Videospiele

Fußball mal anders: „Mario Strikers: Battle League Football“

| Lesedauer: 4 Minuten
Magische Kugeln wie hier müssen schnell eingesammelt werden. Sie ermöglichen die gefährlichen Hyperschüsse, die – erfolgreich ausgeführt – zwei Tore bringen.

Magische Kugeln wie hier müssen schnell eingesammelt werden. Sie ermöglichen die gefährlichen Hyperschüsse, die – erfolgreich ausgeführt – zwei Tore bringen.

Foto: Nintendo

Essen.  Der populärste Klempner der Welt findet nach 15 Jahren den Weg zurück ins Fußballstadion. „Battle League Football“ leidet an Spielmodi-Armut.

Vielseitig talentiert ist er, dieser Klempner – und schwer beschäftigt noch dazu. Nicht nur, dass Super Mario ständig durch quietschbunte Welten springt und dabei unzählige Gegner verkloppt. Nein, er fährt in regelmäßigen Abständen zusätzlich noch Kart, spielt Tennis, Golf – und nun auch wieder Fußball. 15 Jahre nach dem letzten Teil der „Mario Strikers“-Reihe für die Wii erscheint nun „Battle League Football“ für die Nintendo Switch.

Zunächst gilt es, im Tutorial die Kniffe der Steuerung zu lernen. Wer sich auf normale Pässe, Schüsse und Tacklings beschränkt, wird schnell an seine Erfolgsgrenzen kommen. Doppelpässe, Steilpässe und die „Team Tackles“, bei denen man einen Mitspieler in den ballführenden Kontrahenten reinschubst, sind auf höheren Schwierigkeitsgraden gegen den Computer oder humane Gegner nötig, um zu siegen. Für ein Mario-Spiel funktioniert „Battle League Football“ überdurchschnittlich komplex.

“Mario Strikers“ könnte von einer Fußball-Simulation nicht weiter entfernt sein

Fachkundig sein muss hier aber niemand. Natürlich funktioniert die Torejagd ohne jegliche vom realen Fußball übernommene Regeln. Stattdessen gibt’s das gewohnte Super-Mario-Chaos inklusive Einsatz von Krötenpanzern, Bob-Omb-Bomben, Sternen und Bananenschalen, mit denen man seine Charaktere stärkt oder das gegnerische Team gehörig ärgert.

Ein wichtiges Element ist zudem der Hyperschuss. Ab und an fallen magische Kugeln aufs Spielfeld, die schnellstmöglich eingesammelt werden sollten. Denn sie ermöglichen besondere, aufwendig animierte Abschlüsse, die im Erfolgsfall gleich zwei Tore auf die Anzeigetafel packen. Da schauen dann auch die aus den „Donkey Kong“-Spielen bekannten Krokodile namens Kritter dumm aus der Wäsche. Die stehen wie schon bei den „Mario Strikers“-Vorgängerspielen im Tor, sind als einzige Spieler nicht steuerbar und schwanken in ihren Leistungen extrem. Ein Ärgernis. Harmlose Distanzschüsse zappeln des Öfteren im Netz, 100-prozentige Torchancen, bei denen die Stürmer frei vor dem Kasten stehen, werden hingegen mit hoher Quote abgewehrt – dieses Maß an mangelndem Realismus nervt selbst im Mario-Universum.

Bislang nur zehn wählbare Charaktere aus dem Mario-Universum

Licht und Schatten zeigen sich im Bereich der Charakterauswahl. Lediglich zehn sind wählbar, Nintendo versprach aber bereits, zukünftig kostenfreie Erweiterungen zum Download bereitzustellen. Spielerisch macht die Figurenauswahl große Unterschiede. Mario und sein Bruder Luigi sind grundsolide Alleskönner, Schwergewichte wie Bowser und Wario lassen sich durch Grätschen nicht so leicht vom Ball trennen, an Tempo mangelt es ihnen. Für kleine, flinke Rundballtreter wie den Pilzkopf Toad oder Prinzessin Peach gilt das Gegenteil.

Schwächen können ausgeglichen werden, indem man sich im Spielverlauf Münzen verdient und diese in Ausrüstungsgegenstände investiert, die die Attribute Tempo, Schusskraft, Passen, Technik und Körperkraft verändern.

Zu starker Fokus auf Online-Modi

Schnell konfrontiert einen das Spiel aber mit einem Problem. Münzen lassen sich fast nur im Online-Modus „Strikers Club“ verdienen, für den es die kostenpflichtige „Nintendo Switch Online“-Mitgliedschaft braucht. Hier kann man entweder einem Club beitreten oder selbst einen gründen, um sich mit Teams aus aller Welt zu messen. Das kann lange motivieren und Spaß machen, ebenso wie Spiele mit dem Freundeskreis auf der heimischen Couch. Eigene Turniere können jedoch nicht gestartet werden. Auch der Einzelspieler-Modus, für den es keinen Internetzugang braucht, fällt sehr dünn aus. Es gibt Freundschaftsspiele und Pokale mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen gegen Computergegner – das war’s. Ein klassisches Eigentor in puncto Langzeitmotivation. Oder, um in fußballerischer Metaphorik zu bleiben: Es wäre schön, wenn sich Nintendo zeitnah um einen Transfer von Spielmodi-Erweiterungen bemüht.

Optisch gibt es an „Mario Strikers: Battle League Football“ hingegen nichts auszusetzen. Die Jubel- und Frustanimationen sind wie bei allen Mario-Spielen liebevoll detailliert und regen zum Schmunzeln an, das Bild bleibt auch in den vielen hektischen Situationen stabil und scharf. Insgesamt könnte das Game seit anderthalb Dekaden richtig viel Spaß machen, wären da nicht die fragwürdigen Torhüterleistungen und die Spielmodi-Armut. Die Hoffnung bleibt aber, dass die Hersteller zumindest an letzterem Problem weiterarbeiten und bald Updates bereitstellen.

„Mario Strikers: Battle League Football“ von Nintendo ist exklusiv für Nintendo Switch zum Preis von ca. 60 € erschienen. Die USK hat das Spiel ab sechs Jahren freigegeben.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Digital

Liebe Nutzerinnen und Nutzer:

Wir mussten unsere Kommentarfunktion im Portal aus technischen Gründen leider abschalten. Mehr zu den Hintergründen erfahren Sie
» HIER