Videogames

„Gran Turismo 7“: Eine Liebeserklärung ans Automobil

| Lesedauer: 5 Minuten
Die Modelle in „Gran Turismo 7“ sind grafisch auf höchstem Niveau.

Die Modelle in „Gran Turismo 7“ sind grafisch auf höchstem Niveau.

Foto: Polyphony Digital / Sony Interactive Entertainment

Essen.  Mit „Gran Turismo 7“ will Sony die 25-jährige Erfolgsgeschichte der Rennsport-Simulation fortsetzen. Dem sollte qualitativ nichts im Wege stehen.

Die „Gran Turismo“-Reihe ist eng mit dem Erfolg der Playstation verknüpft. Seit der ersten Generation der Sony-Konsole versucht das Entwicklerteam „Polyphony Digital“ die Messlatte in Sachen realistischer Grafik und Fahrgefühl höher zu schrauben. Doch in den vergangenen Jahren ist es ruhiger um die Rennsimulation geworden. 2013 erschien mit „GT 6“ der bislang letzte Teil der Hauptserie, 2017 wurde mit „GT Sport“ ein hauptsächlich auf Mehrspieler-Rennen ausgelegter Ableger für die Playstation 4 veröffentlicht.

Dementsprechend groß war sowohl die Vorfreude auf als auch die Erwartungshaltung für „GT 7“, das nun für die Playstation 4 und 5 erschienen ist. Veteranen der Serie werden sich schnell heimisch fühlen: Die gewohnte Menüführung mittels einer virtuellen Stadt, in der man mehrere Anlaufstellen für Rennen, Tuning, Gebrauchtautos und Neuwagen findet, ist zurück. Neu ist indes das Café, in dem man Menüs erhält – das sind Listen mit Aufgaben, die man erledigen muss, um neue Bereiche freizuschalten. Meist geht es darum, bestimmte Rennen auf dem Podium zu beenden, um neue Autos zu gewinnen.

„Gran Turismo 7“ überzeugt mit detaillierter Grafik

Fährt man dann das erste Mal los, beeindruckt erst erstmal die grafische Qualität. Vor allem die extrem detaillierten und realistischen Automodelle und die Wettereffekte sind von herausragender Qualität – vor allem auf der Playstation 5. Doch ähnlich wie zuletzt bei „Horizon Forbidden West“ ist es auch hier wieder imposant, wozu Entwickler auch auf der PS 4 in der Lage sind. Verständlicherweise ist die Auflösung geringer, es fehlen einige Effekte und die Ladezeiten sind deutlich länger, aber auch auf der nicht mehr ganz aktuellen Konsolengeneration sieht „GT 7“ hervorragend aus.

Doch hat die Version für die Playstation 5 noch einen weiteren Vorteil: Die Rückmeldung des „Dualsense„- Controllers mittels Vibrationen ist äußerst präzise und informiert den Spieler oder die Spielerin unter anderem über die Beschaffenheit des Bodenbelags. Auch das Überfahren von Fahrbahnbegrenzungen wird sehr gut simuliert. Generell ist das Fahrverhalten ohne jeden Tadel.

Individuelle Steuerung der Autos

Jedes der insgesamt über 400 im Spiel enthaltenen Autos steuert sich anders. Ist einem der Wagen zu langsam, kann man ihn mittels umfangreicher Tuning-Optionen aufbessern. Das Angebot reicht dabei von besseren Bremsen und Reifen über Gewichtsreduktion und Karosserieversteifungen bis hin zu neuen Steuergeräten und Differentialen.

Trotz der ganzen Möglichkeiten verliert sich das Spiel dabei nicht in zu viel klein-klein. Rennspiel-Enthusiasten wird das vielleicht enttäuschen, da PC-Spiele wie „iRacing“, „rFactor“ und „Assetto Corsa Competizione“ noch mehr Wert auf den Simulationsaspekt setzen, aber für das Gros der Spielerinnen und Spieler bietet „GT 7“ einen guten Kompromiss aus Realismus und Einsteigerfreundlichkeit. So fehlt „Gran Turismo“ auch ein ausgeklügeltes Schadensmodell, selbst nach einem Crash bei 240 km/h weist das Auto anschließend nur kleine Gebrauchsspuren auf.

Virtuelle Fotografie bei „Scapes“

Eine besondere Erwähnung ist der „Scapes“-Modus wert: Hier hat Polyphony Digital 2500 Plätze auf der ganzen Welt digitalisieren lassen, in die man nun Autos aus seiner Sammlung einfügen kann. Die Fotos, die man hier kreieren kann, sind teilweise so verblüffend echt, dass man nicht glauben möchte, dass diese komplett virtuell sind. Ähnliches gilt für die Wiederholungen von Rennen, die in den meisten Fällen TV-Niveau erreichen.

Doch es gibt auch einige kleine Kratzer im ansonsten nahezu fast makellosen virtuellen Lack: Die Tatsache, dass jedes Rennen im Karrieremodus einen fliegenden Start hat und man jedes Mal als letzter losfährt, bedeutet, dass man stets gezwungen ist, einen zum Teil recht deutlichen Rückstand aufzuholen. Man kann mit ausreichendem Tuning dafür sorgen, dass man erheblich schneller ist als die Konkurrenz, aber Positionskämpfe mit gleich schnellen Autos gibt es leider selten.

Mikrotransaktionen nerven

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt betrifft die ansonsten so gelungene Präsentation: Die grafische Opulenz der Fahrzeuge und Rennstrecken ist unbestreitbar, jedoch wirkt das Geschehen abseits der Rennstrecke teils ein wenig steril. So sind Publikum und Gebäude nicht sonderlich hübsch anzuschauen – zum Glück hat man dafür während eines Rennens aber meist ohnehin keine Zeit. Und dass das Spiel die Möglichkeit, mittels echtem Geld die virtuelle Spielwährung zu kaufen, sehr prominent platziert, ist ebenfalls nervig. Zum Glück kann man genügend Währung erspielen, ohne direkt seine Kreditkarte zücken zu müssen.

Alles in allem setzt „GT 7“ die 25-jährige Erfolgsgeschichte der Reihe würdig fort. Und mit den knapp 80 Euro, den die PS5-Version kostet, ist es immerhin auch noch günstiger als eine Tankfüllung.

>>> Infos zum Spiel

„Gran Turismo 7“ wurde von Polyphony Digital entwickelt und wird von Sony vertrieben.

Der Titel ist erhältlich für die Playstation 4 und 5. Je nach Version liegt der Preis zwischen 70 und 100 Euro.

Die USK-Freigabe lautet: ab 0 Jahren.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Digital

Liebe Nutzerinnen und Nutzer:

Wir mussten unsere Kommentarfunktion im Portal aus technischen Gründen leider abschalten. Mehr zu den Hintergründen erfahren Sie
» HIER