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Uber verleiht jetzt E-Bikes in Deutschland – „Jump“ im Test

Uber bietet jetzt in Berlin mietbare E-Fahrräder an.

Uber bietet jetzt in Berlin mietbare E-Fahrräder an.

Foto: Uber

Berlin  Fahrdienstvermittler Uber startet in Deutschland mit einer Flotte von 1000 knallroten Pedelecs in Berlin. Wir haben sie getestet.

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Der amerikanische Fahrdienstkonzern Uber erweitert nun auch in Deutschland sein Angebot um mietbare E-Bikes. Per App können Kunden nicht mehr nur einen nahegelegenen Uber-Fahrer suchen, sondern auch ein Fahrrad mit Elektromotor-Unterstützung namens „Jump“. Start ist in Berlin.

Am Donnerstag startete das Unternehmen sein Angebot mit 1000 Fahrrädern in Teilen des Berliner Stadtbereichs. Wir haben die knallroten Fahrräder bereits ausprobiert und geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie genau funktionieren Ubers E-Bikes?

Im Prinzip ähnelt das Jump-Angebot dem Konzept von Free-Floating-Carsharing-Anbietern, wie etwa Car2go oder DriveNow. Free-Floating heißt, dass die einzelnen Fahrräder überall im Geschäftsgebiet gemietet und wieder abgestellt werden können. Stationen gibt es keine. Damit man die Räder schnell findet, sind sie mit einem GPS-Modul ausgestattet. Es übermittelt die Position des jeweiligen Jump-Rads an einen Server.

Über eine App können sich Nutzer anzeigen lassen, wo das nächste Fahrrad steht, es per Fingertipp reservieren und sich von der App dann an dessen Standort führen lassen.

Einfaches Ausleihen und schnelle Rückgabe

Um ein Jump-Fahrrad auszuleihen, muss man zunächst die kostenlose Uber-App (Android, iOS) auf seinem Smartphone installieren und dort ein Zahlungsmittel hinterlegen – derzeit ist dafür eine Kreditkarte oder ein Paypal-Konto notwendig.

Anschließend wählt man über den Mobilitätsreiter am oberen Bildschirmrand „Fahrrad“ aus. Auf der Karte erscheinen kleine Rad-Symbole, die anzeigen, wo die nächsten Jump-Räder stehen – per Fingertipp kann ein Rad reserviert werden.

Was muss bei Ausleihe und Rückgabe getan werden?

Sobald man vor dem Jump-E-Bike steht, wird mithilfe der Uber-App ein QR-Code auf dem Rad eingelesen, anschließend ist das Rad entriegelt. Mit einem einfachen Handgriff wird noch das ausziehbare Kabelschloss am Hinterrad gelöst, danach ist das Rad fahrbereit.

Auch die Rückgabe ist unkompliziert. Hat man sein Ziel erreicht, genügt es, abzusteigen, das Hinterradschloss wieder zu verriegeln und die Miete in der App zu beenden. Wichtig ist, dass das Rad sich bei der Rückgabe wieder innerhalb des Geschäftsgebiets befindet.

Was kostet es?

Für die Reservierung und das Aufschließen des E-Bikes wird ein Euro berechnet sowie zehn Cent für jede Fahrminute. Ist ein Rad reserviert, sind die ersten fünf Minuten der Reservierung gratis. Für jede weitere Minute werden ebenfalls zehn Cent berechnet.

Teuer wird es, wenn man die Miete außerhalb des Geschäftsgebiets beendet. Dann berechnet Uber 25 Euro Strafgebühr für den Rücktransport.

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Wo kann man es nutzen, wo nicht?

Das Entleihen der Jump-Räder klappt nur innerhalb des Geschäftsgebiets, die Rückgabe sollte ebenfalls hier erfolgen. Dieser Bereich ist laut Uber derzeit mehr als 70 Quadratkilometer groß und umfasst alle zwölf Berliner Bezirke. Auch für ortsunkundige Touristen ist innerhalb der App gut ersichtlich, wo die Grenze des Geschäftsgebiets verläuft, sobald auf eines der Fahrradsymbole getippt wurde.

Derzeit können die Räder etwa nicht in den Bezirken westlich vom Brandenburger Tor abgestellt werden. Auch viele Parks innerhalb des Geschäftsgebiets wurden für die Rückgabe gesperrt.

Um was für Fahrräder handelt es sich bei den Jump-Rädern? Benötigt man Übung, um auf ihnen zu fahren?

Das E-Bike ist eine Eigenentwicklung des Unternehmens Jump, in Berlin kommt die derzeit neuste Version zum Einsatz – montiert wird es übrigens in Portugal. Das Fahrrad verfügt über einen Vorderrad-Nabenmotor, der den Fahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h Tretunterstützung bietet.

Hier funktioniert das Jump-Modell wie alle anderen E-Bikes oder präziser: Pedelecs. Ein Sensor erkennt, wenn in die Pedale getreten wird und schiebt entsprechend mit. Werden die 25 km/h überschritten, muss das Rad wieder komplett mit Muskelkraft betrieben werden.

E-Bike: Kein besonderes Üben nötig

Der verbaute Akku soll voll geladen rund 50 Kilometer Reichweite bieten. Die Restreichweite eines Rads wird vor der Ausleihe stets angezeigt.

Das Fahrgefühl der Jump-Fahrräder unterscheidet sich kaum von dem auf einem herkömmlichen Fahrrad – es fährt sich eben viel müheloser. Besonderes Training benötigt man dafür nicht.

Gebremst wird per Scheibenbremse, außerdem steht eine Drei-Gang-Nabenschaltung zur Verfügung. Eine automatische Beleuchtung gibt es ebenfalls.

Stiftung Warentest testete vor Kurzem Bikesharing – allerdings bekamen vier Anbieter die Note „mangelhaft“.

Wird Jump künftig auch in anderen deutschen Städten verfügbar sein? Und wie sieht es mit E-Rollern aus?

Ob und wann Jump auch in anderen deutschen Städten starten könnte, will Uber derzeit nicht verraten. Aktuell können Jump-Räder innerhalb Europas auch in Brüssel, Lissabon und Paris gemietet werden – in Paris und Madrid bietet Jump zudem noch E-Scooter an. Im März hatte der Uber-Chef angekündigt, mit seinem Fahrdienst in weitere deutsche Städte zu kommen.

Gibt es ähnliche E-Bike-Dienste in Deutschland?

Wenige. Anbieter Lime (www.li.me) hat eine kleine Flotte E-Bikes in Berlin. Call a Bike, von der Deutschen Bahn, bietet derzeit nur in Stuttgart E-Bikes an. Seit April stellt die Bahn außerdem noch 20 Lastenpedelecs in Hamburg und zehn Lastenpedelecs in Stuttgart zum Ausleihen bereit.

Im vergangenen Jahr musste Uber wegen einem verschwiegenem Datenleck eine Rekordsumme zahlen. (Jan Mölleken)

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