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Pixel Buds Pro im Test: Googles gute Geräusch-Unterdrücker

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5 tolle Airpods-Alternativen // IMTEST

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Berlin.  Mit den Pixel Buds Pro greift Google an im Rennen der Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC). So gut sind Stille und Sound.

Zwei Stöpsel ins Ohr drehen und mit einem Schlag: Ruhe vom trubeligen Alltag, Umgebungsgeräusche bleiben draußen – Stille, Musik oder den Lieblings-Podcast genießen. Dafür braucht man längst keine klobigen, schweren Über-Ohr-Kopfhörer mehr. Auch kleine drahtlose In-Ear-Kopfhörer beherrschen schon seit einiger Zeit aktive Geräuschunterdrückung, das sogenannte ANC (Active Noise Cancellation). Neben Apples Airpods Pro können in der Android-Welt eine ganze Reihe an Herstellern überzeugen, darunter Sony (WF-1000XM4), Samsung (Galaxy Buds Pro) oder Sennheiser (Momentum True Wireless 3).

Nun zieht auch US-Hersteller Google nach und bringt mit den Google Pixel Buds Pro seine ersten Drahtlos-In-Ear-Ohrhörer mit ANC auf den Markt. Mit 219 Euro sind die Stöpsel im oberen Preisregal anzusiedeln. Wie überzeugend klappt die Geräuschunterdrückung, wie gut sind Klang und Bedienung, welchen Mehrwert gibt es im Vergleich zu den nur halb so teuren Pixel Buds A (99 Euro) aus dem Vorjahr und wer sollte über einen Kauf nachdenken? Das verrät unser Praxistest nach einer Woche Alltagsnutzung.

Google Pixel Buds Pro: Unterschiede zu den günstigen Pixel Buds A

Optisch hat sich zu den günstigen Pixel Buds A aus dem Vorjahr wenig getan. Die Ohrhörer selbst behalten ihre abgerundete Form. Und auch die Lade-Schachtel des Pro-Modells kommt nur minimal breiter daher, ist aber erneut in der abgerundeten Form eines abgeflachten Eis in Mattweiß gehalten. Damit passt sie gut in die Hosen- oder Jackentasche.

Für die rund 120 Euro Aufpreis stecken im Pro-Modell nun aber erstmals eine aktive Geräuschunterdrückung, ein verbesserter Klang, eine längere Akkulaufzeit und die Möglichkeit, die Ohrhörer samt Lade-Case auch drahtlos induktiv aufzuladen (Wireless Charging). Gestrichen wurden die Silikonflügel, der sichere Sitz soll nun allein durch die Wahl des passenden Aufsatzes gewährleistet werden, von denen Google drei Größen mitliefert.

Aktive Geräuschunterdrückung: ANC bei den Pixel Buds Pro gelungen

Bei der wichtigsten Neuerung, der ANC-Funktion, hinterlassen Googles Pixel Buds Pro beim Hören einen überraschend guten Eindruck. Um Außengeräusche wie Verkehrslärm, Bahn- und Flugzeuggeräusche oder Kollegengespräche zu dämpfen, setzen die Pro-Modelle wie einige andere Hersteller auf die Kombination aus passiver und aktiver Geräuschunterdrückung. Passiv, indem die Stöpsel möglichst passend und dicht in den Gehörgang eingeführt werden. Und aktiv, indem die Pixel Buds Pro Gegenschall im Ohr erzeugen, der Außengeräusche überlagert.

Das klappte im Praxistest überwiegend sehr überzeugend: War ANC aktiviert, wurden die meisten Außengeräusche effizient rausgefiltert. Selbst wenn keine Musik lief, wurden etwa U-Bahn-Geräusche, Straßenlärm oder Gespräche in direkter Umgebung zum größten Teil gedämpft. Mit Musik war der Effekt noch wirksamer. Zudem erzeugten die Pixel Buds Pro beim Anschalten des ANC keinen unangenehmen Druck im Ohr, der durch Gegenschall bei manch anderen Modellen vorkommen kann. Wichtig ist aber, den für einen selbst optimal passenden Aufsatz zu wählen.

Komplette Stille herrschte aber trotz ANC nie: Durchsagen am Bahnhof oder im Waggon sind grob zu hören. Wer Durchsagen hören oder einem Gespräch lauschen will, ohne die Ohrhörer herauszunehmen, schaltet mit einem längeren Drücker in den Transparenzmodus. Dann werden Umgebungsgeräusche gezielt durch Mikrofone verstärkt. Das klingt bei den Pixel-Hörern wie bei anderen Herstellern auch anfangs ungewöhnlich weil leicht verzerrt – erfüllt aber seinen Zweck.

Klang und Telefonie der Pixel Buds Pro

Nicht nur beim ANC, auch beim Klang spielen die Google Pixel Buds Pro im Vergleich oben mit. Der Klang wirkte dabei gut ausbalanciert über alle gängigen Musikrichtung hinweg. Neben guten Höhen und guten Mitten erzeugen die Pixel Buds Pro trotz ihrer geringen Größe einen durchaus kräftigen Bass.

Telefongespräche nimmt man mit den Drahtlos-Kopfhörern mit einem Tipper auf einen der Ohrhörer an. Gespräche unterwegs klingen überwiegend klar und deutlich. Auch das Sprechen in die andere Richtung wurde nicht bemängelt.

Spazierengehen und Joggen im Freien klappt mit den Pixel Buds Pro ebenfalls solide. Die Stöpsel sind so abgeflacht, dass sie seitlich nicht so sehr herausstehen, dass die stark windanfällig wären. Bei Sportarten wie Joggen ist der Sitz und damit die Aufsatzwahl besonders entscheidend. Bombenfest saßen die In-Ears bei Erschütterungen nicht, aber ein Herausfallen drohte auch nicht. Schweiß oder Regen halten die Google-Kopfhörer aus: Die Stöpsel sind nach IPX4 und die Lade-Schachtel nach IPX2 gegen Spritzwasser geschützt.

Gute Bedienung über Wisch- und Tippgesten

Die von anderen Modellen bekannte Bedienung über Tippen und Wischen der Ohrhörer-Außenfläche klappte mit den Pixel Buds Pro präzise und zuverlässig. Ein Wisch nach vorn oder hinten regelt standardmäßig die Lautstärke. Ein Tipper startet die Wiedergabe, per Doppeltipper geht es zum nächsten Titel, per Dreifachtipper einen zurück. Die Telefonie lässt sich ebenso intuitiv bedienen. Auf Wunsch lässt sich auch eine Geste festlegen, mit dem der Google Assistant aufgerufen wird, um per Sprachsteuerung Informationen zu erfragen oder Befehle ans Smartphone zu geben.

Anpassungen kann man in der passenden App „Pixel Buds“ vornehmen. Diese deckt vieles App, ist aber im Vergleich ein wenig beschränkt, komplette Freiheit gewährleistet sie nicht. Die Bedienungsgesten lassen sich festlegen, aber etwa nicht für beide Ohrhörer separat. Bei Verlust der Ohrhörer lassen sie sich über die App wiederfinden. Praktisch: Eine Hilfsfunktion mit Beispielton unterstützt dabei, die richtige Größe der Ohreinsätze zu ermitteln. Aktiviert man in der App die Funktion Multipoint, lassen sich die Google-Kopfhörer sogar mit zwei Bluetooth-Geräten gleichzeitig verbinden, etwa das Smartphone parallel zum Tablet oder Laptop.

Schade: Ein Equalizer, mit dem sich der Klang auf die eigenen Vorlieben anpassen lässt, fehlt der App derzeit noch, soll laut Google aber zum Herbst nachgereicht werden. Ebenfalls zum Start von Android 13 im Herbst muss man sich gedulden, bis die Pixel Buds Pro räumlichen 3D-Klang beherrschen sollen, das sogenannte Spatial Audio, das etwa neuere Apple Airpods seit 2020 beherrschen.

Akku und Lieferumfang

Sorgen um den Akku müssen sich Käufer nicht machen. Die Bluetooth-Kopfhörer hielten am Alltag bei normaler Nutzung problemlos durch. Google verspricht pro Ladung bei aktivierter Geräuschunterdrückung sieben Stunden Laufzeit. Die Lade-Schachtel soll für zwei komplette Ladungen zusätzlich, also 14 Stunden, sorgen. Bei abgeschaltetem ANC sind es laut Hersteller bis zu elf Stunden Laufzeit, inklusive Lade-Schachtel bis zu 31 Stunden.

Den Lieferumfang hält Google minimalistisch: Zu den Ohrhörern, die mit mittlerem Aufsatz im Lade-Case sitzen, ist ein kleines Papp-Röllchen beigelegt, das die zwei weiteren Größenaufsätze enthält. Eine Kurzanleitung auf Papier erleichtert den Start. Was fehlt, sind ein USB-C-Ladekabel sowie ein Netzteil.

Die Pixel Buds Pro sind in den vier Farben Schwarz, Dunkelweiß (Fog), Hellgelb (Lemongrass) und Orange (Coral) erhältlich.

Fazit Google Pixel Buds Pro: Echte Alternative für Android-Nutzer mit Wunsch nach Stille

Wirksame Geräuschunterdrückung, ausbalancierter Klang und gute Bedienung: Wer bereit ist, knapp 220 Euro für In-Ear-Bluetooth-Kopfhörer auszugeben, bekommt mit Google Pixel Buds Pro ein überzeugendes Gesamtpaket mit starker Akkulaufzeit. Mit Equalizer und 3D-Audio ist ab Herbst ein weiteres Update zu erwarten. iPhone-Nutzer können die Google-Modelle zwar auch nutzen, müssen aber auf die vielen Vorzüge der Begleit-App verzichten. Wer das enge Zusammenspiel der Google-Buds mit Android nicht benötigt, findet für etwas weniger Geld aber auch einige weitere gute Modelle auf dem Markt.