Videospiele

„WWE 2K22“: Virtuelle Showkämpfe auf gutem Niveau

| Lesedauer: 5 Minuten
Zwei absolute Superstars auf der Leinwand und (früher) im Ring: Natürlich können The Rock und John Cena bei „WWE 2K22“ ausgewählt werden.

Zwei absolute Superstars auf der Leinwand und (früher) im Ring: Natürlich können The Rock und John Cena bei „WWE 2K22“ ausgewählt werden.

Foto: 2K / Take-Two Interactive Software

Essen.  „WWE 2K22“ lässt die Erinnerungen an den desaströsen Vorgänger weitgehend verblassen. Das Wrestling-Spiel überzeugt vor allem durch Modi-Vielfalt.

Botch – so nennt man im Wrestling-Fachjargon eine völlig misslungene Aktion. Leider erwies sich die vergangene Videospiel-Umsetzung des Showkampfsports als ziemlich heftiger Botch. „WWE 2K20“ von Entwickler Visual Concepts war wegen unzähliger Programmierungsfehler nahezu unspielbar. Nach harscher Fankritik nahm sich das Studio fast zwei Jahre Zeit, um einen funktionierenden Nachfolger zu produzieren.

Nun ist „WWE 2K22“ auf dem Markt und beglückt Freunde des gepflegten Catchens mit mehr als 200 aktuellen und ehemaligen Wrestlerinnen und Wrestlern aus dem Kader der Liga WWE (World Wrestling Entertainment). Sie stehen entweder direkt zu Spielbeginn zur Verfügung oder können freigespielt werden. Letzteres geschieht vor allem im „Showcase“-Modus, in dem man die wichtigsten Momente in der Karriere des Mexikaners Rey Mysterio durchlebt. Für Stimmung sorgt dabei der Wechsel aus virtueller Action und Original-Fernsehsequenzen aus dem WWE-Archiv.

„WWE 2K22“-Sonderedition mit der „New World Order“ erhältlich

Nostalgiker sollten vielleicht etwas tiefer in die Tasche greifen: Für 120 € gibt es die „nWo 4-Life Edition“ mit weiteren Accessoires aus der großen Ära der legendären Gruppierung um Hulk Hogan, Kevin Nash und dem leider jüngst verstorbenen Scott Hall. Weitere Kader-Update-Pakete sollen folgen.

Das Game punktet darüber hinaus mit seiner Modivielfalt. Normale Eins-gegen-Eins- oder Tag-Team-Matches, Kämpfe mit Leitern, Tischen und Stühlen oder der große „Royal Rumble“, bei denen sich die Figur gegen 29 Kontrahenten durchsetzen muss – alle gängigen aus dem WWE-Programm bekannten Matcharten sind dabei. Darüber hinaus kann eine eigene Karriere, solo wie als Gruppierung, gestartet werden. Der „My GM“-Modus wirft einen hingegen direkt in die Rolle eines Managers, der möglichst lukrative Shows konzipieren muss. Letzterer macht als „Spiel im Spiel“ kurzweilig Spaß, lässt aber auch Potenzial ungenutzt. Denn nahezu ausnahmslos Matches, in dem kleinere Athleten auf riesige Muskelpakete treffen, holen das Publikum so richtig ab – die Realität sieht im Regelfall ganz anders aus.

Anfänger sind schnell drin im Spiel

Intuitiv kommt die Steuerung daher. Eine Taste gibt’s für simple, eine für härtere Schläge, eine zum Greifen der Kontrahenten. Mit den Schultertasten der jeweiligen Controller kombiniert lassen sich nach kurzer Eingewöhnungsphase schnell mächtige Aktionen ins Ziel bringen, für Konter muss eine Taste wie gewohnt innerhalb eines sehr kurzen Zeitfensters gedrückt werden. Timing ist, wie im echten Seilgeviert, von großer Bedeutung.

Lediglich bei Matches mit besonderen Regeln hakt es ein wenig. Um Gegner mit Gegenständen zu verdreschen oder eine Leiter hochzuklettern zu können, muss die Spielfigur schon sehr (lies: zu) exakt vor das jeweilige Objekt gestellt werden – das nimmt manchmal leider die Dynamik raus, die solchen Aufeinandertreffen in der Wirklichkeit innewohnt.

Gute, aber nicht sehr gute Optik

Die Optik betreffend lässt sich ein ähnliches Fazit ziehen: Die Superstars sehen im Vergleich zum Vorgänger überwiegend gut, aber nicht sehr gut aus. Insbesondere Gesichtszügen, Nasen und Haaren fehlt es oft an Detailverliebtheit, was einigen Fans sauer aufstoßen wird. Ob sich Dwayne „The Rock“ Johnson schon bei den Entwicklern über seine doch sehr platten Riechkolben beschwert hat? Insgesamt macht „WWE 2K22“ aber klar mehr richtig als falsch und sollte die Anhängerschaft zufriedenstellen.

Keine außergewöhnlichen Next-Gen-Inhalte

Durch die zweijährige Pause der WWE-Reihe ist WWE 2K22 das Debüt auf der neuen Konsolengeneration (Playstation 5 und Xbox Series S/X). Im Gegensatz zu Fifa 22 und NBA 2K22, bei denen viele neue Funktionen nicht für Playstation 4 bzw. Xbox One verfügbar sind, hat der Wrestling-Titel keine Next-Gen-exklusiven Verbesserungen.

Das soll jedoch nicht heißen, dass sich der Titel genauso spielt. Die Grafik macht noch einen Sprung, die Charaktermodelle sind beispielsweise detaillierter und die Lichteffekte noch eindrucksvoller. Nur bei langen Haaren schwächelt das Spiel immer noch, unabhängig von der Konsolengeneration. Dafür sind die Ladezeiten geringer, hier macht sich der schnelle Speicher von PS5 und Series S/X bemerkbar. Positiv ist auch, dass selbst erstellte Charaktere über Plattform-Grenzen hinweg geteilt werden können. Das sogenannte „Cross-Gen-Bundle“, das sowohl die Versionen für die neue als auch die vorherige Konsolengeneration beinhaltet, kostet zehn Euro Aufpreis.

>>> INFO: „WWE 2K22“

„WWE 2K22“ von Visual Concepts und 2K Games ist für PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox Series, Xbox One und Windows-PC erschienen.

Das Spiel kostet je nach Plattform und Edition zwischen ca. 70 und 120 €. USK: 16.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Digital

Liebe Nutzerinnen und Nutzer:

Wir mussten unsere Kommentarfunktion im Portal aus technischen Gründen leider abschalten. Mehr zu den Hintergründen erfahren Sie
» HIER