Waldbrand

Wie es zu der Feuer-Katastrophe in Kalifornien kam

Nur die Außentreppe blieb stehen. In Orten wie Paradise in Kalifornien vernichtete das Feuer ganze Wohnviertel.

Nur die Außentreppe blieb stehen. In Orten wie Paradise in Kalifornien vernichtete das Feuer ganze Wohnviertel.

Foto: SHARON BERNSTEIN / REUTERS

Berlin  Feuer wüten im Westen der USA. Mindestens 44 Menschen sind gestorben. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Drama in Kalifornien.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Kalifornien brennt. Seit Donnerstag fressen sich im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA die Flammen durch Wälder und Städte. Tausende Häuser sind zerstört, Hunderte Quadratkilometer Wald abgebrannt, mindestens 44 Menschen sind tot, Dutzende werden vermisst.

Laut CNN mussten 300.000 Bewohner ihre Häuser verlassen. Und obwohl 8000 Feuerwehrleute rund um die Uhr im Einsatz sind, lassen sich die Flammen kaum kontrollieren. Wie die Brände in Kalifornien so verheerend werden konnten – Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was macht einen Waldbrand so gefährlich?

Das Problem bei einem Waldbrand sei die Dimension, sagt Lars Oschmann, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbands. Anders als etwa bei einem Hausbrand fehle die Begrenzung. „Wenn es dann noch ungünstigen Wind gibt, kann es rasend schnell gehen.“

Besonders gefährlich wird ein Waldbrand, wenn die Flammen nicht auf den Boden begrenzt sind, sondern auf die Baumkronen übergreifen, so wie in diesem Sommer im brandenburgischen Fichtenwalde bei Potsdam. „Stehen die Bäume dicht beieinander, springt das Feuer von Wipfel zu Wipfel und es kann sich ein Totalbrand entwickeln“, erklärt Oschmann. Dann stehen Boden und Baumkronen in Flammen.

Warum konnten die Feuer in Kalifornien so groß werden?

Kalifornien hat einen sehr trockenen und heißen Sommer hinter sich, Gräser, Bäume – alles ist ausgetrocknet. „Das ist eine Grundvoraussetzung für einen sogenannten Vegetationsbrand“, sagt Oschmann. Hinzu kommen die trocken-heißen Santa-Ana-Winde, die sich auf den Hochplateaus in der Wüste Nevadas bilden.

„Sie strömen im Herbst vom Landesinneren in Richtung Ozean über die Wälder Kaliforniens hinweg und trocknen Bäume und Böden aus“, erklärt Kirsten Thonicke vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Dadurch entstehe eine Art Schlotwirkung. In diesem Jahr seien die Winde besonders stark.

Tausende Menschen haben in Kalifornien ihr Zuhause verloren. Sind sie versichert?

Insbesondere für weniger Privilegierte bedeuten die Brände und der Verlust der eigenen Wohnungen und Häuser den Ruin. Denn der Versicherungsschutz gegen Feuer ist in den USA freiwillig. Eine solche Versicherung muss man sich leisten können.

Nach Informationen des kalifornischen Versicherungsministeriums sind allein im Jahr 2016 in den kalifornischen Bezirken mit dem höchsten Brandrisiko 10.000 Verträge gekündigt worden. Auslaufende Verträge würden häufig nicht verlängert oder die Beiträge werden erhöht. Zwar gibt es für Härtefälle ein staatlich vorgeschriebenes Versicherungsprogramm. Im Schadensfall liegen die Auszahlungssummen aber deutlich unter dem Realwert der Immobilien.

In Deutschland schützen Hausrat- und Wohngebäudeversicherung vor Brandschäden. Ebenfalls freiwillig.

Welche Rolle spielt eine Veränderung des Klimas bei den Bränden?

Eine entscheidende, sagt Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown. „Dies ist nicht die neue Normalität, es ist die neue Abnormalität“, sagte Brown. Er macht den Klimawandel mit steigenden Temperaturen für schlimmere Dürren, heftigere Waldbrände und andere Wetterextreme in seinem Bundesstaat verantwortlich.

Tatsächlich ist es in Kalifornien aktuell extrem trocken. Eigentlich hätte bereits der Winterregen einsetzen müssen, aber der lasse noch auf sich warten, sagt Thonicke vom PIK. „Verschärft wird diese Situation durch die Megadürre zwischen 2010 und 2015. Damals fielen in der Gegend nur 34 Prozent des sonst üblichen Niederschlages.“

Wird es künftig weltweit vermehrt Waldbrände geben?

Die Situation könnte sich verschärfen, glaubt Thonicke: „Die Klimaprognosen sagen, dass die Temperaturen weiter steigen und die Niederschläge weiter sinken, vor allem im Sommer.“ Gleichzeitig werde das Klima variabler. Dadurch nehme nicht nur das Risiko für Waldbrände zu. Auch ihre Zerstörungskraft steige. Der Grund: Die Feuer würden durch die zunehmenden Winde stärker angefacht und könnten mehr Energie entwickeln. Dadurch würden zunehmend Waldgebiete erfasst, die bisher verschont blieben. „Das zeigt sich schon jetzt im Norden Kaliforniens“, sagt Thonicke. Dessen dichte Wälder hätten bislang nur selten in Flammen gestanden.

Drohen auch in Deutschland verheerende Brände wie in Kalifornien?

Bisher nicht in diesem Ausmaß, sagt Thonicke vom PIK. „In Deutschland herrscht bislang noch kein Mittelmeerklima und es gibt hier auch keine Wüste, aus der die trockenen Winde kommen“, sagt Thonicke. Dennoch seien in diesem Jahr auch hierzulande Waldbrände in einer Größenordnung entstanden, die es bislang nicht gab.

Das bestätigt Lars Oschmann vom Feuerwehrverband. Der Brand bei Fichtenwalde im Sommer sei außergewöhnlich gewesen, weil er auch die Baumkronen erfasst habe. „Wir gehen davon aus, dass der Klimawandel zu veränderten Einsätzen für die Feuerwehren führen wird“, sagt Oschmann. Das bedeute auch, dass man die Ausrüstung der Feuerwehr ständig hinterfragen müsse – leichtere Schutzanzüge, spezielles Gerät für die Fortbewegung in unwegsamem Gelände.

Wie schützt sich Deutschland vor Waldbränden?

In einigen Gebieten Deutschlands warnen Sensoren vor entstehendem Feuer und schlagen Alarm. Ein bewährtes Mittel, um eine Ausdehnung der Flammen zu verhindern, ist außerdem das Schlagen einer Schneise in den Wald. „Man gestaltet also einen Wald so, dass man Platz zwischen den Wäldern hat“, erklärt Oschmann. In den Schneisen versuche man dann, die Vegetation klein zu halten.

Ein guter Schutz vor Waldbränden sei aber vor allem Achtsamkeit, sagt Oschmann. Eine weggeworfene Zigarette, eine Scherbe, auf die Sonnenlicht fällt oder ein zu heißes Auto, geparkt auf einer trockenen Wiese, „das alles löst Brände aus“.

Wie ist der aktuelle Stand beim Waldbrand in Kalifornien?

Die Bilanz der Waldbrände in Kalifornien: So viele Tote wie noch nie zuvor . Am Dienstag sprachen Behörden von insgesamt 44 Toten.

Bei dem Waldbrand in Malibu sind Promis vor den Flammen geflohen . In einer der Villengegenden stand auch das Haus von Moderator Thomas Gottschalk. In einem Interview erzählte Gottschalk wie er um seine abgebrannte Villa trauert .

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben