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Huawei gegen Samsung – Wer macht die besseren Fotos?

Das Huawei P30 Pro (links) und das Samsung Galaxy S10+ stechen so manchen Fotoapparat aus.

Das Huawei P30 Pro (links) und das Samsung Galaxy S10+ stechen so manchen Fotoapparat aus.

Foto: Reto Klar

Berlin  Huawei und Samsung haben neue Spitzen-Smartphones auf den Markt gebracht. Wir haben uns die Kameraleistung der Geräte genau angeschaut.

Längere Akkulaufzeit, mehr Speicherplatz und eine bessere Kamera – das sind laut Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom die Dinge, die sich Verbraucher tatsächlich für ihre neuen Handys wünschen. Die neuen Flaggschiff-Geräte von Samsung und Huawei bieten all diese Qualitäten und gelten in puncto Kameraleistung als Vorreiter.

Wir haben Samsungs Galaxy S10+ und Huaweis P30 Pro getestet und miteinander verglichen. Wie gut sind Handykameras mittlerweile und welches der beiden Geräte macht die besseren Fotos?

Samsungs Galaxy S10+ und Huaweis P30 Pro im Vergleich

Das P30 Pro (ab 1000 Euro) vom chinesischen Hersteller Huawei ist erst seit einer Woche auf dem Markt. Es verfügt über drei Kameras und einen sogenannten Time-of-Flight-Sensor (ToF, siehe Infokasten). Im Detail setzt sich das System aus einem Superweitwinkelobjektiv mit 20 Megapixel (MP) Auflösung, einer Hauptkamera mit typischer Brennweite (40 MP) sowie einem Fünffach-Zoom-Objektiv (acht MP) zusammen.

Samsungs S10+ (ab 950 Euro) ist seit Ende Februar erhältlich. Neben der 12-MP-Hauptkamera hat das S10+ noch eine Ultraweitwinkeloptik (16 MP) sowie einen Zweifach-Zoom (12 MP).

Verschiedene Foto-Situationen im Test

Schon auf dem Papier erkennt man, dass beide Smartphones mit sehr fortschrittlichen Fotosystemen ausgestattet sind, entsprechend hoch ist das Qualitätsniveau der Bilder. Trotzdem meistern die Geräte verschiedene Foto-Situationen unterschiedlich gut.

Porträtaufnahmen: Die vielleicht wichtigste Entwicklung bei Handykameras in den vergangenen Jahren ist der sogenannte Porträtmodus. Er simuliert eine geringe Schärfentiefe, das heißt, die Bereiche vor und hinter dem fokussierten Objekt liegen deutlich in der Unschärfe. Genutzt wird dieser Effekt meist in der Porträtfotografie, er lässt sich aber eigentlich nur mit deutlich größeren Objektiven mit weiter Blendenöffnung erzeugen.

Seit etwa zwei Jahren stellen Smartphones diesen Effekt nach, indem die Software den Hintergrund automatisch unscharf erscheinen lässt. Die Krux daran: Die Software muss den Vordergrund vom Hintergrund gut unterscheiden können. Bei den ersten Geräten gelang das oft nur mittelmäßig, so dass der Rand einer Brille oder eine Haarsträhne unscharf wurden, obwohl sie zum Motiv gehörten.

Hintergrund:

Hier punktet das P30 Pro klar mit seinem ToF-Sensor. Er kann sehr zuverlässig Vorder- von Hintergrund trennen. Zwar gelingen Porträtaufnahmen auch mit dem S10+ sehr gut, Huaweis sind im Vergleich aber noch etwas akkurater. Mit beiden Geräten sehen Porträts sehr hochwertig aus. Das gilt allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Huawei verlangt für den Effekt zwingend ein Gesicht, bei Samsung kann man beliebige Objekte im Porträtmodus fotografieren.

Besuch im Zoo: Ein Zoobesuch verlangt Kameras einiges ab. Vor allem aber kommt man oft nicht so dicht an die Tiere heran, wie es für ein Foto gut wäre, sie bleiben auf Bildern oft enttäuschend klein. Das S10+ bietet hier mit seinem Zweifach-Zoom einen kleinen Vorteil. Mit Softwarehilfe lassen sich Objekte auf das Zehnfache vergrößern, dabei fällt die Bildqualität aber merklich ab.

Teure Neuerung: Huawei zeigt faltbares Handy
Teure Neuerung- Huawei zeigt faltbares Handy

Das P30 Pro dagegen kann dank Fünffach-Zoomobjektiv und Spielraum in der Sensorauflösung auch Bilder mit zehnfacher Vergrößerung machen, die noch sehr gut aussehen – und deutlich schärfer sind als bei Samsung. Wer will, darf den Zoomregler sogar bis zur 50-fachen Vergrößerung schieben. Schön sehen die Bilder dann zwar nicht mehr aus, die Funktion macht das P30 Pro aber zum Mini-Fernglas.

Darüber hinaus ist gerade im Zoo auch die Farbwiedergabe wichtig. Bei Huawei ist diese sehr neutral, Samsung ist traditionell etwas bunter abgestimmt. Beide machen ihren Job aber sehr gut, selbst bei ungünstigen Lichtverhältnissen – Motive im Gegenlicht meistert Huawei einen Tick besser. Bei beiden entstehen Fotos, die auch mit teuren traditionellen Kameras so ohne Weiteres nicht gelängen.

Grund dafür ist, dass die Smartphones automatisch mehrere Bilder mit unterschiedlichen Belichtungen schießen und diese dann zu einem optimalen Bild zusammenführen.

Gartenparty oder Kneipe: Ebenfalls herausfordernd sind Fotosituationen im Dämmerlicht oder gar in Dunkelheit. In schummrigen Kneipen schlägt sich das S10+ sehr gut, hier merkt man durchaus einen Unterschied zu Vorjahresgeräten. Ist schließlich die Nacht über die Gartenparty hereingebrochen, kann das Samsung ohne zusätzliches Licht jedoch keine Wunder wirken.

Huaweis P30 Pro offenbar schon: In schlechten Lichtsituationen deklassiert das chinesische Gerät das S10+ sowie alle anderen Top-Smartphones, die derzeit auf dem Markt sind. Das chinesische Smartphone sieht mehr als man selbst und bildet noch die finstersten Motive scheinbar mühelos ab. Immer wieder ist man im Alltag überrascht, welche Details das P30 Pro auf Bildern offenbart.

Huaweis erster Fernseher wird wohl ganz schön sozial

Fazit

In Bezug auf die Kamera kann man beiden Geräten ein äußerst hohes Qualitätsniveau attestieren. Im Direktvergleich geht Huawei allerdings als klarer Sieger hervor. So gut war eine Smartphone-Kamera noch nie.

Darüber hinaus bieten beide Geräte Ausstattung auf Spitzenniveau, schnellste Prozessoren, ausreichend Speicher, satte Akkulaufzeit. Das muss man aktuell allerdings noch recht teuer bezahlen. Für beide Geräte gilt: Bereits in ein paar Monaten dürften sie vermutlich für deutlich unter 800 Euro zu haben sein.

Wer nach einer günstigeren Android-Alternative sucht, sollte sich das Pixel 3 von Google (ab 560 Euro) oder das Xiaomi Mi 9 (ab 500) anschauen. iOS-Nutzer greifen für möglichst gute Bilder zum iPhone XS (ab 950 Euro), dessen sehr gute Kamera gerade bei schlechten Lichtverhältnissen aber nicht an Huaweis P30 Pro herankommt. Wer auf den Zweifachzoom verzichten kann, bekommt beim iPhone Xr (ab 730) eine ansonsten gleichwertige Kamera etwas günstiger. (Jan Mölleken)

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