Kleidungsproduktion

Mode grün und fair: Wie geht Shopping ohne Gewissensbisse?

Wer seine T-Shirts aus fairer Produktion kaufen will, hat es schwer.

Wer seine T-Shirts aus fairer Produktion kaufen will, hat es schwer.

Foto: iStockphoto/gemenacom / iStockphoto

Berlin  Bei Kleidung ist es schwierig zu beurteilen, ob das T-Shirt „fair“ produziert worden ist. Und das, obwohl es viele Öko-Labels gibt.

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Wer schon einmal versucht hat, den Inhalt seines Kleiderschranks auf sozial und ökologisch nachhaltig umzurüsten, weiß: Es ist viel Arbeit. Und am Ende bleibt trotzdem das Gefühl, nicht ganz konsequent gewesen zu sein. Denn einfach zu beschließen: „Made in China“ oder „Made in Bangladesch“ kommt nicht mehr in die Einkaufstüte – das ist zu leicht.

Zwar gibt es in Deutschland einige Label, die für die einen oder anderen Standards stehen. Perfekt ist keines, Experten sprechen eher von „bestmöglich“. Für den Kunden ist ein Label ein einfaches Instrument, unabhängig davon wie aussagekräftig es ist. „Im Moment kauft man sich damit ein gutes Gefühl“, sagt Jochen Strähle, Professor für International Fashion Management von der Hochschule Reutlingen.

Viele Unternehmen am Prozess beteiligt

Das Problem in der Textilbranche sind lange Wertschöpfungsketten. Sie sind mit all ihren Subunternehmen so verschachtelt, dass Unternehmen sie kaum überblicken. So zeigte eine gerade veröffentlichte Studie der niederländischen Nichtregierungsorganisation Somo die Missstände in myanmarischen Textilfabriken auf. Es ging etwa um unbezahlte Überstunden und minderjährige Fabrikarbeiter.

Auch Unternehmen, die der Fair Wear Foundation (FWF) angehörten, ließen in den Fabriken produzieren. Die Organisation setzt sich vor allem für bessere Arbeitsbedingungen ein. Deren Vizechefin sagte dann auch in einem Interview mit „Spiegel Online“, es sei nahezu unmöglich, zu hundert Prozent fair produzierte Kleidung zu finden.

Greenpeace-Expertin: „Perfektes Label gibt es nicht“

„Es gibt nicht das eine perfekte Label“, bestätigt Alexandra Perschau, Textilexpertin bei Greenpeace. Die aktuelle Studie sei ein gutes Beispiel dafür. „Worauf es aber abgesehen von einem Label ankommt, ist Transparenz“, sagt sie. Zu lange habe sich die Textilindus­trie darauf ausgeruht, keine Verantwortung für ihre Lieferketten zu übernehmen. „Das ist nicht mehr zeitgemäß.“

Perschau rät Konsumenten, sich etwa die drei liebsten Geschäfte oder Marken herauszusuchen und gezielt zu gucken: Gehen sie diesen Weg der Transparenz? So habe Lidl gerade die Liste seiner Lieferanten öffentlich gemacht. Stellen die Unternehmen diese Informationen jedoch nicht zur Verfügung, ist es für den Kunden unmöglich, sich diese selbst zu beschaffen. Nicht einmal, wenn ein Produkt vom Garn, über die Knöpfe bis hin zu den verwendeten Farben in Deutschland hergestellt wurde.

„Made in Bangladesch“ sagt nichts über Umstände

Aber selbst wenn – ist das die Lösung für ethischen Konsum? Kleidung „Made in Germany“, aus kleinen Manufakturen mit regionaler Anbindung? Nein, sind sich alle Experten einig. Die Beschreibung „Made in Bangladesch“ sagt nichts darüber aus, unter welchen Bedingungen ein Kleidungsstück hergestellt wurde.

„Außerdem geht es ja auch darum, dass Prozesse in Ländern angestoßen werden“, sagt Sandra Dusch von der Christlichen Initiative Romero, die auch Gründungsmitglied der „Kampagne für Saubere Kleidung“ ist. Auch Alexandra Perschau hält den ausschließlichen Kauf von Produkten „Made in Germany“ für utopisch und „das ist in einer globalisierten Welt auch nicht angebracht“.