Gesundheit

Reha-Maßnahmen selbst beantragen: Wie gehe ich richtig vor?

Die Patienten nehmen an aufeinander abgestimmten Therapien teil - zum Beispiel Krankengymnastik.

Die Patienten nehmen an aufeinander abgestimmten Therapien teil - zum Beispiel Krankengymnastik.

Foto: iStockphoto/Hispanolistic / iStockphoto

Berlin  Man muss nicht im Krankenhaus gewesen sein, um Anspruch auf eine Reha zu haben. So einfach lässt sich eine Rehabilitation beantragen.

Manche Krankheiten verschwinden nicht so schnell. Der eine quält sich monatelang mit Rückenschmerzen zur Arbeit, aber die wöchentliche Physiotherapie schlägt einfach nicht an. Der andere leidet unter einer Depression, immer häufiger plagt ihn das Gefühl: nichts geht mehr.

Manchmal steht der Alltag einer erfolgreichen Behandlung im Wege, dann hilft vielleicht eine Reha. Viele kennen die medizinische Rehabilitation nur nach einer Operation oder einem langen Aufenthalt in der Klinik. Doch man muss nicht im Krankenhaus gewesen sein, um Anspruch auf eine Reha zu haben.

Denn die kann sehr effektiv sein: Sie soll Patienten wieder fit für Beruf und Alltag machen. Rehabilitation – das bedeutet, drei Wochen lang geht es einmal ausschließlich um die Gesundheit. Die Patienten nehmen an aufeinander abgestimmten Therapien teil, wie Krankengymnastik, Ernährungsberatung und psychotherapeutische Gespräche.

Fünf von sechs Anträgen gehen sofort durch

Gemeinsam mit den

entwickeln sie Strategien, wie sie mit ihren Beschwerden im Alltag umgehen können – und diese langfristig bekämpfen. Mehr als 2,5 Millionen Rehas werden hierzulande Jahr für Jahr beantragt. Ist der Hausarzt erst einmal dafür, sind die Aussichten gut, die Reha auch genehmigt zu bekommen. Fünf von sechs Anträgen gehen sofort durch.

Hintergrund:

Und auch gegen eine Ablehnung kann man sich wehren. Wer über eine Reha nachdenkt, sollte als Erstes zum Arzt gehen. Und zwar zu dem, der einen ohnehin behandelt. Die Reha wird nur bewilligt, wenn sie medizinisch notwendig und erfolgversprechend ist. Ideal ist es, wenn der Arzt gleich dabei hilft, die Antragsformulare auszufüllen.

Welche Stelle für die Reha-Antrag zuständig ist, das variiert: Bei Berufstätigen zahlt normalerweise die gesetzliche Rentenversicherung die Reha; Rentner und nicht erwerbstätige Erwachsene wenden sich an ihre Krankenversicherung. Niemand muss Angst haben, den Antrag an die falsche Stelle zu schicken.

Wunsch-Klinik richtig begründen

Falls Patienten tatsächlich an den falschen Träger schreiben, muss der die Unterlagen innerhalb von zwei Wochen an die zuständige Stelle weiterleiten. Der Antrag geht also nicht verloren. Es kann jedoch deutlich länger dauern, bis er bearbeitet wird.

Der Patient hat die Wahl. Seine Wunsch-Klinik muss allerdings medizinisch geeignet sein, um die Erkrankung zu behandeln. Je genauer Patienten begründen können, warum sie in die genannte Klinik wollen, desto besser. Neben speziellen Therapieangeboten kann zum Beispiel auch Nähe zum Wohnort (um Kontakt zu Angehörigen zu halten) ein gutes Argument für ein bestimmtes Reha-Zentrum sein.

Der Verbraucher-Ratgeber Finanztip hat ein Musterschreiben für die Klinikwahl vorbereitet, das Patienten ihrem Reha-Antrag beilegen können. Etwa ein Sechstel der Anträge auf eine Reha wird zunächst abgelehnt. Das zeigen Zahlen der Kranken- und Rentenversicherung.

Hintergrund:

Wer so ein Ablehnungsschreiben von Rentenkasse oder Krankenversicherung bekommt, sollte sich nicht entmutigen lassen. Patienten können innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen. Um die Frist zu wahren, reicht zunächst ein formloses Schreiben. Anschließend sollte man den Widerspruch aber gut begründen.

Das geht am besten mit Hilfe des Arztes. Der Kostenträger erklärt in seinem Schreiben, warum er die Reha ablehnt. Auf diese Begründung sollte der Arzt eingehen und versuchen, sie zu entkräften. Patienten können auch dann widersprechen, wenn nur der Klinik-Wunsch abgelehnt wurde.

Letzter Versuch: Klage vor dem Sozialgericht

Die Chancen auf Erfolg stehen gut. Mehr als die Hälfte der Widersprüche in Sachen Reha sind wenigstens teilweise erfolgreich. Unterstützung im Widerspruchsverfahren bekommen Patienten auch bei Sozialverbänden oder Fachanwälten für Sozialrecht.

Wenn ein Patient dann tatsächlich zu den wenigen Unglücklichen gehört, dessen Antrag auf Reha abgelehnt wurde, bleibt noch ein letzter Versuch: Eine Klage vor dem Sozialgericht. Die ist immerhin kostenlos. Mehr Informationen zum Thema finden sich im Reha-Ratgeber von Finanztip.

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Dieser Beitrag stammt aus dem aktuellen Newsletter von Finanztip und erscheint an dieser Stelle in einer Kooperation. Finanztip ist gemeinnützig und hilft Verbrauchern bei den täglichen Finanzentscheidungen.

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