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„Lied vom Tod“: Ein Podcast über das Grauen in der Musik

| Lesedauer: 5 Minuten
Legendäre Soulsängerin: Amy Winehouse wurde zu einem Weltstar – aber nur 27 Jahre alt. Ihre Geschichte erzählt Joy Denalane.

Legendäre Soulsängerin: Amy Winehouse wurde zu einem Weltstar – aber nur 27 Jahre alt. Ihre Geschichte erzählt Joy Denalane.

Foto: Universal Music

Essen.  Prominente erzählen im Podcast „Lied vom Tod“ dunkle Geschichten aus der Musikwelt. Dabei sind unter anderem Joy Denalane und Fettes Brot.

Das Attentat auf John Lennon, der Suizid von Kurt Cobain, die ebenfalls tödliche Auseinandersetzung zwischen 2Pac und The Notorious B.I.G. – von diesen grausamen Ereignissen rund um die Größen der Musikgeschichte hat wohl jeder Notiz genommen. Doch es gibt noch viele weitere Geschichten über die Schattenseiten des Geschäfts. Mit diesen befasst sich nun das Fachmagazin „Musikexpress“ in seinem Podcast „Lied vom Tod“.

Um die Geschichten über „Sex, Drugs, Rock’n’Roll und deren Folgen“, wie es die Zeitschrift nennt, möglichst lebendig zu erzählen, wurden prominente Persönlichkeiten aus der Show- und Musikbranche eingeladen. Den Anfang machte Wilson Gonzalez Ochsenknecht, der die Hörerinnen und Hörer auf eine Reise in das Norwegen der 90er-Jahre mitnimmt. Emperor, Darkthrone, Satyricon und Mayhem waren die Antreiber der heimischen Black-Metal-Szene. Ein Genre, das brutal verzerrte Tremolo-Gitarren, hohes Tempo und kehligen Schreigesang kombiniert – und deren Protagonisten meist eine ausgeprägte Abneigung gegen das Christentum eint(e).

Black Metal: Die erste „Lied vom Tod“-Folge befasst sich mit den Tumulten in Norwegen

Warum fiel die Wahl des Erzählers dann ausgerechnet auf den ältesten Spross von Natascha und Uwe Ochsenknecht? 2018 veröffentlichte Regisseur Jonas Åkerlund seine Buch-Verfilmung „Lords Of Chaos“, die sich der Geschichte der Szene und vor allem Mayhems widmet. Wilson Gonzalez spielt in dem Streifen eine nicht ganz unwichtige Rolle: „Eines Tages lag ein Buch bei mir auf dem Tisch mit einer Anfrage des Regisseurs. Ich hatte dann 24 Stunden Zeit, um ein Casting-Tape zu produzieren“, erinnert sich der 31-Jährige.

Mit der zuerst angepeilten Rolle des frühen Mayhem-Frontmanns Per Yngve „Dead“ Ohlin wurde es jedoch nichts. Ochsenknecht schlüpfte stattdessen in den Charakter von Snorre W. Ruch, der Mayhem-Bassist Kristian „Varg“ Vikernes am 10. August 1993 zum Apartment von Gitarrist Øystein „Euronymous“ Aarseth chauffiert – damit Vikernes diesen dort mit 23 Messerstichen tötet. Warum die Verhältnisse innerhalb der Band derart eskaliert sind und in den Monaten und Jahren zuvor auch zahlreiche Kirchen in Norwegen angezündet wurden, erklärt Ochsenknecht im Gespräch mit Moderator Heiko Behr.

Idil Baydar spricht über Schlager

Zwei Jahre älter als Aarseth, nämlich 27, wurde Amy Winehouse, die am 23. Juli 2011 einer Alkoholvergiftung erlag. Die nicht minder tragische Geschichte um die vielleicht größte weibliche Stimme des 21. Jahrhunderts erzählt Soulsängerin Joy Denalane in Folge zwei. Zwischendurch spricht die 48-Jährige auch über ihre Songwriting-Prozesse und wie ihre zunehmende Berühmtheit diese beeinflusst hat.

Kleid von Amy Winehouse für 243.000 Dollar versteigert
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Ein Muster, dass sich auch in den drei weiteren bislang veröffentlichten Episoden fortsetzt. Historische Berichte mischen sich in „Lied vom Tod“ mit persönlichen Einschüben der Gäste über sich, ihre Kunst und ihre Einflüsse. So gewann Behr für die dritte Folge über Karlheinz Gross, den 1998 plötzlich verstorbenen Manager der Kastelruther Spatzen, Comedian Idil Baydar. „Ich habe sie eingeladen, weil Schlager so etwas Urdeutsches ist und ich jemanden wollte, der über das Typische hinausguckt“, sagt Behr.

So klärt Baydar, bekannt vor allem für ihre Bühnenrolle „Jilet Ayse“, über die Unterschiede zwischen deutschem und türkischem Schlager auf. Letzterer ist „total dramatisch, totales Leid, absoluter Untergang, dann ein bisschen Hoffnung, die aber wieder sofort zerstört wird. Das war für mich immer schlimm anzuhören, weil die nur geheult haben in den Songs.“ Wie wir wissen, ein klarer Gegensatz zum deutschen Äquivalent. Egal, ob klassischer Schlager von Udo Jürgens, tanzbare Stimmungssongs von Helene Fischer – oder eben die volkstümliche Variante der Spatzen aus Südtirol.

Phil Spector – ein geisteskrankes Genie

Stellvertretend für all die Promis, die zwischen Genie und Wahnsinn taumeln, wählte Heiko Behr für Folge vier Phil Spector aus. Der frühere Produzent legendärer Bands wie den Beatles oder den Ramones hatte nicht nur ständig seine Finger am Mischpult, sondern auch an Schusswaffen, mit denen er Ehefrauen wie Affären bedrohte. Erzählt wird die Geschichte Spectors, die im vergangenen Januar mit seinem Tod im Gefängnis endete,von Deichkind-Mitglied Philipp Grütering. Vom Hamburger erfahren Hörerinnen und Hörer zudem, welche seltsamen Allüren Rapperin Nicki Minaj gerne mal bei Festivalauftritten im Backstage zeigt.

Was Minaj heute ist, waren Run DMC in den 80er-Jahren: absolute Hip-Hop-Superstars. Die Geschichte um das Trio („It’s Like That“) erzählt ein anderes, zumindest hierzulande populäres Dreiergespann. Fettes Brot geben darüber hinaus Einblicke, inwiefern die Gruppe um den 2002 ermordeten Jam Master Jay sie auf ihrem künstlerischen Werdegang beeinflusst hat. Nur so viel vorneweg: Vom Kleidungsstil der Legenden aus Queens in New York haben sich Dokter Renz, Björn Beton und König Boris eher wenig abgeschaut ...

Alle Folgen von „Lied vom Tod“ finden Interessierte auf musikexpress.de/podcast. Neue Episoden erscheinen in unregelmäßigen Abständen.

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