Finanzen

Kredit bei Paypal und Klarna: Vorsicht vor der Ratenfalle

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Wer im Internet shoppt, sollte die Ratenzahlung über Paypal oder Klarna möglichst vermeiden.

Wer im Internet shoppt, sollte die Ratenzahlung über Paypal oder Klarna möglichst vermeiden.

Foto: istock / iStock

Berlin.  Dienste wie Paypal bieten zunehmend auch Ratenkredite an. Die Zinsen können jedoch enorm sein. Worauf Verbraucher achten sollten.

Beim Onlineshopping stoßen Kundinnen und Kunden oft auf diesen Slogan: „Jetzt kaufen, später bezahlen“. Der aus den USA und Großbritannien stammende Trend ist längst auch bei den Händlern und Zahlungsdiensten in Deutschland angekommen.

Das Prinzip dahinter ist nicht neu: Es handelt sich ums Bezahlen auf Rechnung oder per Ratenfinanzierung. Doch neue Angebote von Zahlungsdiensten wie Paypal oder Klarna machen das späte Bezahlen immer einfacher.

Sind Käufer knapp bei Kasse, klingen solche Angebote verlockend. Doch das Shoppen auf Pump kann schnell zu Problemen führen. Der Geldratgeber Finanztip hat Tipps zusammengestellt, die Kunden beachten sollten.

Zahlen nach zwei Wochen

Schon länger bieten Zahlungsdienste wie Paypal oder auch Klarna Verbraucherinnen und Verbraucher an, den Einkauf erst nach 14 Tagen bezahlen zu müssen – quasi wie beim Kauf auf Rechnung. Und dieses Angebot bauen sie immer weiter aus: So will Paypal seinen Kunden künftig – gegen Gebühr – auch die Möglichkeit einräumen, die Rechnung erst nach 30 Tagen zu bezahlen.

Wer diese Angebote oft nutzt, sollte seine Finanzen im Blick behalten. Der Geldratgeber Finanztip empfiehlt daher, ein Haushaltsbuch zu führen. Darin sollten Verbraucher alle Zahlungen und Fristen notieren: Das hilft, die Rechnungen pünktlich zu begleichen. Täglich 10 bis 15 Minuten muss man für diese Aufgabe einkalkulieren.

Das kann man natürlich auch per Smartphone-App machen. Die Programme Money Manager und Money Pro zum Beispiel wurden von Stiftung Warentest als bedienungsfreundlich bewertet, kosten in der Vollversion aber etwa 3 bis 4 Euro. Lesen Sie hier: Wer zahlt, wenn Kinder online oder in Apps einkaufen?

Kauf auf Raten vermeiden

Immer wieder bewerben die Zahlungsdienste mit dem Spruch „Jetzt kaufen, später bezahlen“ auch eine Ratenfinanzierung, die Verbraucher sofort im Shop abschließen können. So können sie die Rechnung auf bis zu 24 Monatsraten aufteilen. In der Regel fallen dafür Zinsen an.

Eine solche Zahlung auf Raten sollten Verbraucher möglichst vermeiden. Wer etwas nicht auf einen Schlag bezahlen kann, sollte lieber innehalten: Brauche ich das Produkt jetzt wirklich? Denn meist macht die Ratenfinanzierung den Kauf deutlich teurer.

Paypal und Klarna berechnen zum Beispiel einen effektiven Jahreszins von praktisch zehn Prozent – die Firmen haben 9,99 Prozent festgelegt, was günstiger klingen soll. Mediamarkt bietet einen Ratenkauf zu 8,5 Prozent, bei Otto können es sogar gut 15 Prozent Zinsen sein.

Bezahlmöglichkeiten in Deutschland
Bezahlmöglichkeiten in Deutschland

Wer mit dem Kauf noch etwas wartet, kann das Geld zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto ansparen. Liegt dort schon ein Guthaben, sollten Verbraucher dieses auf jeden Fall nutzen, bevor sie einen teuren Ratenkauf eingehen.

Außerdem sollten sich Käufer auf einem Preisvergleichsportal nach günstigeren Anbietern umschauen. Finanztip hat diese Anbieter getestet und empfiehlt die Portale Idealo und billiger.de. Manchmal gibt es die Produkte auch günstiger gebraucht. Hintergrund: Statt Strafzinsen: Bei diesen Banken bekommt man noch Zinsen

Kredite vergleichen

In einigen Fällen ist eine Ratenzahlung unvermeidlich. Etwa wenn die Waschmaschine unerwartet kaputtgeht. Kunden sollten dann aber nicht direkt zu den Konditionen des Onlineshops zugreifen. Besser ist es, einen Verbraucherkredit bei einer Bank aufzunehmen. Da gibt es zum einen die sogenannten Rahmenkredite. Einen kurzfristigen Kredit bekommen Kunden zum Beispiel schon ab drei Prozent effektivem Jahreszins. Das ist deutlich unter dem Zinsniveau der Zahlungsdienste und Händler.

Bei größeren Einkäufen eignet sich auch ein normaler Ratenkredit. Manchmal bieten Shops eine Null-Prozent-Finanzierung an – was sich aber nur lohnt, wenn auch der Preis stimmt.

Hintergrund:Statt Strafzinsen: Bei diesen Banken bekommt man noch Zinsen

Kredit schneller zurückzahlen

Verbraucher müssen aber nicht unbedingt Geld bei der Bank leihen. Auch Freunde und Familie dürfen Kredite geben. Oft verlangen sie dafür nicht einmal Zinsen. Aber Vorsicht: Finanztip empfiehlt, einen schriftlichen Darlehensvertrag abzuschließen. So haben beide Vertragspartner Klarheit und Sicherheit über die Konditionen.

Egal wo und wie Verbraucher einen Kredit aufgenommen haben: Es lohnt sich, ihn schneller abzuzahlen, falls mal Geld übrig ist. Denn dann fallen weniger Zinsen an. Auch bei Paypal und Klarna können Käufer jederzeit die kompletten Schulden tilgen.

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Bei Retouren richtig vorgehen

Gern nutzen Käufer die Möglichkeit, später zu bezahlen, wenn sie sich noch nicht sicher sind, ob sie den Einkauf behalten. So müssen sie nicht in Vorleistung gehen. Doch mit dem Rücksenden der Ware ist nicht automatisch alles abgehakt. Oft dauert es länger als 14 Tage, bis eine Retoure beim Händler komplett abgewickelt ist.

Hat der Händler den Zahlungsdienst nicht rechtzeitig informiert, buchen Klarna und Co. das Geld trotzdem ab. Oder sie senden dem Kunden eine Mahnung, weil die vereinbarte Überweisung ausbleibt – schließlich hält er die Sache bereits für erledigt.

Um das zu vermeiden, sollten Käufer daher auch den Zahlungsdienst über die Retoure informieren. Bei Klarna geht das zum Beispiel über die App. Auch bei einer Ratenzahlung sollten Kunden dem Zahlungsdienst über eine Retoure Bescheid geben.

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Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Der Geld-Ratgeber für Verbraucher ist Teil der Finanztip-Stiftung.

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