Lungenkrankheit

Coronavirus: Symptome, Übertragung, Unterschiede zur Grippe

Coronavirus: Weltweit kommt es zu einem Anstieg der Infektionen.

Coronavirus: Weltweit kommt es zu einem Anstieg der Infektionen.

Foto: THOMAS SAMSON / AFP

Berlin.  Immer mehr Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus. Was sind die Symptome der Lungenkrankheit Covid-19? Wie gefährlich ist sie?

  • Das Coronavirus bereitet weltweit Sorge: Die Fallzahlen nehmen täglich zu, das Robert-Koch-Institut (RKI) hält das Virus darüber hinaus für tödlicher als die Grippe
  • Eine Impfung oder ein Medikament gibt es bislang nicht – mit einem Impfstoff ist nach Einschätzung von Experten in diesem Jahr auch nicht mehr zu rechnen
  • Doch wie wird das neuartige Coronavirus übertragen? Was sind die Symptome der dadurch übertragenen Lungenkrankheit Covid-19? Und was sind die Unterschiede zur Grippe?

Ende Dezember wird das Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in China über das Auftreten einer mysteriösen Lungenkrankheit mit unbekannter Ursache in der zentralchinesischen Stadt Wuhan informiert. Wenig später ist klar: Sie wird verursacht durch das Coronavirus.

Seitdem haben sich Zehntausende mit dem neuartigen Virus angesteckt, Tausende sind an der Atemwegserkrankung Covid-19 gestorben. Der Erreger breitet sich in Deutschland weiter aus. Was sind die Symptome? Wir klären auf:

Coronavirus-Symptome: Was weiß man über den Erreger?

Bei dem Erreger handelt es sich um ein Virus aus der Gruppe der Coronaviren (CoV). „Wir kennen diese Virusgruppe seit vielen Jahren und jeder zehnte Deutsche hat schon einmal mit ihr Kontakt gehabt“, sagt Professorin Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Sie können harmlose Erkältungen auslösen, aber eben auch schwere Erkrankungen wie Sars oder Mers.

Corona: Symptome und Übertragungswege
Corona- Symptome und Übertragungswege

Die neue Variante des Virus trägt den Namen SARS-CoV-2. Man geht bislang davon aus, dass das Virus von einem Tier – welches ist unklar – auf den Menschen übergegangen ist. Seitdem überträgt es sich auch von Mensch zu Mensch auszubreiten. Als Quelle gilt ein inzwischen geschlossener Fischmarkt in der chinesischen Metropole Wuhan, auf dem auch Wildtiere angeboten wurden.

Die sogenannte Mortalität, also Sterblichkeit, liegt nach derzeitiger Erkenntnis bei 2,8 Prozent. Allerdings ist das nach Alter unterschiedlich. „Zum Vergleich: Bei Mers liegt die Mortalität bei 30 bis 40 Prozent“, sagt Addo, die die Infektiologie am UKE leitet. So schützt sich Deutschland vor dem Coronavirus.

Covid 19: Welche Symptome treten bei Infektion mit dem Coronavirus auf?

Die Inkubationszeit – der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – beträgt 2 bis 14 Tage. Die Lungenerkrankung äußert sich durch

  • Fieber
  • trockenen Husten
  • Abgeschlagenheit
  • Atemnot

Weil das Virus die unteren Atemwege infiziert, haben Betroffene keinen Schnupfen. Letztlich ähneln die Symptome denen einer Sars-Infektion. Kein Wunder, denn das neue Virus dockt am gleichen Rezeptor an. Der Test auf das Virus basiert meist auf der Analyse von Sputum (Auswurf) und dauert etwa zwei Stunden.

Grippe vs. Coronavirus – Was sind die Unterschiede?

Nach den bisher bekannten Zahlen ist das neuartige Coronavirus laut Robert Koch-Institut (RKI) tödlicher als die Grippe. Wie viel höher die Sterberate ausfalle, werde man nach dem Ende der Epidemie sehen, sagte Institutspräsident Lothar Wieler.

Grippepandemien – nicht die saisonale Grippe – hätten eine Fallsterblichkeit von 0,1 Prozent bis hin zur allerschwersten Pandemie im Jahr 1918 von 2,5 Prozent. „Das sind die Zahlen, über die wir uns hier Sorgen machen.“ Lesen Sie hier: Coronavirus auf Teneriffa festgestellt – Tausend Urlauber in Quarantäne.

Der Höhepunkt der diesjährigen Grippewelle in Deutschland scheint Experten zufolge überschritten. Das geht aus einem Bericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin hervor.

Nach einer kürzlich von Chinas Gesundheitsbehörde vorgestellten Analyse sterben im Land 2,3 Prozent der mit Sars-CoV-2 Infizierten. Betroffen sind demnach vor allem alte Menschen und solche mit schweren Vorerkrankungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Bei Menschen über 80 Jahren liegt die aus den dort vorliegenden Daten errechnete Todesrate bei knapp 15 Prozent, es sterben also in dieser Altersgruppe in China im Mittel etwa 15 von 100 Infizierten. In der Gruppe der 10 bis 39 Jahre alten Menschen sterben 0,2 Prozent der Infizierten, also etwa 2 von 1000 Betroffenen.

Experten gehen davon aus, dass die Sterblichkeit eigentlich geringer ist als in China errechnet, unter anderem weil in der chinesischen Statistik viele mild verlaufende Infektionen gar nicht erfasst werden. Gesicherte Analysen zur Sterblichkeit aus anderen Ländern gibt es bisher aber nicht.

Karneval von Nizza trotzt dem Coronavirus
Karneval von Nizza trotzt dem Coronavirus

Wie überträgt sich das Coronavirus?

Die anfängliche Vermutung, das Virus könne nur von Menschen übertragen werden, die bereits Symptome zeigen, ist längst widerlegt. Das zeigen auch die bislang erfassten Fälle in Deutschland. „Der Erreger kann auch in der Inkubationszeit übertragen werden“, sagt Addo.

Die Übertragung erfolgt nach bisherigen Erkenntnissen über Tröpfchen- und Schmierinfektion:

  • Niesen
  • Husten
  • Händeschütteln

Coronavirus verbreitet sich weiter rasend schnell
Corona-Virus in China- Das müssen Sie über die Lungenkrankheit wissen

Wie ansteckend das neue Virus ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Chinesische Behörden gehen davon aus, dass ein Infizierter durchschnittlich 1,4 bis 2,5 Menschen ansteckt – das wäre ähnlich wie bei Sars.

„Solche Zahlen sind extrem unzuverlässig“, sagt Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin. Demnach hängt die Übertragungsrate von sehr vielen Faktoren ab – etwa ob Menschen sozial aktiv sind oder eher zuhause bleiben. Genau darauf zielen nach Ansicht Drostens die Maßnahmen in China ab. „Ich denke, diese Maßnahmen bringen etwas.“

Wie kann man sich schützen?

Helfen Atemschutzmasken gegen das Coronavirus?
Helfen Atemschutzmasken gegen das Coronavirus?

Das Robert Koch-Institut (RKI) verweist auf die Maßnahmen, die auch zum Beispiel in der aktuellen Grippesaison gelten: gute Händehygiene, Husten- und Niesetikette und sich fern von Erkrankten halten. Experten empfehlen, sich an Basishygiene-Empfehlungen zu halten. Dazu gehöre auch, sich zum Beispiel nicht ins Gesicht zu fassen.

Trotz der steigenden Zahl von Coronavirus-Infektionen sieht RKI-Präsident Wieler, Deutschland dem Erreger „nicht schutzlos“ ausgeliefert. Alle könnten selbst etwas dafür tun, angefangen von „banalen Dingen“ wie Händewaschen bis hin zum Meiden von Großveranstaltungen oder dem öffentlichen Verkehr bei Infektionen.

Lesen Sie hier: Helfen Mundschutz oder FFP-Masken gegen das Coronavirus?

Wie gefährdet sind Kinder?

Ob Kinder besonders anfällig für das neue Virus sind, ist nicht klar. „Bislang wurden keine Fälle von infizierten Kindern gemeldet“, sagt Dr. Marylyn Addo vom UKE. Bisher gebe es keine Informationen, die nahelegten, dass Kinder besonders anfällig seien. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach empfiehlt auch Kindern die klassischen Maßnahmen wie eine gute Handhygiene. Coronavirus-Risikogruppen: Männer ab 50 sind gefährdet.

Wie funktioniert der Virus-Schnelltest?

Ein Abstrich und nur wenige Stunden später ist klar: Ein Mensch ist mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert – oder eben nicht. Die Testmethode, entwickelt von einem Team des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung an der Berliner Charité, basiert auf einer Standardprozedur, die seit Jahren in der Virusdiagnostik angewendet wird.

Dabei wird Material zum Beispiel vom Rachen des Patienten genommen und das darin befindliche Erbmaterial extrahiert, erklärt Dr. Thorsten Wolff vom RKI. „Jedes Virus hat sein eigenes Erbmaterial, das einzigartig ist“, sagt Wolff – der Fingerabdruck des Virus. Anschließend wird eine Methode angewandt, für die es in den 90er-Jahren den Nobelpreis gab: die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR).

So schützt man sich vor dem Coronavirus
So schützt man sich vor dem Coronavirus

Mithilfe dieser Methode können kleine Abschnitte des Erbmaterials (Nukleinsäurestücke) gezielt vermehrt werden. „Dann wird noch eine Sonde hinzugefügt, die ein fluoreszierendes Signal abgibt“, sagt Wolff. Auch bei dieser Sonde handelt es sich um ein kleines Nukleinsäurestückchen. 45 Vermehrungszyklen durchläuft das Erbmaterial mit der Sonde. Auch interessant: Ist Deutschland bereit für den großen Coronavirus-Ausbruch?

Schließlich lässt sich an der Stärke des Signals ablesen, wie viel Erbmaterial in der Probe enthalten war. Wie hoch also die Viruslast ist. Neu an dem aktuellen Test ist das Sonden-Set, sagt Wolff: „Es ist in der Lage, nur das neue Coronavirus zu erkennen und nicht auch bei ähnlichen Coronaviren ein Signal abzugeben.“ Außerdem kann noch während der Vermehrungszyklen die Viruslast ermittelt werden.

Wer wird auf das Coronavirus getestet?

Getestet werden soll bisher nur, wer Kontakt mit einem bestätigten Fall hatte oder in den 14 Tagen zuvor in Wuhan gewesen ist und nun Symptome habe, die auf eine Coronavirus-Infektion hinwiesen, erklärt Addo. Diese Kriterien werden kontinuierlich evaluiert. Lesen Sie hier: Coronavirus in Italien – Diese Reisen sind kostenlos stornierbar.

Coronavirus breitet sich aus: Wie sieht die Therapie aus?

Eine spezielle Therapie für die vom neuen Coronavirus ausgelöste Lungenerkrankung Covid-19 gibt es nicht. „Die Therapie ist supportiv, das heißt unterstützend und begleitend. Bei schwerer Atemnot würden wir den Patienten beatmen. Um eine bakterielle Super-Infektion zu vermeiden, könnten unterstützend Antibiotika gegeben werden“, sagt Addo. Diese interaktive Karte zeigt die Ausbreitung des Coronavirus.

Gibt es eine Impfung gegen das Coronavirus?

Eine Impfung wäre das beste Mittel, die Epidemie einzudämmen. Laut Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin werden derzeit Impfstoff-Kandidaten gegen Mers am Menschen getestet. Sie seien – erfolgreiche Resultate vorausgesetzt – frühestens in einigen Monaten verfügbar. „Darauf ließe sich dann aufbauen“, sagt Schmidt-Chanasit.

Die Maßnahmen zur Eindämmung – China riegelt Millionenstädte ab, Staaten schließen Grenzen, Infizierte werden isoliert – zielten darauf ab, möglichst viele weitere Krankheitsfälle zu verhindern, sagt Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.

Es gehe auch darum, Zeit zu gewinnen: „Je langsamer das geht, umso mehr wissen wir über Gegenmaßnahmen wie zum Beispiel antivirale Medikamente – die in China auch eingesetzt werden – und schaffen vielleicht auch die Entwicklung einer Impfung.“ (bekö)

Leserkommentare (7) Kommentar schreiben