Auslandsaufenthalt

Freiwilligendienst: Wie bereite ich mich auf die Reise vor?

Alexandra Mackels unterwegs in Afrika.

Alexandra Mackels unterwegs in Afrika.

Foto: Privat

Berlin  Immer mehr Berufstätige zieht es für einen Auslandsaufenthalt und soziales Engagement in die Ferne. Worauf man dabei achten sollte.

„Mir ging es eigentlich sehr gut in meinem Job, obgleich ich sehr viel gearbeitet habe“, erzählt Alexandra Mackels. „Ich verdiente gut, unternahm viel, aber irgendwie fehlte etwas – vielleicht der Sinn hinter dieser Schufterei.“ Für Mackels wurde immer klarer: Sie wollte eine Auszeit nehmen, um Zeit zu bekommen für eine Neuorientierung.

Doch „nur“ reisen wollte Mackels in ihrem Sabbatical nicht, sondern sich zeitweise sozial engagieren. Im Frühjahr und Sommer 2016 hatte sie bereits ehrenamtlich in Flüchtlingscamps in Frankreich und Griechenland gearbeitet. „In meinem Sabbatical wollte ich nochmal länger nach Subsahara-Afrika“, so Mackels, „hatte aber auch geplant, eventuell Südamerika und Ozeanien zu bereisen.“ Die Auszeit sollte ein Jahr dauern. „Jetzt hänge ich schon fast drei Jahre in Afrika fest“, sagt Mackels und strahlt.

Immer mehr Berufstätige zieht es in die Ferne


Nicht mehr nur junge Menschen nach dem Schulabschluss oder während der Semesterferien nutzen ihre freie Zeit für Auslandsaufenthalte und soziales Engagement. Immer mehr Berufstätige wie Mackels zieht es in die Ferne. Die Nachfrage ist fast so groß wie die Auswahl an Organisationen und Projekten.

Hier das Richtige zu finden, ist oft schwer. Das weiß auch die Kinderärztin Christa Kitz. Die Würzburgerin, die selbst acht Jahre in der Entwicklungs- und humanitären Hilfe in Afrika und Südostasien gearbeitet hat, empfiehlt, sich die Organisationen hinsichtlich Betreuung und Sicherheit genau anzuschauen.

„Mit Blick auf die Vorbereitung der Volunteers, Rescue-Management und psychologische Begleitung sind manche Organisationen schon ganz gut aufgestellt“, sagt Kitz, die auch für die Akademie des Deutschen Centrums für Reisemedizin im Einsatz ist. Bei vielen der hundertfachen Angebote, die es im Internet gibt, sei das aber noch nicht ausreichend. Eine gewissenhafte Auswahl und umfassende Vorbereitung sei essenziell. Man dürfe nicht den Fehler machen, „die Charity-Travel-Auszeit mit einem langen Urlaub zu vergleichen“.

Wer international unterwegs ist, ist ein Risiko-Reisender

Untersuchungen des Deutschen Entwicklungsdienstes zeigen: Jeder Entwicklungshelfer ist im Schnitt alle drei Jahre einem potenziell belastenden Ereignis ausgesetzt. An erster Stelle stehen dabei Verkehrsunfälle und Krankheiten, aber auch Einbrüche, Überfälle oder körperliche Bedrohungen. „Wer im Freiwilligendienst international unterwegs ist, ist ein Risiko-Reisender“, betont Kitz.

Mehr zum Freiwilligendienst: Familienministerin Giffey für Ausbau

Bevor es losgeht, sei neben dem Austausch mit Helfern, die schon einmal vor Ort waren, und einer Auseinandersetzung mit der Kultur des jeweiligen Landes auch ein Gesundheitscheck wichtig, so die Expertin. „Jede Region hat eigene gesundheitliche Risiken und auch Regeln beispielsweise hinsichtlich der Lebensmittelhygiene, die eingehalten werden müssen“, so Kitz. Sie rät daher unbedingt zu einem Besuch beim Tropen-, Reise- oder Arbeitsmediziner.

Ein Armband mit Name, Blutgruppe, Telefonnummern

So machte es auch Mackels. Sie informierte sich beim Tropeninstitut, las Weltreiseartikel und Afrika-Blogs, trat Facebookgruppen bei und bekam dort viele Tipps. Von einer Fachärztin erhielt sie unter anderem Gelbfieberimpfung und Malaria-Prophylaxe-Medikamente samt Einnahmehinweisen. „Von meinen Geschwistern bekam ich außerdem eine sogenannte RoadID geschenkt – ein Armband mit meinen Namen, meiner Blutgruppe und den Telefonnummern meiner Geschwister“, erzählt Mackels, „für den Fall, dass ich bewusstlos werde und niemand weiß, wer ich bin oder wer benachrichtigt werden kann.“

Außerdem habe sie immer eine gut ausgestattete Reiseapotheke samt Breitbandantibiotikum dabei. Und sie hat eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Diese Police sei zwingend erforderlich, betont Ärztin Kitz. Teilweise seien Volunteers zwar auch über die Organisation versichert, in diesem Fall rät Kitz aber zur Prüfung der Versicherungsklauseln.

Mit der gesundheitlichen Vorbereitung oft allein


„Es kann durchaus sein, dass gesagt wird, irgendwo im Butan-Staat oder aus dem Kongo beispielsweise holen wir sie nicht raus“, erklärt Kitz. Sie rät außerdem sich vor Abreise gut über das Thema HIV zu informieren und den Serostatus durch einen HIV-Test gegebenenfalls zu dokumentieren. „Nur so kann man im Fall der Fälle eine Infektion später als Berufskrankheit anerkannt bekommen.“

Die Ärztin kritisiert, dass Charity-Traveller mit der optimalen gesundheitlichen Vorbereitung oft alleingelassen würden und nicht sichergestellt sei, dass diese alle nötigen Impfungen und vorbeugenden Medikamente erhielten. Die vermittelnden Organisationen müssten aus Kitz’ Sicht hier mehr Verantwortung übernehmen. Um die Seriosität und Professionalität einer Organisation besser abschätzen zu können, rät Kitz, die Mitarbeiter nach deren HIV-Policy oder dem Krankheits- und Notfallmanagement zu fragen. Gäbe es hier keine Strukturen, wäre sie vorsichtig.

Irgendwann erwischte sie die Malaria


Mackels landete mehr oder weniger durch Zufall in Malawi bei der Wildlife Action Group (WAG), die in einem kleinen Waldreservat gegen Abholzung und Wilderei kämpft. „Es handelt sich um eine kleine lokale Organisation, die zu 100 Prozent auf Spenden angewiesen und für jede helfende Hand dankbar ist“, erklärt Mackels. „Ich bin zu ihnen in den Busch gezogen – in eine Lehmhütte ohne fließendes Wasser oder Strom.“ Gekocht wurde auf offenem Feuer.

Eigentlich wollte sie nur etwa drei Wochen bleiben, aber dann habe es ihr so gut gefallen, dass sie einfach länger blieb. „Bei WAG konnte ich mit meinem Organisationstalent und meinen Büro-, Budget- und Marketing-Skills einen wirklichen Beitrag leisten“, so Mackels.

Lebensbedrohlich krank wurde sie in ihrer Zeit in Afrika bislang nicht. „Irgendwann hat mich die Malaria aber doch erwischt“, erzählt Mackels. Schließlich könne man die Prophylaxe-Medikamente nicht permanent nehmen. „Da ich mitten im Busch war, mich aber bei den erfahrenen Mitarbeitern in sehr guten Händen gefühlt habe, bin ich tatsächlich nicht bei einem Arzt gewesen.“ Außerdem habe WAG vor Ort Malaria-Schnelltests gehabt und alle nötigen Medikamente. „Ich bin ganz froh, dass alles ohne einen Besuch in der Dorfklinik geklappt hat“, sagt Mackels.

Viele Reisende mit falscher Erwartungshaltung

Erfahrungen wie diese haben Mackels nie an ihrer Entscheidung zweifeln lassen. „Ich bin anspruchslos, nicht schnell zu schocken, sorge mich nicht übermäßig und vertraue darauf, dass es eine Lösung vor Ort in dem Moment gibt“, sagt sie. Aber nicht jeder sei so gestrickt. „Alles in allem glaube ich aber, dass es eine Bereicherung für jeden einzelnen Menschen wäre, seine Komfortzonen zu verlassen und bei einem Freiwilligendienst auch andere Sitten und Länder kennenzulernen.“

Kitz ist da deutlich kritischer. „Beim Freiwilligendienst findet man nicht die Lösung, die man zu Hause auch nicht gefunden hat“, so die Ärztin. Außerdem sei jemand, der nur einen kurzen Einsatz von ein paar Wochen oder Monaten plane, prinzipiell eher eine Be- und keine Entlastung für ein Projekt. „Hier haben viele Charity-Traveller eine falsche Vorstellung und Erwartungshaltung.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben