Ferien

Camping und Corona: So sicher ist Urlaub mit dem Wohnmobil

So klappt der Camping-Urlaub

Den Urlaub genießen trotz Coronavirus? Vielleicht ist Camping ja Ihr Ding. Was man beim Zelten, bei der Vorbereitung und fürs Lagerfeuer beachten sollte, zeigen wir im Video.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Viele Deutsche wollen in diesem Jahr ihren Urlaub auf dem Campingplatz verbringen. Doch wie sicher ist das Camping in Corona-Zeiten?

Wohnmobil statt Bettenburg, Grill statt Hotelbuffet – das Urlauben auf dem Campingplatz scheint für viele Menschen in der Corona-Pandemie eine gute Alternative zum Pauschalurlaub im Hotel zu sein.

Auch für jene, die sich bislang nicht zu den leidenschaftlichen Campern zählten, sagt Thomas Kretschmer vom Verbund unabhängiger Wohnmobilvermieter: „Ich bin ja mit einem Wohnmobil mit meinem eigenen Zuhause unterwegs. Dieses Prinzip ist für viele Menschen in diesen Tagen attraktiv“, sagt Kretschmer.

Um 100 Prozent sei die Nachfrage nach den Campingmobilen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, sagt auch Dirk Fehse, Gründer der Plattform „PaulCamper“. Dort können private Besitzer ihre Campingbusse, Wohnmobile und Wohnwagen gegen Geld verleihen.

Doch ist das Campen in Corona-Zeiten wirklich sicher? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Welche Vorteile hat Camping im Hinblick auf das Corona-Ansteckungsrisiko?

Thomas Kretschmer beschreibt es so: „Man hat automatisch Abstand zu seinen Nachbarn, man kann sich trotzdem unterhalten und man befindet sich die meiste Zeit unter freiem Himmel – im eigenen Zuhause, dem Wohnmobil oder Zelt, ist nur die eigene Familie drin.“ Lesen Sie auch: Sonne, Sand, Meer – Wie sicher wird der Corona-Sommer?

Tatsächlich betonen Virologen, dass sich Menschen im Freien nicht so leicht mit dem neuen Coronavirus anstecken können. Denn das Risiko für eine Übertragung durch sogenannte Aerosole – kleinste Tröpfchen, an denen das Virus haften kann – ist besonders dann hoch, wenn sich viele Menschen in nicht ausreichend gelüfteten Räumen befinden.

Auch der Geschäftsführer des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD), Christian Günther, sagt: „Allein aufgrund der auf den Plätzen geltenden Brandschutzverordnungen muss ohnehin zwischen den Wohnmobilen und Zelten Abstand gehalten werden.“

Welche Regeln gelten derzeit für Camping in Deutschland?

Der Bundesverband der Campingwirtschaft hat auf sieben DIN-A4-Seiten Handlungsempfehlungen zur Wiedereröffnung formuliert. Zum Beispiel könnten Reinigungsintervalle erhöht und Desinfektionsspender aufgestellt werden. In der Gastronomie könnten Gläserspülmaschinen eingesetzt oder alternativ der Verkauf von Flaschengetränken in Erwägung gezogen werden, so die Empfehlungen.

Nur: Bindend sind diese nicht. Und die Regeln, die für alle Campingplätze gelten, gibt es auch nicht – sie können sich von Bundesland zu Bundesland, manchmal auch von Landkreis zu Landkreis unterscheiden. Lesen Sie hier: Urlaub in Deutschland – Die Regelungen der Bundesländer

„Wir haben es erlebt, dass Regelungen, die Bundesländer nicht aufgestellt haben, dann von den Landkreisen aufgestellt wurden – oder dass Landkreise Regelungen der Länder gestrichen haben“, sagt Christian Günther vom BVCD. Er empfiehlt: „Rufen Sie vor dem Urlaub beim Campingplatz an und informieren Sie sich über die aktuelle Situation. So können Sie verhindern, dass ein Betreiber Sie zum Beispiel wieder nach Hause schicken muss.“

Denn in vielen Bundesländern müssen Urlauber, die aus einem Landkreis mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner kommen, einen ärztlichen Nachweis erbringen, nicht mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein. Oder manche Campingplätze vergeben nicht alle Parzellen, um das Halten von Abstand besser zu ermöglichen.

„Deswegen raten wir dringend, vorher einen Platz zu reservieren und nicht einfach loszufahren“, sagt Günther. Eines ist derzeit jedoch in allen Bundesländern gleich: Die Campingplätze dürfen öffnen und Gäste empfangen. Das gilt auch für den Landkreis Gütersloh, der sich wegen eines Corona-Ausbruchs im Lockdown befindet – unter Einhaltung bestimmter Regelungen.

Welche Herausforderungen im Hinblick auf die Corona-Pandemie gibt es auf Campingplätzen?

Der neuralgische Punkt sei der Sanitärbereich, sagt Christian Günther vom BVCD. „Dort müssen alle hin.“

Die Platzbetreiber würden diese Herausforderung überfüllter Waschräume ganz unterschiedlich lösen: die einen mit einer Art Ampelsystem, andere mit Magnettafeln – wer reingeht, schiebt den Magneten von einer auf die andere Seite und später wieder zurück. Der BVCD macht etwa den Vorschlag, eventuell einzelne Waschbecken zu sperren, um den Abstand einhalten zu können. „Aber das Ganze lebt natürlich von Vertrauen“, sagt Günther. Mehr zum Thema: Ansturm auf deutsche Campingplätze – Steigen die Preise?

Sein Verband appelliert an die Urlauber wenn möglich eigene sanitäre Einrichtungen zu nutzen. Auch Thomas Kretschmer rät, bei der Auswahl des Reisemobils darauf zu achten, dass Dusche und Toilette gleich mit an Bord sind. „Die Ausstattung mit einer Nasszelle ist auch nicht die Luxusvariante eines Wohnmobils“, betont er. Etwa 80 Prozent der Campingbusse und Wohnmobile seien heutzutage damit ausgestattet.

Wenn Campern Urlaub auf einem Campingplatz derzeit nicht geheuer ist – können sie ihren Wohnwagen auch woanders abstellen?

Wie in den meisten anderen Ländern auch, ist Wildcampen in Deutschland verboten. Es gibt jedoch die Möglichkeit, sein Campingmobil auf dafür vorgesehenen Stellplätzen abzustellen. „Wer sich zum Beispiel eine Stadt ansehen möchte, kann sein Mobil auch mal nur für ein, zwei Nächte auf einen solchen Stellplatz stellen“, sagt Kretschmer.

Gibt es überhaupt noch freie Stellplätze?

Gerade an der Küste oder im Süden Deutschlands kann es auf den Campingplätzen derzeit tatsächlich eng werden. „Aber es gibt einige Regionen, in denen Urlauber noch einen Platz finden, zum Beispiel in weniger bekannten Urlaubsgebieten in Thüringen oder in Sachsen-Anhalt“, sagt Thomas Kretschmer vom Verbund unabhängiger Wohnmobilvermieter.

Der Geschäftsführer des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland, Christian Günther, bestätigt das: „Ich weiß von Kollegen, dass in Mitteldeutschland noch ausreichend Platz ist.“

Mehr zum Thema Coronavirus:

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben