Soziale Netzwerke

Wie Social Media die Psyche beeinflusst

Ein Handy mit geöffneter Instagram-App: Pro Stunde werden allein auf der dieser Plattform rund 10 Millionen neue Bilder hochgeladen.Die ständige Konfrontation mit scheinbar perfekten Körpern setzt Jugendliche unter Druck.

Ein Handy mit geöffneter Instagram-App: Pro Stunde werden allein auf der dieser Plattform rund 10 Millionen neue Bilder hochgeladen.Die ständige Konfrontation mit scheinbar perfekten Körpern setzt Jugendliche unter Druck.

Foto: Sandra Wahle

Brilon.  Soziale Netzwerke, wie Instagram und Twitter bringen uns dazu, uns mit anderen zu vergleichen. Eine britische Studie zeigt die Folgen.

Oft machen die Bilder sprachlos. Auf der linken Seite ein durchschnittlicher Körper, auf der rechten einer, der durchtrainiert ist bis in die letzte Muskelfaser. „Respekt“, „Du siehst toll aus“, „Wahnsinn, was du geschafft hast“ – das ist der übliche Ton in den Kommentaren.

Die zwei Fotos, geknipst von ein und derselben Person im Abstand von mehreren Wochen und versehen mit dutzenden Hashtags, erhalten mehrere Tausend Likes auf Instagram. In dem sozialen Netzwerk sind solche Bilder Normalität.

Körperideale und die Realität

Es sind nicht mehr nur die Stars, sondern scheinbar ganz „normale“ Jungs und Mädels, die ihre Figur in Szene setzen, die Muskeln spielen lassen. Die Zahl der Follower, Likes und Kommentare dienen als Gradmesser der Anerkennung.

Oft machen die Bilder sprachlos, weil sie zeigen, was mit viel Disziplin möglich ist. Aber vor allem, weil sie ein Körperideal vermitteln, das an der Realität vorbeigeht. Betroffen ist vor allem die Gruppe, die in den sozialen Medien am häufigsten unterwegs ist: Jugendliche und junge Erwachsene. Also gerade Menschen, die sich in einer Zeit der psychosozialen und emotionalen Entwicklung befinden.

Britische Studie zu Auswirkungen

Klar ist: Es gibt viele Gründe, Sport zu machen. Er verbessert unsere Fitness, steigert das Selbstbewusstsein und hält uns in Verbindung mit ausgewogener Ernährung gesund. Sich dabei an den Erfolgen anderer zu orientieren, kann hilfreich sein und motivieren. Doch in den sozialen Netzwerken kann genau das auch nach hinten losgehen.

Britische Forscher der Royal Society of Public Health haben sich in ihrer Studie „#StatusofMind“ mit den Auswirkungen von Social Media auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen beschäftigt. Besonders alarmierend: Jugendliche, die mehr als zwei Stunden pro Tag auf Facebook, Twitter oder Instagram online sind, weisen häufiger Symptome von Depressionen auf.

Wahrnehmung des eigenen Körpers

Das eigene, scheinbar unspektakuläre Leben mit oft bearbeiteten und gestellten Bildern anderer abzugleichen, kann laut der Forscher vom Vergleichen zum Verzweifeln führen. Der Druck, den Erwartungen des Netzwerks gerecht zu werden wirke sich negativ auf das Selbstwertgefühl aus. Gerade die Wahrnehmung des eigenen Körpers leide häufig unter einer starken Nutzung der Netzwerke.

Die Diskussion um Schönheitsideale ist nicht neu: Auch die Medien, die Werbe- und die Modebranche wurden schon häufig kritisiert, weil sie zum Teil unrealistische Schönheitsideale vermitteln. In Frankreich hat die Debatte Wirkung gezeigt.

Dort müssen Models ihre Gesundheit seit dem letzten Jahr erst von einem Arzt bestätigen lassen. Damit soll vor allem verhindert werden, dass Magersucht auf den Laufstegen als normal dargestellt wird. Erst Arzt, dann Laufsteg.

Ja zu Schönheitsoperationen

Was heute neu ist, ist die ständige Konfrontation mit scheinbar makellosen Körpern. Zehn Millionen Bilder, die pro Stunde auf Instagram hochgeladen werden, sind ein unerschöpfliches Potential für Dauervergleiche. Die Forscher fanden dahingehend einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Social Media und der Zufriedenheit mit dem eigenen Körper.

Junge Mädchen und Frauen Anfang 20, die oft online sind, äußerten eine höhere Unzufriedenheit mit ihrem Körper als solche, die kaum oder gar nicht online sind. Mit der Nutzungsintensität wächst laut Studie zudem der Wunsch, Äußerlichkeiten wie Gesicht, Haut oder Haare verändern zu lassen. 70 Prozent der befragten Mädchen zwischen 18 und 24 würden sich dafür einer Schönheitsoperation unterziehen.

Positive Seiten

Positiv hebt die Studie hervor, dass Jugendliche online häufiger mit Gesundheitsthemen in Berührung kommen und sich folglich mehr mit ihrer eigenen Gesundheit beschäftigen. Gerade aufgrund der Risiken, die die Nutzung der sozialen Netzwerke mit sich bringt, sei die Chance für Gesundheitsdienste groß, Jugendliche online zu erreichen und sie dort in gesundheitlichen Belangen aufzuklären.

Auch Freundschaften können online entstehen oder gefestigt werden: Sieben von zehn Jugendlichen gaben an, in den sozialen Netzwerken in schwierigen Zeiten Unterstützung zu erhalten. Durch Gruppen oder Seiten könnten sie sich mit Gleichgesinnten und Gleichaltrigen austauschen und so trotz geografischer Entfernung ein Gefühl von Gemeinschaft herstellen.

Gegenbewegung #bodylove

Wie im wirklichen Leben, hat auch im Netz jede Bewegung ihre Gegner. Unter #bodylove versammeln sich vorwiegend weibliche Nutzer, die ihren Körper so zeigen, wie er ist. Mit dem ein oder anderen Gramm mehr, Narben, Dehnungsstreifen – für ihre Begriffe und im Verständnis Vieler also „normal“. Den Gedanken, den sie vermitteln: Den Körper so lieben, wie er ist.

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