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Mit „Wake-up“ lernen Gamer das Leben im Rollstuhl kennen

Maxim Kloster hat das Virtual-Reality-Spiel „Wake-up“ für die Aktion Mensch entwickelt.

Maxim Kloster hat das Virtual-Reality-Spiel „Wake-up“ für die Aktion Mensch entwickelt.

Foto: Sven Lambert

Berlin  Maxim Kloster ist Game-Designer. Er lehrt an der Hochschule und arbeitet als Freiberufler, auch für Aktion Mensch.

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Als Rollstuhlfahrer auf einem Bahnhof unterwegs zu sein, an dem die Aufzüge nicht funktionieren, ist eine Herausforderung. Wie sich das anfühlt, kann jetzt dank Maxim Kloster (32) jeder nachempfinden.

Alles, was man dafür braucht, sind ein Rollstuhl, eine Virtual-Reality-Brille plus Kopfhörer und „Wake-up“. Das ist ein Computerspiel, das Kloster gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Holtmann und Studenten der privaten Mediadesign Hochschule (MD.H) entwickelt hat.

Spezialisiert auf VR-Spiele

Maxim Kloster ist Game-Designer, spezialisiert auf Virtual-Reality-Spiele (VR-Spiele). Er hat selbst an der MD.H studiert und seinen Bachelorabschluss gemacht. Seit vergangenem Jahr arbeitet er dort als Dozent. Au­ßerdem ist er freiberuflich als Spieleentwickler aktiv.

„‚Wake-up‘ ist aus einem Projekt an der Hochschule entstanden“, erklärt der 32-Jährige. Er stellte es dann auf der Tincon vor. Das ist eine Berliner Digitalmesse für Jugendliche von 13 bis 21 Jahren.

Wie es der Zufall wollte, war am Nachbarstand die Aktion Mensch einquartiert. „Schnell sind wir ins Gespräch gekommen“, erzählt Kloster. Und das endete schließlich mit einem offiziellen Angebot der Organisation, das Spiel für sie weiterzuentwickeln.

Immer neue Ideen für das perfekte Spiel

Das ist mittlerweile erledigt. Maxim Kloster und sein Team haben „Wake-up“ überarbeitet. Er sitze gerade noch an den Feinheiten, sagt der 32-Jährige. „Wie es bei der Softwareentwicklung üblich ist, fallen einem leider immer wieder noch bessere Ideen ein. Aber ich denke, dass es diesen Sommer fertig wird.“

Aktion Mensch wolle das Spiel dann zum Beispiel auf Messen zeigen und die Besucher so für die Situation behinderter Menschen sensibilisieren. Maxim Kloster freut sich, daran mitarbeiten zu können. „Eine tolle Geschichte.“

Als Kind Brettspiele entwickelt

Der gebürtige Hannoveraner fand über ein paar Umwege zum Game-Design. Lange Zeit habe er nicht gewusst, dass man so etwas überhaupt studieren kann, erzählt er lachend. Dabei habe er schon als Kind Brettspiele entwickelt und diese mit seinen Freunden gespielt.

„Mit 15 Jahren habe ich dann meinen ersten Computer geschenkt bekommen“, erinnert er sich. Bis er 18 war, habe er jeden Tag mehrere Stunden davor verbracht.

Die Begeisterung für Computer, Technik und Mathematik brachte den Jugendlichen mit Realschulabschluss dann in eine Ausbildung zum Informationselektroniker. „Das ist ein schöner Beruf“, sagt Kloster. „Aber es hat mir nicht gereicht. Es fehlte irgendwann schlicht die Herausforderung.“

Nach der Ausbildung ein IT-Studium

Ein Informatikstudium sollte diese Lücke füllen. Doch das bedeutete für Kloster erst einmal, wieder zur Schule zu gehen. „Ich habe meine Fachhochschulreife nachgeholt, da ich mit einem Realschulabschluss nicht zum Studium zugelassen worden wäre“, erklärt er.

Das Studium fand er anfangs durchaus interessant. Aber auf Dauer sei auch das nicht das Richtige für ihn gewesen, resümiert der Computerfachmann. „Es war mir schlicht zu trocken und zu langweilig“, sagt er. „Und auch mathematisch bin ich an meine Grenzen gestoßen, obwohl Mathematik immer mein Lieblingsfach war.“

Guter Tipp von der Schwester

Maxim Kloster brach das Studium ab. Auf die richtige Idee brachte ihn dann seine Schwester, die schon vor ihm nach Berlin gezogen war. Sie schwärmte ihm vor von den Möglichkeiten der Großstadt – und von der MD.H inklusive des Studiengangs Game-Design. „Sie wusste, dass es das war, was ich wirklich machen wollte“, erzählt Kloster.

Um sich das Studium an der privaten Hochschule leisten zu können, arbeitete der Neu-Berliner ein Jahr lang als Elektrikergehilfe. „Das Geld, das ich in dem Jahr gespart habe, war mein Startkapital für das erste Semester“, sagt er.

Unterstützung durch KfW-Studienkredit

Neben dem Bachelorstudium, insgesamt sieben Semester, hat er weiterhin gejobbt und darüber hinaus einen Studienkredit der KfW in Anspruch genommen. „So war es mir möglich, die Studiengebühren von monatlich rund 800 Euro bezahlen zu können“, erzählt Kloster.

In seiner Bachelorarbeit hat sich der Entwickler mit dem Thema „Mit Gedanken Spiele steuern“ beschäftigt. Dieses Thema lässt ihn auch heute nicht los. Er sieht darin die Zukunft der Computerspielbranche und möchte „eine virtuelle Welt erschaffen, die toller ist als die Realität“. Gleichzeitig sieht er das Pro­blem, „an die Grenzen des Möglichen zu stoßen“.

Computer mit Gesten und Gedanken steuern

Obwohl er findet, dass Game-Design der richtige Beruf für ihn sei, kann sich Maxim Kloster durchaus vorstellen, irgendwann aus der Spieleentwicklung auszusteigen. Allerdings nur, um im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) zu arbeiten.

An Möglichkeiten zu forschen, wie sich Computer mit Gesten und Gedanken steuern lassen, würde ihm gefallen. „Doch das ist ferne Zukunft.“

Start in die Selbstständigkeit sehr arbeitsintensiv

Momentan freut sich der 32-Jährige erst einmal darüber, dass es mit seiner Selbstständigkeit aufwärtsgeht. „Der Start war echt hart“, erzählt er. Vor allem sehr arbeitsintensiv: „Ich habe nicht mal Zeit gehabt, mich um eine finanzielle Förderung zu kümmern, und bin froh, dass mich meine Eltern damals unterstützt haben.“

Inzwischen haben große Aufträge die kleinen der Anfangszeit abgelöst. „Und ich habe auch wieder Freizeit“, fügt Kloster an. Die verbringt er zum Ausgleich von der Arbeit am Bildschirm gern beim Joggen im Park.

Und beim Spielen: „Allerdings nicht mit dem PC, sondern mit Freunden bei klassischen Brettspielen, so wie früher als Kind.“

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