Videospiele

Chocobo Racing: Vogelwildes Kartfahren mit Höhen und Tiefen

| Lesedauer: 5 Minuten
Das Teilnehmerfeld ist „Final Fantasy“-Fans bekannt.

Das Teilnehmerfeld ist „Final Fantasy“-Fans bekannt.

Foto: Square Enix / Nintendo

Essen.  „Chocobo GP“ für die Nintendo Switch schickt das „Final Fantasy“-Universum auf die Rennstrecke. Leider stören einige Macken den kurzweiligen Spaß.

Fans der „Final Fantasy“-Reihe kennen und lieben sie: Die Chocobos, meist golden leuchtende Reitvögel, die die Charaktere in den Rollenspielen von A nach B bringen. 1999 erhielten die Chocobos erstmals ein eigenes Kart-Videospiel für die erste PlayStation, 23 Jahre später erschien nun der Nachfolger für die Nintendo Switch.

Den Entwicklern von Square Enix war offenbar wichtig, keinen lupenreinen „Mario Kart“-Klon abzuliefern. Davon zeugen so einige Ideen, insbesondere aber zwei Spielmodi, die es beim großen Vorbild so nicht gibt. Im namensgebenden „GP“ fährt man online in einem 64 Teilnehmer umfassenden Turniermodus gegen Kontrahenten aus aller Welt. Zudem gibt es einen Story-Modus, in dem man durch Siege und erfüllte Zeitfahren-Aufgaben nach und nach Charaktere – die allesamt aus dem „Final Fantasy“-Universum bekannt sind – und Strecken freischaltet. Die dort erzählte Geschichte ist allerdings zu vernachlässigen und sorgt mit ihren teilweise seltsamen Dialogen und Charakteranimationen für Stirnrunzeln und Gelächter.

Items heißen in „Chocobo GP“ Maginite

Bei Kartspielen zählt aber vor allem, was auf der Strecke passiert. Auf quietschbunten Kursen, von denen es leider nur neun gibt – die dafür immerhin in verschieden langen Variationen – läuft dann alles nach dem üblichen Fun-Racer-Prinzip ab: Mit der Hilfe von Drifts, Tempoboosts und nicht zuletzt dem Einsatz von Items versucht die eigene Spielfigur, als erste über die Ziellinie zu rasen. Letztere heißen in „Chocobo GP“ Maginite.

Die Wirkung und Optik der Items ist natürlich an die „Final Fantasy“-Spiele angelehnt. So können Gegner eingefroren, mit Flammen und Flutwellen beschossen oder durch Raumportale ans Ende des Fahrerfeldes geschickt werden. Lustig dabei: Der Sensenmann, der mit wiederholtem schnellen Drücken der R-Taste vertrieben werden kann, sonst aber für einen kurzfristigen Fahrstopp sorgt.

Siege sind zu oft Glückssache

Der massive Einsatz der Maginite in den Rennen gegen Computergegner sorgt dabei sehr oft für totales Chaos. Innerhalb weniger Sekunden kann der Letzte der Erste sein – oder umgekehrt. Zu selten hat man den Eindruck, dass die verschiedenen Attribute und Fähigkeiten der Fahrerinnen und Fahrer wirklich einen Einfluss auf den Ausgang eines Rennens haben. Problematisch ist zudem, dass es mehrere Sekunden (lies: zu lange) dauert, bis die Figur nach einem Treffer wieder losfährt. Bedeutet: Für „Chocobo GP“ sollte man ein durchaus hohes Frustpotenzial mitbringen. Paradoxerweise motiviert eben diese Spielmechanik aber auch, schließlich sind eigene Fahrfehler nur in den seltensten Fällen der Grund für ein schlechtes Abschneiden.

Heißt: „Chocobo GP“ könnte gerade in geselliger Runde ein Garant für Spaß und Schadenfreude im heimischen Wohnzimmer sein. Wenn es denn einen Vier-Spieler-Modus gäbe, auf den Square Enix aus nicht nachvollziehbaren Gründen verzichtet hat. Es bleiben also die Online-Duelle sowie der Kampf gegen einen menschlichen Gegner.

Technisch macht das Spiel einen überwiegend positiven Eindruck. Die Steuerung ist präzise, die Menümusik stimmig, die Strecken sind liebevoll gestaltet, und alle Dialoge im Story-Modus wurden mit den englischsprachigen „Final Fantasy“-Originalstimmen synchronisiert. Zudem laufen die Rennen – und das ist bei all den entstehenden Effekten durch die (zu) zahlreich eingesetzten Maginite alles andere als selbstverständlich – absolut flüssig.

Ein Hauch von Erpressung

So ist „Chocobo GP“ eigentlich ein solider Fun-Racer, der gerade Fans von „Final Fantasy“ abholen dürfte, die mal eine kurzweilige Alternative zur „Mario Kart“-Reihe suchen. Zumindest solange man die Mikrotransaktionen ignoriert, die gehörig aufs Gemüt schlagen. Es gibt zahlreiche Charaktere, Klamotten, Karts und Deko-Sticker, die mit drei verschiedenen Währungen (Tickets, Mithril und Gil) bezahlt werden. Durch bloße Fahrkünste lassen sich aber fast nur Tickets erspielen. Zudem werden die Inhalte nur saisonweise angeboten und alle paar Monate von Square Enix ausgetauscht. Bedeutet: Wer alles zur Auswahl haben will, wird geradezu genötigt, möglichst zügig für echtes Geld im Nintendo eShop weitere Mithril und Gil zu kaufen, um auch ja mit allen Charakteren und Fahrzeugen spielen zu können. Das stößt bei einem ohnehin 50 Euro kostenden Spiel sauer auf. Vor allem, da es sich hier um ein Spiel handelt, das eindeutig auf eine minderjährige Zielgruppe abzielt.

>>> INFO: „Chocobo GP“

Chocobo GP von Square Enix ist exklusiv für die Nintendo Switch erschienen. Das Spiel ist von der USK ab sechs Jahren freigegeben worden.

Die Vollversion kostet ca. 50 €. Wer das Spiel antesten will, findet im Nintendo eShop eine kostenlose „Lite“-Demoversion.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Digital

Liebe Nutzerinnen und Nutzer:

Wir mussten unsere Kommentarfunktion im Portal aus technischen Gründen leider abschalten. Mehr zu den Hintergründen erfahren Sie
» HIER