Musik

Rasmus goes Film, goes Pop, goes ...

Rasmus Baumann (l.) im Gespräch mit Zeus-Reporter Marc L. Vogler.

Rasmus Baumann (l.) im Gespräch mit Zeus-Reporter Marc L. Vogler.

Gelsenkirchen.   Vom Heavy-Metal-Musiker zum Chefdirigenten des Musiktheaters im Revier (MiR): Unser Zeus-Reporer Marc L. Vogler hat Rasmus Baumann (39) zu seiner Karriere und seiner Zukunft am MiR interviewt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Rasmus Baumann (39) ist seit der Saison 2008/09 Chefdirigent des „Musiktheaters im Revier“ (MiR) und leitet die Neue Philharmonie Westfalen. Bekannt ist Baumanns „MiR goes…“-Reihe, bei der er mit seiner Neuen Philharmonie Westfalen Filmmusik, Rock und Pop spielt.

Unser Zeus-Reporter Marc L. Vogler hat mit dem Dirigenten über seine Zeit als Heavy-Metal-Musiker und seine Zukunft am MiR gesprochen.

Wann haben Sie mit der Musik angefangen?

Ich habe mit acht oder neun Jahren mit dem Klavierspiel angefangen, also relativ spät. Als Kind habe ich noch Schlagzeug, Trompete und etwas Gitarre gelernt. Ich habe auch Orgel gespielt und mit 16 Jahren schon als Organist in Gladbeck in einer Kirche gearbeitet.

Zudem habe ich in verschiedenen Orchestern gespielt, in einer Big Band Klavier, in der Musikschule Gladbeck im Symphonieorchester Pauke und im Posaunenchor Trompete. Ich habe sehr viel Musik gemacht.

Sie waren auch in einer Heavy-Metal-Band und haben zuhause geübt. Haben sich die Nachbarn über die laute Musik beschwert?

Ich hatte nur kurze Zeit ein von einem Freund geliehenes Drumset im Keller meiner Mutter stehen (lacht). So viel habe ich auch nicht gespielt, nur etwa ein halbes Jahr. Wir hatten einen Proberaum in einer Schule, so dass niemand unser Spiel mitbekommen hat. Wir hatten auch keine Auftritte. Wir haben hauptsächlich für uns gespielt.

Heavy Metal und Orgelspiel in der Kirche. Wie ließ sich das vereinen?

Mir haben diese Kontraste immer gefallen. Als ich circa 18 Jahre alt war, gab es in Oberhausen einen Laden namens Raskalnikov, ein ganz harter Schuppen. Dort sind wir samstags immer gewesen und am Sonntagmorgen musste ich dann Orgel spielen. Das war manchmal nicht einfach, wenn man erst so zwischen drei und vier Uhr im Bett war und dann am nächsten Tag früh aufstehen musste. Das sollte man sich nicht zum Vorbild nehmen.

Und wie verlief die spätere Karriere zum Dirigenten?

Zwischen dem Job, den ich jetzt habe, und meiner Jugend liegt ja ein ziemlich langer Zeitraum. Ich habe Klavier und Dirigieren in Essen und in Frankfurt studiert. Dann hatte ich meinen ersten Job am Aalto Theater Essen und bin dann zum Staatstheater Kassel gewechselt.

Es gibt eine bestimmte Hierarchie in der Karriere, die man durchläuft. Man fängt als Solorepetitor an, dass heißt, man bringt als Pianist am Theater den Sängern die Stücke bei und probt die Szenen ein.

Dann war ich Kapellmeister in Essen, erst zweiter, dann erster Kapellmeister. Man bekommt immer mehr Stücke und immer mehr Verantwortung. Und irgendwann wird man dann Chefdirigent.

Was machen Sie, wenn Sie nicht im Orchestergraben stehen?

Freizeit habe ich kaum, weil der Beruf alles dominiert. Ich habe oft Tage die morgens um zehn Uhr beginnen und abends um 23.30 Uhr enden, das ist fast die Regel. In meinem Job ist es so, dass ich zusätzlich jede Menge Verwaltungskram zu erledigen habe.

Einen anderen großen Teil der Zeit sitze ich am Klavier oder am Schreibtisch und studiere meine Partituren. Und wenn ich dann mal Zeit habe, gehe ich joggen.

Für das Frühjahr 2013 ist ein neues „MiR goes Film“-Konzert angekündigt. Wie wollen Sie die vergangenen Konzerte noch übertreffen?

Es war tatsächlich bei allen Filmkonzerten so, dass wir stehenden Applaus hatten. Das wird auch wieder so sein, denke ich, weil die Reihe ja sehr erfolgreich ist.

Der Unterschied zu den vorherigen Konzerten wird sich im Programm zeigen. Wir spielen einfach neue Titel, diesmal heißt es ja „Zorro meets Magnum“.

Stimmt das Gerücht, dass Sie 2014 das Theater verlassen?

Es stimmt, dass mein Vertrag bis 2014 geht. Ob ich dann bleibe oder das MiR verlasse, weiß ich noch nicht.

Welche Themen werden Sie mit „MiR goes“ noch angehen?

Im „MiR goes“-Bereich gibt es im Prinzip alle Möglichkeiten. „MiR goes Rock“ lässt sich wie bei meinem letzten Konzert in der Kölner Philharmonie beliebig erweitern, zum Beispiel mit aktuellen Songs von den Red Hot Chili Peppers oder Billy Talent. Mal gucken, was mir noch so einfällt, manches kommt automatisch auf mich zu. Ich weiß noch nicht, ob ich mal „MiR goes Metal“ mache oder „MiR goes Volksmusik“ (lacht).

Bei der Filmreihe wird es tatsächlich schwieriger, weil wir schon circa 80 verschiedene Filmmusiken gespielt haben. So viel Gutes gibt es einfach nicht mehr. Man muss auch bedenken, dass so ein Konzert unterschiedliche Anteile haben muss: Rock, etwas Pathetisches, etwas Romantisches, was nicht mehr ganz einfach zu finden ist. Aber es wird auf jeden Fall weitergehen.

Haben Sie einen Tipp für alle Musikbegeisterten auf dem Weg zum Erfolg?

Wenn es noch etwas anderes gibt, was einen neben der Musik interessiert, dann sollte man das machen und die Musik als Hobby belassen. Aber wenn es wirklich nichts anderes auf der Welt als Musik für einen gibt, dann sollte man Musik studieren.

Ein Musiker zu werden ist viel Arbeit und wird immer schwieriger. Hier in Deutschland sind wir ja auch abhängig von Subventionen aus öffentlicher Hand. Deshalb haben wir ein so großes Kulturangebot. In Gelsenkirchen beweisen wir jeden Tag aufs Neue, dass die Menschen Kultur und Theater brauchen und wollen.



Nicht nur am MiR feierte Baumann viele Erfolge, er war bereits an vielen Opernhäusern in NRW und wurde mit mehreren Preisen wie dem Deutschen Musikeditions- und Dirigentenpreis ausgezeichnet. Es ist ihm zu verdanken, dass das Musiktheater immer mehr junge Leute besuchen und es deutschlandweit einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte. Über Baumanns weitere Plänen am MiR und ob er wirklich das Theater 2014 verlässt, hat der Dirigent mit unserem Zeus-Reporter Marc L. Vogler gersprochen.

Sie haben in der Folkwanghochschule Essen Klavier studiert und dirigieren jetzt die neue Philharmonie Westfalen. Doch wann haben Sie mit der Musik angefangen?

Ich habe mit acht oder neun Jahren mit dem Klavierspiel angefangen, also relativ spät. Als Kind habe ich Klavier, Schlagzeug, Trompete und etwas Gitarre gelernt. Ich habe auch Orgel gespielt und mit 16 schon als Organist in Gladbeck in einer Kirche gearbeitet. Zudem habe ich in Orchestern gespielt, in einer Big Band Klavier, in der Musikschule Gladbeck im Symphonieorchester Pauke und im Posaunenchor Trompete. Ich habe sehr viel Musik gemacht.

Als junger Mann waren Sie in einer Heavy Metal Band. Haben sich die Nachbarn über die laute Musik beschwert?

Ich hatte nur kurze Zeit ein von einem Freund geliehenes Drumset im Keller des Einfamilienhauses meiner Mutter stehen (lacht). So viel habe ich auch nicht gespielt, nur etwa ein halbes Jahr. Wir hatten einen Proberaum in einer Schule im Keller, so dass niemand unser Spiel mitbekommen hat. Wir hatten auch keine Auftritte. Wir haben hauptsächlich für uns gespielt.

Heavy Metal und Orgelspiel in der Kirche. Wie ließ sich das vereinen?

Mir haben diese Kontraste immer gefallen. (lächelt) Als ich circa 18 Jahre alt war, gab es in Oberhausen einen Laden namens Raskalnikov, ein ganz harter Schuppen. Dort sind wir samstags immer gewesen und am Sonntagmorgen musste ich dann Orgel spielen. Das war manchmal nicht einfach, wenn man erst sehr so zwischen 3 und 4 Uhr ins Bett am und dann am nächsten Tag früh aufstehen musste. Das sollte man sich nicht als Vorbild nehmen.

Und wie sah Ihre Karriere zum Dirigenten ausWie kamen Sie schließlich auf die Karriere als Dirigent und wie kamen Sie zum MiR?

Zwischen dem Job, den ich jetzt habe und meiner Jugend gibt es ja noch einen ziemlich langen Zeitraum. Ich habe Klavier und Dirigieren in Essen und in Frankfurt studiert. Dann hatte ich meinen ersten Job am Aalto Theater Essen und bin dann ans Staatstheater Kassel gewechselt. Es gibt eine bestimmte Hierarchie in der Karriere die man durchläuft. Man fängt an als Solorepetitor, dass heißt als Pianist am Theater bringt man den Sängern die Partien bei und studiert die szenischen Proben. Dann gibt es den Kapellmeister: man wird zweiter Kapellmeister - war ich in Essen - dann erster Kapellmeister, man bekommt immer mehr Stücke und immer mehr Verantwortung. Und irgendwann wird man dann Chefdirigent.

Was machen Sie wenn sie gerade nicht auf der Bühne oder im Orchestergraben stehen?

Freizeit habe ich kaum. Das ist einfach so, weil der Beruf alles dominiert. Ich habe oft Tage die morgens um 10 Uhr beginnen und abends um 23.30 Uhr enden. Das ist eigentlich fast die Regel kann man sagen. In meinem Job ist es so, dass ich zusätzlich jede Menge Verwaltungskram zu erledigen habe.

Einen anderen großen Teil der Zeit sitze ich am Klavier oder am Schreibtisch und studiere meine Partituren. Das macht tatsächlich einen großen Teil der Arbeit aus. Und wenn ich dann mal Zeit habe, dann gehe ich joggen.

Für das Frühjahr 2013 haben Sie ein neues MiR goes Film-Konzert angekündigt. Wie wollen Sie die vergangenen Konzerte überhaupt noch übertreffen?

Es war tatsächlich bei allen Filmkonzerten so, dass wir stehenden Applaus hatten. Das wird auch wieder so sein, denke ich, weil die Reihe ja sehr erfolgreich ist.

Der Unterschied zu den vorherigen Konzerten wird sich im Programm zeigen. Wir spielen einfach neue Titel, diesmal heißt es ja „Zorro meets Magnum“.

Wir spielen dieses Mal drei, statt wie bisher zwei Konzerte.

Stimmt das Gerücht, dass Sie 2014 das Theater verlassen?

Es stimmt, dass mein Vertrag bis 2014 geht. Ob ich dann bleibe oder das MiR verlasse, weiß ich noch nicht.

Welches Themengebiet werden Sie noch angehen? Haben Sie schon mal daran gedacht, selbst etwas zu komponieren?

Schon als Kind habe ich kleine Stücke für Klavier geschrieben. Das ist aber nichts von dem ich denke, dass man es in einem Konzert aufführen kann. Aber im „MiR goes“-Bereich gibt es im Prinzip alle Möglichkeiten. „MiR goes Rock“ läßt sich wie bei meinem letzten Konzert in der Kölner Philharmonie beliebig erweitern, mit ganz aktuellen Songs von den Red Hot Chili Peppers oder Billy Talent. Mal gucken, was mir noch so einfällt, manches kommt automatisch auf mich zu. Ich weiß noch nicht, ob ich mal „MiR goes Metal“ mache oder „MiR goes Volksmusik“. (lacht) Alles denkbar.

Bei der Filmreihe wird es tatsächlich schwieriger, weil wir schon ca. 80 verschiedene Filmmusiken gespielt haben. So viel Gutes gibt es einfach nicht mehr. Man muss dabei auch bedenken, dass so ein Konzert unterschiedliche Anteile haben muss, Rock, etwas Pathetisches, etwas Romantisches, was nicht mehr ganz einfach zu finden ist. Aber es wird auf jeden Fall weitergehen.

Ich habe auch im Kopf ein „best of“ zu machen bei dem das Publikum abstimmen kann welche Stücke gespielt werden sollen. Das könnte man z. B. online oder per Postkarte abstimmen lassen. Man könnte auch ein „Disney special“ machen.

Können Sie abschließend noch einen entscheidenden Rat oder Tipp an alle musikinteressierten Kinder und Jugendliche geben, der Sie möglicherweise zum Erfolg geführt hat?

Für Jugendliche, die Musiker werden wollen? Wenn es etwas anderes gibt, was einen interessiert neben der Musik, dann soll man das machen und die Musik als Hobby lassen. Aber wenn es wirklich nichts anderes gibt auf der Welt, dann soll man Musik studieren. Musiker werden ist viel Arbeit und wird immer schwieriger. Hier in Deutschland sind wir ja auch abhängig von Subventionen aus öffentlicher Hand, deshalb haben wir ja auch ein so großes Kulturangebot. Aber in Gelsenkirchen beweisen wir jeden Tag aufs Neue, dass die Menschen Kultur und Theater brauchen und wollen.

Marc L. Vogler

Klasse: 08c

Schule: Max-Planck-Gymnasium

Ort: Gelsenkirchen

Redaktion: WAZ Gelsenkirchen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben