Naturgewalt

Gewitter: Wie man bei Blitz und Donner in Sicherheit bleibt

Ist es im Auto bei Gewitter sicher? Darf ich noch schnell auf dem Fahrrad nach Hause fahren? Und werde ich mit Handy in der Hand eher vom Blitz getroffen? Wir klären die wichtigsten Fragen.

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Berlin.  Wer während eines Gewitters in Sicherheit bleiben will, sollte zum Beispiel die 30-30-Regel kennen. Wir erklären, was man wissen muss.

Rund 700.000 Blitze registriert der Wetterdienst pro Jahr in Deutschland. Bei einem Blitz fließt kurzzeitig eine Stromstärke von bis zu 500.000 Ampere. Die Luft im Blitzkanal erhitzt sich innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde auf bis zu 30.000 Grad Celsius. Dadurch dehnt sie sich explosionsartig aus. Eine akustische Schockwelle breitet sich kugelförmig aus: Es donnert.

Weil sich der Blitz mit 300.000 Kilometern pro Sekunde fortbewegt und der Klang des Donners mit 330 Metern pro Sekunde, sieht man den Blitz meist viel eher, als dass man den Donner hört. Eine Faustregel: Zählt man die Sekunden zwischen einem Blitz und dem dazugehörigen Donner und teilt sie durch drei, ist das grob die Entfernung des Blitzeinschlages in Kilometern.

Die 30-30-Regel – „sie ist bei einem Gewitter für die eigene Sicherheit sehr wichtig“, sagt der Rostocker Gewitterforscher und Rechtsmediziner Fred Zack. Er analysiert seit Jahren an der Universität der Hansestadt, auf welche Art und Weise Blitze Menschen schädigen. Er sagt: „Zählt man weniger als 30 Sekunden zwischen Blitz und dazugehörigem Donner, sollte man Schutz suchen.“ Denn dann sei das Zentrum des Gewitters nur noch gut zehn Kilometer entfernt. „Dann kann der Blitz auch tödlich sein.“ Und: „Erst wenn 30 Minuten lang kein Blitz mehr zu sehen ist, ist die Gefahr deutlich geringer.“

Bleibt die Frage, wie man sich richtig verhält, wenn Blitz und Donner im Anmarsch sind. Für Freitag sind in ganz Deutschland zum Teil heftige Gewitter angesagt. Eine Anleitung für draußen – und drinnen.

Im Zelt beim Campen

Als 2018 ein Blitz auf einem Campingplatz im bayerischen Bruck einschlug, wurden 15 Menschen leicht verletzt. Sie klagten über ein Kribbeln am ganzen Körper. Sie sollen, so gaben die Sanitäter später an, die Zelte während des Sturms festgehalten haben. Zacks Rat: „Raus aus dem Zelt! Am besten ins Auto.“ Das ist ein faradayscher Käfig – der Blitzstrom fließt über die metallene Außenhaut zur Erde ab. Auch interessant: Unwetter in Griechenland - mehrere Urlauber tot.

Geringeren Schutz bieten Fahrzeuge mit Glasfaser-Karosserie, Wohnmobile etwa sowie Cabriolets ohne Dachgerüst oder Überrollbügel aus Metall. Wichtig: Die Fenster müssen geschlossen sein. Alternative: Ab ins Waschhaus auf dem Zeltplatz. Geht das alles nicht, sollte man sich eine Senke oder Kuhle suchen und sich kleinmachen. Nicht flach hinlegen, sondern in die Hocke gehen, Füße eng zusammen. Stellt man sich breitbeinig hin oder läuft, kann sich zwischen den Füßen eine Schrittspannung aufbauen, die sich entlädt, indem der Strom durch den Körper fließt.

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Im Wald oder Gebirge

Der Blitz schlug in eine hohe Fichte ein – der 22-jährige Wanderer aus München, der sich in unmittelbarer Nähe befand, wurde tödlich verletzt. So lautete eine Meldung im Mai 2018. Zack rät: „Wettervorhersage hören und gar nicht erst loslaufen, wenn Gewitter im Anmarsch sind.“ Und wenn man von einem Wetterumschwung überrascht wird? Niemals solle man sich unter einen Baum stellen. Denn Blitze schlügen häufig in den höchsten Punkt ein – in den Wipfel, den Strommast, das Hochhaus.

Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) hat einen Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung. Dort heißt es: „Relativ sicher“ sei man in Höhlen, unter Felsvorsprüngen und am Fuß von Felswänden. Aber: „Nicht anlehnen, halten Sie möglichst einen Meter Abstand, besser drei zu den Wänden.“ Und für Jäger gelte: Runter von Hochsitzen, die seien „besonders gefährdet“.

Auf Fußball- oder Golfplatz

Einen Fußballer haut nichts um? „Das sei eine übliche, aber genau die falsche Reaktion“, sagt Fred Zack. Er erinnert sich an mehrere Unfälle auf Fußballplätzen, darunter einen im Jahr 1995 in Mecklenburg-Vorpommern. Es habe 63 Verletzte und einen Toten gegeben. Ähnlich gefährlich sei es auch auf Golfplätzen mit einzeln stehenden Bäumen und Baumgruppen. In Hessen seien im Jahr 2012 auf einer Anlage gleich vier Frauen bei einem Gewitter gestorben.

Richtig sei: Sofort abbrechen und bei angesagtem Gewitter gar nicht erst beginnen. Am besten ziehe man sich in das Clubhaus zurück oder ins Auto. Allerdings solle man nicht losfahren: Der grelle Blitz und der laute Donner könnten Ursache für Fahrfehler sein. Übrigens: Auch Rad oder Motorrad soll man stehen lassen, absteigen und sich mindestens drei Meter entfernt aufhalten.

Auf oder im Wasser

„Auf keinen Fall angeln! Steuern Sie das Boot so schnell wie möglich zum Ufer! Gehen Sie vom Wasser weg!“, sagt Zack – es bestehe Lebensgefahr. „Sie selbst sind dort schnell die höchste Erhebung.“ Im Grunde gelte immer: Ein Auto bietet Schutz, im festen Gebäude ist es am sichersten, selbst dann noch, wenn es keinen Blitzableiter hat. Auch interessant: Unwetter verwüstet Adria-Region.

Zu Hause beim Staubsaugen

Hören Sie mit dem Staubsaugen auf“, rät Zack – „außer Sie haben einen Akkustaubsauger.“ Die Gewitterregel laute im Allgemeinen: „Betreiben Sie keine elektrischen Geräte mit Kabel zur Steckdose.“ Was das für Arbeit mit dem Computer bedeutet? „Arbeiten Sie mit einer kabellosen Maus, sind Sie selbst außer Gefahr.“ Mit dem Handy zu telefonieren sei ebenfalls unproblematisch, nur ein Kabeltelefon solle man aus der Hand legen. Letzter Hinweis des Rostocker Mediziners: „Am besten halten Sie sich in der Mitte des Raumes auf.“

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