Gesundheit

Brustkrebs: Wie er entsteht und welche Therapien helfen

Ein Großteil aller Fälle von Brustkrebs wird durch das Abtasten von den Frauen selbst entdeckt.

Ein Großteil aller Fälle von Brustkrebs wird durch das Abtasten von den Frauen selbst entdeckt.

Foto: istock / iStock

Berlin.  Dank moderner Medizin lässt sich Brustkrebs heute gut behandeln, sagen Ärzte. Dabei muss jede Erkrankung individuell bekämpft werden.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 70.000 Frauen neu an Brustkrebs, mehr als 18.000 sterben an der Krankheit. Damit ist das sogenannte Mammakarzinom unter Frauen die häufigste Krebserkrankung – statistisch gesehen ist jede achte Frau im Laufe ihres Lebens betroffen.

Zuletzt hatte auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ihre Erkrankung öffentlich gemacht. Voller Zuversicht hatte sie erklärt: „Dieser Krebs ist heilbar.“ Tatsächlich ist Brustkrebs in den meisten Fällen heilbar. Experten erklären, welche Ursachen hinter einer Erkrankung stecken können und wie sich die Therapieformen unterscheiden.

Brustkrebs: Das sind die Heilungschancen

Um die Überlebensraten zu berechnen, hat es sich bewährt, Zeitspannen von fünf Jahren zu betrachten, so die Krebsfachgesellschaften. Bei vielen Krebsarten haben Patienten, die mindestens die ersten fünf Jahre nach der Diagnose überlebt haben, gute Chancen auf eine Heilung, weil Rückfälle danach immer weniger wahrscheinlich werden.

Bei Brustkrebs spricht der Spezialist Professor Sherko Kümmel, Leiter des Brustzentrums KEM in Essen, von einer Überlebenschance von 90 Prozent nach fünf Jahren ohne Befund.

Die Therapie von Brustkrebs besteht in der Regel aus zwei Bausteinen

Nach der Diagnose durch die Mammografie, meist unterstützt von einer Biopsie (Gewebeentnahme), besteht die Therapie in der Regel aus zwei Bausteinen.

Erstens: die sogenannte Lokaltherapie – eine Operation, verbunden mit Bestrahlung. Zweitens: die sogenannte Systemtherapie – etwa Chemotherapie, Antikörpertherapie oder anti-hormonelle Therapie, erklärt Kümmel. Heute setze man auf eine individuelle Therapie.

Jeder Brustkrebs ist anders, daher ist die Therapie individuell

Weil sich die Biologie von Brustkrebs stark unterscheidet, wirkt nicht jedes Medikament bei jeder Patientin gleich. Es muss nach den molekularen Eigenschaften der Erkrankung gesucht werden. Hier gibt es die klassische Chemotherapie, die Antihormontherapie und die zielgerichteten Medikamente, so die Forscher.

Die Chemotherapie greift laut Experten Zellen an, die sich schnell teilen. Dies trifft bei Krebszellen zu, die sich durch unkontrollierte Zellteilung vermehren, aber auch bei einigen gesunden Körperzellen. Zu diesen gesunden Zellen zählen auch die Schleimhautzellen im Mund und im Magen-Darm-Trakt, die Zellen im Knochenmark sowie die Haarzellen.

Die anti-hormonelle Therapie kommt etwa für 75 Prozent der Frauen infrage

Brustkrebs wächst bei vielen betroffenen Frauen hormonabhängig. Das bedeutet: Die Tumore tragen Andockstellen für die weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron. Über diese sogenannten Rezeptoren regen die Hormone das Wachstum der Tumorzellen an. Die Antihormontherapie verbucht große Erfolge. „Und sie kommt für etwa 75 Prozent der Frauen infrage“, so Kümmel.

Die Krebsimmuntherapie wird auch Immuntherapie oder Checkpoint-Inhibition genannt und von Medizinern gefeiert: Während Chemo- oder Strahlentherapie die Krebszellen von außen schädigen, aktiviert die Immuntherapie das körpereigene Immunsystem.

Ihr Ziel ist es, das Immunsystem bei dem Kampf gegen die Tumorzellen zu unterstützen. „Hilfreich ist sie vor allem bei der aggressiven Form von Brustkrebs, belegen erste Studienerfolge“, so Kümmel.

Viele Krebstherapien haben Nebenwirkungen und Spätfolgen

Die Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Übelkeit oder extreme Müdigkeit gelten allgemein als sehr belastend. In vielen Fällen könne auf die Behandlung mit diesen Medikamenten verzichtet werden, etwa wenn der Krebs sich in einem sehr frühen Stadium befindet – oder wenn er bestimmte biologische Merkmale aufweist, die ihn angreifbar machen durch andere Medikamente, so Kümmel. Insgesamt haben viele Krebstherapien massive Spätfolgen.

Chancen und Risiken von Operation und Bestrahlung

„Das Ziel ist, brusterhaltend zu operieren“, so Sherko Kümmel. „Dabei ist es in den letzten Jahren gelungen, mit einer weniger radikalen Operation gleich gute Heilungschancen oder bessere Heilungschancen zu erreichen als mit radikalen Verfahren.“

Auch die ausgedehnte Lymphknotenentfernung finde heute längst nicht mehr statt. Das Problem dabei war häufig ein schmerzhaftes Lymphödem. Bei der brusterhaltenden Operation wird der Tumor vollständig entfernt. Mit anschließender Bestrahlung gilt diese Therapie als genauso sicher wie eine Brustamputation, so das Deutsche Krebsforschungszentrum.

Bei der Bestrahlung konnte die Behandlung von etwa sechs auf drei Wochen reduziert werden. Heute wird laut Experten auch häufig die integrierte Extrabestrahlung (Boost-Bestrahlung) eingesetzt, da sie eine intensive Wirkung verspricht.

Gibt es Faktoren, die eine Krebserkrankung fördern?

Die Ursachen sind nicht bekannt. Es gibt laut Deutscher Krebsgesellschaft aber Risikofaktoren wie zu viel Alkohol, Nikotin oder geringe körperliche Aktivität. Auch die Hormonersatztherapie in den Wechseljahren kann das Wachstum von Krebszellen fördern.

Sherko Kümmel rät zu Pausen. Die Hormone sollten nicht mehrere Jahre ununterbrochen eingenommen werden. Auch Vererbung spielte eine Rolle: Jedoch nur in fünf bis zehn aller Brustkrebsfälle lässt sich ein krankheitsauslösendes Gen nachweisen, so die Deutsche Krebsgesellschaft.

Kann man nach der Erkrankung wieder voll arbeiten?

„Viele Frauen nehmen nach oder während der Chemotherapie ihren Beruf voll oder zeitweise wieder auf“, so Kümmel. Hilfreich, um wieder zu Kräften zu kommen, sei Sport etwa zwei- bis dreimal die Woche. Am besten geeignet sei Konditionstraining.

Gegen Begleiterscheinungen der Therapien wie Müdigkeit helfe auch Akupunktur oder Meditation, so der Arzt. Auch könne über eine geeignete Schmerztherapie nachgedacht werden.

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