Familie

Taschengeld nach Alter: Diese Höhe empfehlen Experten

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Laut Schlaftabelle: Wann sollten Kinder schlafen?

Laut Schlaftabelle- Wann sollten Kinder schlafen?

Jedes Kind hat sein eigenes Schlafbedürfnis, das selbstverständlich auch vom Alter abhängt. Aber wann sollten Kinder mit fünf, sechs oder 12 Jahren denn idealerweise ins Bett?

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Berlin.  Wie hoch das Taschengeld ausfällt, hängt meist vom Alter des Kindes ab. Was Experten raten und was in der Taschengeld-Tabelle steht.

Der Jüngste der Familie sitzt auf dem Gehsteig. Schwimmweste an, Stock in der Hand. Er will auffallen. Vor ihm ausgebreitet selbst gemalte Bilder. Ihre Schönheit liegt in seinem Niedlichkeitsfaktor. Neben dem Fünfjährigen eine Schale – für Geld. Der Junge will mit Passanten Geschäfte machen. Freut sich über jede Münze, egal ob Kupfer oder Silber. Hauptsache es werden viele. Bislang sind es acht: 1,26 Euro.

„Kleine Kinder können den Wert von Geld noch nicht fassen“, erklärt Carmela Aprea, Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik an der Universität Mannheim. „Aber es ist wichtig schon früh zunächst spielerisch einen Zugang zum Thema zu entwickeln.“ Taschengeld gehöre unbedingt dazu. Allerdings erst mit Schulbeginn, wenn Kinder langsam ein Verständnis für Zahlen entwickeln und Rechnen lernen. „Einzuschätzen, was ein Euro im Vergleich zu einem Cent wert ist, ist selbst für Erstklässler am Anfang noch schwierig“, so die Expertin.

Taschengeld: Regelmäßigkeit ist wichtig fürs Kind

„Das Geld sollte zunächst wöchentlich ausgezahlt werden“, empfiehlt Aprea genauso wie das Deutsches Jugendinstitut (DJI), das regelmäßig Studien zum Thema durchführt und Empfehlungen zur Höhe des Taschengeldes veröffentlicht (siehe Tabelle unten). Die Tabelle ist dabei ein guter Orientierungsrahmen, allerdings sollten sich Eltern auch immer untereinander austauschen, rät die Taschengeld-Expertin des DJI, Alexandra Langmeyer.

Akuten Anpassungsbedarf auf Grund steigender Preise sieht sie nicht. Aprea, die auch das Mannheim Institute for Financial Education (MIFE) leitet, ist da kritischer und würde sich eher am oberen Ende orientieren – hält zu Beginn der Grundschule zwei Euro für angemessen. „Kinder sollten sich von ihrem Geld tatsächlich etwas kaufen können und nicht auf eine Tüte Gummibärchen sparen müssen“, so die Wirtschaftspädagogin.

Gleichzeitig gilt: Bei der Höhe des Taschengeldes muss immer die wirtschaftliche Situation der Familie beachtet werden. Ist das Geld ohnehin knapp, reichen auch kleinere Zahlungen – diese sollten aber unbedingt regelmäßig sein. „Kinder brauchen diese Verlässlichkeit ihrer Eltern“, betont Aprea. Gleichzeitig sollte offen über die knappen Finanzen gesprochen werden und darüber, was an Ausgaben alles gestemmt werden muss – Miete, Strom, Wasser, Telefon.

Umgekehrt gilt: Reiche Eltern sollten ihre Kinder nicht mit Taschengeld überhäufen. „Ziel sollte sein, dass Kinder einen realistischen Bezug zu Geld entwickeln und verstehen, dass Geld nicht alles ist im Leben“, so die Expertin.

Kinder lernen durch Taschengeld auch Eigenverantwortung

Welche Ausgaben mit dem Taschengeld abgedeckt werden sollten, hängt stark vom Alter der Kinder ab. Je älter die Kinder werden, desto mehr Punkte können theoretisch dazu kommen – etwa Mittagessen außer Haus, Kleidung, Kino, Schulmaterial. Allerdings sollten Jugendliche dafür ein zusätzliches sogenanntes Budgetgeld (siehe unten Tabelle) bekommen und schrittweise in die Verantwortung genommen werden, raten die Expertinnen. Empfohlen wird dies ab circa 14 Jahren.

„Das klassische Taschengeld sollte den Kindern und Jugendlichen ganz zur freien Verfügung stehen“, betont Langmeyer. Davon solle gekauft werden dürfen, was das Herz begehrt – ohne, dass die Eltern sich einmischen, egal für wie sinnlos oder unvernünftig sie eine Ausgabe halten. „Das fördert die Autonomie und Selbstwirksamkeit“, ergänzt Aprea. „Nur beim Jugendschutz hat diese Freiheit natürlich ihre Grenzen.“ Altersbeschränkungen bei Videospielen beispielsweise müssten natürlich eingehalten werden – und auch ein Zuckerschock verhindert. Ansonsten gilt der weise Spruch: Aus Fehlern lernt man.

Sich wie bei einem Haushaltsbuch alle Ausgaben zu notieren kann helfen, ein Gespür für die eigenen Ausgaben zu entwickeln. „Gerade, wenn das Geld am Monatsende immer knapp ist oder Sparziele unerreichbar scheinen“, erklärt Langmeyer. Aprea ergänzt: „So lernen Kinder eigene Wünsche mit der Zeit auszutarieren.“

Bei größeren Geldgeschenken, außer der Reihe zugesteckt, rät das DJI zur sogenannten Drittellösung. Je ein Drittel des Geldes ist für den Geldbeutel, kurzfristige Sparziele und längerfristige Anlagen, die irgendwann nicht mehr in die Spardose, sondern auf ein eigenes Girokonto wandern. Denn auch der digitale, bargeldlose Zahlungsverkehr will gelernt sein.

Hier den Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten ist – wie viele vermutlich aus eigener Erfahrung wissen – noch einmal deutlich herausfordernder. „Damit vor der Mittelstufe anzufangen halte ich für verfrüht“, meint Wirtschaftspädagogin Aprea. Geldanlage und Sparkonzepte würde sie frühesten bei Jugendlichen thematisieren.

Mehr über Geld sprechen – auch mit Kindern

Ob Kinder als Erwachsene später einmal gut mit Geld umgehen können, hängt von vielen Faktoren ab. Nur einer davon ist das Taschengeld. Neben dem eigenen Interesse ist auch wichtig, was Eltern ihren Kindern vorleben, wie Dinge angeschafft werden, deren Vorbildfunktion beim Umgang mit Krediten oder auch wie offen sie grundsätzlich mit ihren Kindern über die Finanzen der Familie sprechen.

„Wie dieses Zusammenspiel genau funktioniert, wissen wir leider nicht“, erklärt die DJI-Expertin. „Solch komplexe Studien gibt es nicht.“ Klar ist laut Aprea jedoch, dass Taschengeld die Basis schafft, zu lernen, sich die eigenen Ressourcen einzuteilen. „Einen Börsenguru macht es aber noch lange nicht“, grinst sie.

Fehler beim Taschengeld: Diese halten sich hartnäckig

Der falsche Umgang mit Geld, kann dagegen Schaden anrichten. Das sei entwicklungspsychologisch bewiesen, erklärt Aprea. So nutzen einige Eltern Taschengeldentzug noch heute als Strafe. „Das sollte man auf gar keinen Fall machen“, da sind sich die beiden Expertinnen einig. Taschengeld sollte verlässlich sein, Strafen immer in Bezug zum Vergehen stehen. Das sei höchstens der Fall, wenn ein Kind geklaut habe. Genauso schlecht seien aber auch finanzielle Belohnungen etwa für gute Noten.

Ein weiterer Fehler wäre es, das Taschengeld zwischendurch nachzubessern, Vorschüsse zu gewähren oder dem Kind, etwas zuzustecken, wenn beispielsweise zum erträumten Lego-Set noch ein paar Euro fehlen. „Auch Kinder können ihre Bedürfnisse ruhig zurückstellen und einfach ein paar Wochen oder Monate länger warten, bis sie das Geld zusammenhaben“, betont Langmeyer.

Statt Aufstocken, sollten Kinder jedoch die Erlaubnis haben, ihr Taschengeld aufzubessern. Damit ist nicht gemeint, den Nachwuchs etwa für das Ausräumen des Geschirrspülers oder das Schneeschieben zu bezahlen. Das gehörte laut der Expertinnen zum gemeinsamen Familienleben als Selbstverständlichkeit dazu. Der Verkauf von Selbstgemachtem, wie die gemalten Bilder des Jungen, oder von Ausrangiertem auf einem Flohmarkt, finden sie dagegen eine gute Idee.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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