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Mut zur Änderung: Was „Pokémon-Legenden: Arceus“ ausmacht

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In „Pokémon-Legenden: Arceus“ kann man auf manchen Arten reiten, zum Beispiel hier auf Damythir.

In „Pokémon-Legenden: Arceus“ kann man auf manchen Arten reiten, zum Beispiel hier auf Damythir.

Foto: Nintendo

Essen.  Im neuesten Teil der Pokémon-Videospielserie ist vieles anders. „Legenden: Arceus“ verzichtet fast völlig auf Kämpfe gegen fremde Trainer.

Langsam, aber sicher dürften sich die ersten Pokémon-Fans fragen, wo sie die Freizeit für all die Spiele hernehmen sollen, die aktuell auf den Markt kommen. Innerhalb von zehn Monaten veröffentlichte Nintendo die Foto-Safari „New Pokémon Snap“, die klassisch veranlagten Rollenspiel-Abenteuer „Strahlender Diamant“ und „Leuchtende Perle“ – und jetzt erscheint erneut Futter für die Switch.

Bei „Pokémon-Legenden: Arceus“ trauen sich die Entwickler von Game Freak nun an ein neues Spielprinzip. Ja, immer noch muss die Figur möglichst viele der manchmal sehr kleinen, manchmal auch riesigen Monster sammeln, fangen und trainieren. Doch das bekannte Prinzip, wonach man zahlreiche andere Trainer besiegen muss, um sich Champ der Pokémon-Liga nennen zu dürfen, wurde hier komplett geändert.

In „Legenden: Arceus“ haben die Menschen Angst vor Pokémon

Wie schon in „Strahlender Diamant“ und „Leuchtende Perle“ spielt die Handlung in der Sinnoh-Region, allerdings in der weit entfernten Vergangenheit. In dieser waren Menschen und Pokémon noch nicht die besten Freunde, ganz im Gegenteil: Die furchtlose Spielfigur erhält den Auftrag, die verschiedenen Arten aufzuspüren und Informationen über sie zu sammeln. Schließlich haben die Bewohner Sinnohs überwiegend Angst vor den Wesen.

Und das mit Recht, wie sich schon kurz nach der Eröffnungssequenz zeigt. Die größte Neuerung von „Arceus“ gegenüber früheren Teilen ist, dass manche Pokémon-Arten die in der offenen Welt herumlaufenden Spielfigur angreifen. Wer zu oft getroffen wird, dem wird schwarz vor Augen, was mit dem Verlust von Items einhergeht.

Pokémon attackieren die Spielfigur

Je nach Situation bleiben verschiedene Möglichkeiten. Wegrennen ist möglich, jedoch kommt man im Spiel so nicht voran. Da ist es schon sinnvoller, ein zuvor gefangenes Pokémon in den Kampf zu schicken. Dieser läuft mit dem rundenbasierten Attackensystem so ab, wie man es als Fan traditionell gewohnt ist. Wasser-Attacken sind stark gegen Feuer-Pokémon, Feuer-Attacken wiederum sehr effektiv gegen Eis-Pokémon und so weiter – wie es die Natur eben vorgibt. Geschwächte gegnerische Pokémon können (und sollten) dann auch gefangen werden, mit Pokébällen, die man mithilfe unterwegs eingesammelter Materialien nun auch selbst produzieren kann.

Im Spielverlauf trifft die Figur zudem auf „Könige“ und „Königinnen“. Diese seltenen Pokémon sind durch ein unbekanntes Ereignis in Rage verfallen und greifen die Spielfigur bei Sichtkontakt an. Bevor sie attackiert und gefangen können, müssen sie mit Essen – sogenannten „Ruhegaben“ – beworfen werden, Spielerinnen und Spieler haben zudem durch gut getimtes Drücken des Y-Knopfs auszuweichen. Da kommt schon Pokémon-untypisches Action-Abenteuer-Gefühl auf.

Aufgaben ähneln sich

Um im Spiel voranzukommen, sammelt man allerdings vor allem normale und häufig vorkommende Arten. Zu jeder Art gibt es verschiedene Aufgaben der Güteklasse „Muss x mal gefangen werden“, „Hat Attacke x im Kampf eingesetzt“ oder „Wurde beim Schlafen gefangen“. Wer dies schafft, steigt im Forscherrang und darf weitere Gebiete betreten. Trainerkämpfe sind hingegen selten geworden. Ob einem das Spielprinzip zusagt, muss man selbst herausfinden. Was den einen über 100 Stunden hoch motiviert, kann für den anderen schnell langweilig werden.

Objektiv enttäuscht allerdings die grafische Gestaltung. Die Landschaften wirken für sich betrachtet auf den ersten Blick zwar abwechslungsreich, sind aber leider nur detailarm ausgestattet und mit matschigen Texturen versehen. Hingegen gefällt die stimmungsvolle, auf alle Orte perfekt angepasste Musik. Insgesamt bleibt das Gefühl zurück, dass „Legenden: Arceus“ noch einiges an Potenzial liegen lässt. Den Mut zur Innovation muss man Nintendo und Game Freak fast genau 25 Jahre nach dem Erscheinen der ersten Pokémon-Editionen „Grün“ und „Rot“ in Japan aber zugestehen.

>>> Infos zum Spiel

Das Spiel „Pokémon-Legenden: Arceus“ von Game Freak ist exklusiv für die Nintendo Switch zum Preis von ca. 60 € erhältlich, im Handel oder per Download im Nintendo eShop.

Die USK hat „Pokémon-Legenden: Arceus“ ab zwölf Jahren freigegeben.

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