die Dauer. „Momentan steht die Birke in voller Blüte und sorgt für eine starke Belastung“, sagt Endler. Der Baum zählt zu jenen Arten, die am häufigsten Allergien auslösen und deren Pollen am aggressivsten sind.

Heuschnupfen: In diesen Monaten fliegen die meisten Pollen

Pollenflugkalender
Heuschnupfenkalender- In diesen Monaten fliegen die meisten Pollen

Je mehr Pollen, desto stärker der Heuschnupfen. Stimmt das?

Nicht immer. Zwar sehen Forscher allgemein einen Zusammenhang zwischen der Pollenzahl pro Kubikmeter und der Stärke von Symptomen. Doch die menschliche Immunabwehr reagiere individuell, etwa zu Beginn einer Saison. „Hinzu kommt, dass der Allergengehalt der Pflanzen nicht immer der Gleiche ist“, sagt Christina Endler.

„Wir wissen zudem nicht, ob das vergangene Jahr mit dem Supersommer zu einem stärkeren Pollenflug in diesem Jahr führt. Hitze und Trockenheit können für die Pflanzen Stress bedeuten“, so Endler.

Insgesamt sei die Belastung für Allergiker aber klar stärker geworden: „Die Betroffenen müssen mehr leiden, denn die Pollenflugsaison hat sich verlängert“, sagt die Meteorologin. „Sie beginnt inzwischen europaweit etwa zwei Wochen früher, die Hasel fliegt manchmal schon im Dezember. Gleichzeitig blühen manche Gräser und Kräuter bis weit in den Herbst hinein.“ Auch eingewanderte Arten wie Ambrosia verändern den Pollenflug.

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Wie entsteht die Allergie?

Bei einer Pollenallergie lassen die im Blütenstaub erhaltenen Eiweiße das Immunsystem einiger Menschen verrückt spielen – die harmlosen Eindringlinge werden fälschlicherweise als Bedrohung angesehen. Das Immunsystem reagiert mit der Produktion von Antikörpern, die sich wiederum auf bestimmte Immunzellen (Mastzellen) setzen.

Die Mastzellen schütten dann entzündungsauslösende Botenstoffe wie Histamin aus, die zu typischen Symptomen wie Niesreiz, Tränenfluss oder Fließschnupfen führen. Betroffen sind insbesondere jene Körperstellen, auf die Allergene direkt treffen: die Bindehaut der Augen oder die Schleimhaut der Nase.

Mit welchen Symptomen sollte man zum Arzt gehen?

„Wenn die Nase nicht aufhört zu laufen oder immer wieder Schnupfensymptome auftreten und noch ein trockener Husten hinzukommt, sollte man dies unbedingt beim Arzt abklären lassen“, rät Professor Karl-Christian Bergmann vom Allergie-Centrum der Charité.

Bei etwa jedem dritten Heuschnupfen-Betroffenen kommt es außerdem zu einem Etagenwechsel: Die Symptome wechseln von den oberen zu den unteren Atemwegen, den Bronchien. Ob ein trockener Husten erstes Anzeichen eines Pollenasthmas ist, sollte beim Arzt abgeklärt werden.

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Welche Therapien gibt es?

Die meisten Heuschnupfen-Patienten kommen ohne Medikamente nicht aus. Antihistamine als Tropfen oder Tablette lindern Jucken, Augentränen und Fließschnupfen. Die Wirkstoffe Cetirizin und Loratadin machen anders als frühere Präparate nur wenige Patienten müde, sagt die Stiftung Warentest. Im Internet hat sie unter dieser Adresse eine Bewertung rezeptfreier Heuschnupfenmittel veröffentlicht (kostenpflichtig).

Die einzige Behandlung, die die Ursachen der Pollenallergie bekämpft, ist die spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt. Dabei wird der Körper langsam an den allergieauslösenden Stoff gewöhnt – in der Regel über drei Jahre hinweg. Stiftung Warentest bewertet die Sensibilisierung nur als „eingeschränkt geeignet“, da es zu gefährlichen allergischen Nebenwirkungen kommen könne. Die Therapie sollte nur bei Kindern ab fünf Jahren gewählt werden.

Was können Pollenallergiker zu Hause tun?

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) rät, vor dem Zubettgehen die Straßenkleidung außerhalb des Schlafzimmers abzulegen und möglichst die Haare zu waschen, um anhaftende Pollen herauszuspülen. Staubsauger mit Hepa-Filtersystem und Pollenschutzgitter vor den Fenstern hielten Feinstaub und allergene Partikel zurück. Auch Mund- und Nasenschutz, dicht abschließende Sonnenbrillen sowie regelmäßiges Nasenduschen könnten helfen. (Jürgen Polzin)

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