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Weltrheumatag: Mediziner beantworten Fragen am NRZ-Telefon

Rheuma

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Foto: imago stock / imago images / Panthermedia

An Rhein und Ruhr.  Vier Mediziner des Rheinischen Rheumazentrums beantworteten anlässlich des Weltrheumatags die Fragen unserer Leserinnen und Leser am NRZ-Telefon.

Am Samstag (11. Oktober) ist Weltrheumatag. Dieses Datum nimmt jedes Jahr die zahllosen Varianten von Rhemaerkrankungen, und vor allem Patienten und deren Anliegen in den Fokus. Denn Rheuma betrifft Millionen Menschen und bei weitem nicht nur ältere. Anlässlich dieses Tages lud die NRZ auch in diesem Jahr wieder zu einer Telefonaktion zu diesem Thema ein. Vier Ärzte des Rheinischen Rheumazentrums am St. Elisabeth Hospital in Meerbusch-Lank standen zwei Stunden lang Rede und Antwort.

Hier eine Auswahl der Fragen und Antworten zu Symptomen, Diagnosen und Therapiemöglichkeiten

Frage: Seit etwa sechs Monaten habe ich Schmerzen in den Gelenken und wenig Kraft in den Händen und Füßen. Ich bin aber auch Schmerzpatientin und bekomme Morphium. Manchmal nehme ich noch Schmerztropfen dazu. Vor Jahren habe ich einmal den Befund Fibromyalgie gehabt und vor zweieinhalb Jahren hat ein Rheuma-Arzt gesagt, ich hätte Arthrose. Ich weiß nicht ob ich Rheuma habe: Jetzt überprüft mein Hausarzt den CRP--Wert.

Dr. Claßen: Das Wichtigste ist auszuschließen, dass es etwas anderes ist. Auch wenn ein Rheuma-Faktor niedrig oder nicht vorhanden ist, heißt das nicht, dass man kein Rheuma hat. Man muss sich die Gelenke ansehen in Kombination mit den Blutwerten. Der Hausarzt kann erste Basiswerte abnehmen, aber es gibt auch viele andere Werte. Die kann ein Rheumatologe untersuchen. Wenn es Fibromyalgie ist, bekommen sie es mit Schmerzmitteln allein nicht weg. Dann müsste man nach Bewältigungsstrategien schauen, um besser mit dem Schmerz klarzukommen.

Ernährungsumstellung bei Rheuma?

Frage: Ich leide an Fibromyalgie, also dem sogenannten Weichteilrheuma. Nun wurde bei einer Untersuchung in meinem rechten Gehörgang eine Entzündung festgestellt, eine Neuritis vestibularis. Kann diese Erkrankung mit meinem Rheuma zusammenhängen?

Dr. Ewerbeck: Die Neuritis kann einen autoimmunen Hintergrund haben. Ein Zusammenhang mit ihrer Fibromylagie ist durchaus möglich, aber nicht zwingend.

Frage: Mein Sohn ist 25 Jahre alt und leidet an Rheuma. Ist die Krankheit über eine Ernährungsumstellung in den Griff zu bekommen ?

Dr. Freudenberg: Eine gesunde ausgewogene Ernährung ist in jedem Fall förderlich für den Krankheitsverlauf. Dabei sollte Fleischkonsum, insbesondere Schweinefleisch, möglichst vermieden werden, da dadurch Entzündungsbotenstoffe freigesetzt werden. Von Vorteil ist die Aufnahme von entzündungshemmenden Omega 3 Fettsäuren. Allerdings kann die Erkrankung allein durch Ernährungsumstellung wahrscheinlich nicht zum Stillstand gebracht werden. Da die entzündlichen Rheumaerkrankungen in der Regel Auto-Immunerkrankungen sind, ist meist eine medikamentöse Therapie notwendig, die das Immunsystem wieder in die richtigen Bahnen lenkt.

Psoriasis kann aggressiv sein

Frage: Ich habe Schuppenflechte (Psoriasis) an den Händen und Füßen. In den Händen habe ich oft Schmerzen, aber schubweise. Ich war mal beim Rheumatologen aber der hat gesagt, er könne mir nur starke Tabletten geben. Das wollte ich nicht. Auch auf den Röntgenbildern sieht man nichts. Die Haut behandle ich weiter mit Salben. Sollte ich das noch einmal abklären lassen?

Dr. Claßen: Die reinen Hauteffloreszenzen können sie gut mit Salben behandeln. Aber wenn es auf die Gelenke übergeht, braucht man schon Medikamente. Psoriasis kann sehr aggressiv sein und wenn sie merken, dass sie Gelenkschmerzen haben, sollten sie es schnell abklären lassen. Wenn sie es auf dem Röntgenbild sehen, ist es auch schon zu spät. Denn dann ist das Gelenk bereits zerstört.

Frage: Ich habe seit einem Jahr am ganzen Körper Gelenk- und Knochenschmerzen, mein Hausarzt führt das auf die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren zurück. Ein Bluttest beim Internisten hat keinen erhöhten Rheumawert ergeben, aber ich habe nachts steife Hände und kann die Finger nicht bewegen. Eine halbe Stunde nach dem Aufstehen ist das meistens wieder weg.

Dr. van Ende: Die steifen Gliedmaßen sind typisch für eine Rheuma-Erkrankung. Üblicherweise leiden Sie ohne die richtige Behandlung den ganzen Tag über unter tauben Armen und Händen. Lassen Sie dringend weitere Bluttests beim Rheumatologen machen, um abzuklären, ob wirklich kein Rheuma vorliegt.

Methotrexat verantwortlich für Magenschmerzen?

Frage: Ich habe seit 50 Jahren Rheuma und bekomme seit 25 Jahren Methotrexat, wodurch ich unter Nebenwirkungen wie Übelkeit und Magenschmerzen leide. Besteht die Möglichkeit, das Medikament versuchsweise abzusetzen ?

Dr. Freudenberg: Sofern keine Gelenkschwellungen oder Schmerzen auftreten und die Entzündungswerte im Normalbereich liegen, kann das Medikament versuchsweise abgesetzt werden. Sollten die Schmerzen zurückkehren , kann die Therapie erneut aufgenommen werden. Wichtig zu sehen ist, wie aktiv die Krankheit ohne das Methotrexat noch ist.

Frage: Ich habe seit 16 Jahren Rheuma und bin eigentlich gut eingestellt. Seit einiger Zeit habe ich aber beim Laufen Schmerzen in den Armen. Es zieht von den Schultern bis in die Fingerspitzen, auch wenn die Arme ganz normal herunterhängen und nicht belastet werden. Woran kann das liegen?

Dr. van Ende: Bei der rheumatischen Erkrankung macht es keinen Unterschied, ob Sie sitzen oder gehen, daher handelt es sich nicht um einen für diese Krankheit typischen Schmerz. Das Ziehen spricht eher für eine Nervenreizung im Arm, deswegen sollten Sie einen Neurologen aufsuchen.

Cortison hilft bei akuten Schmerzen

Frage: Ich bin seit 2015 Rheumapatientin und habe seitdem eine lange Behandlungsmisere mitgemacht. Ich habe Cortison und MTX verschrieben bekommen, aber sämtliche Medikamente gingen mir auf die Lunge, ich habe davon schwere Luftnot bekommen. Ich bin darüber hinaus nämlich auch noch Asthmatikerin und habe seit einigen Jahren Diabetes Typ 2. Zwischendurch habe ich deswegen alle Medikamente weggelassen, aber das ist mir ganz schlecht bekommen, die Entzündungswerte sind stark angestiegen. Jetzt nehme ich wieder Cortison, aber ich habe trotzdem immer wieder Schmerzen, mein Körper gibt einfach keine Ruhe. Was kann ich tun?

Dr. Ewerbeck: Cortison hilft bei akuten Schmerzen, ist aber keine Dauerlösung und angesichts Ihrer Ihrer Diabetes sollten Sie sowieso nicht zuviel Cortison nehmen. Überdies haben Sie ja schon zwei Therapien hinter sich. Womöglich wäre bei Ihnen ein Biologikum angezeigt. Sprechen Sie doch mal Ihren Rheumatologen darauf.

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