Kommentar

11. September: Unsere Angst ist nicht verschwunden

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Martin Korte.

Martin Korte.

Foto: Volker Hartmann / FFS

Die Welt ist in den 20 Jahren nach dem 11. September nicht eine bessere geworden, kommentiert Martin Korte. Warum die Hoffnung trotzdem lebt.

Krieg gegen Amerika! So lautete die Schlagzeile dieser Zeitung am 12. September 2001. Im Eindruck des Schocks eine nachvollziehbare Einordnung. Heute wissen wir längst, dass die Attentäter von New York und Washington damals viel mehr treffen wollten als die USA. Ihr Krieg richtete sich gegen die Freiheit, gegen die Menschenrechte, gegen die Demokratie, gegen die Selbstbestimmung, gegen unseren Lebensstil, gegen den Fortschritt. Ihr Krieg richtete sich gegen das Andere.

Jetzt blicken wir zurück. Ist die Welt in den vergangenen zwei Jahrzehnten besser geworden? Nein. Im Gegenteil. Misstrauen legt sich wie dichter Nebel über die internationalen Beziehungen. Die USA igeln sich ein, handeln nationalistischer, egoistischer. 20 Jahre Krieg in Afghanistan haben ideologische Gräben vertieft; auch der Westen muss Fehler eingestehen. Noch mehr Unschuldige sind gestorben. Der Terror stumpft uns zwar emotional ab, aber unsere Angst ist nicht verschwunden. Wir wissen: Es kann wieder passieren.

Auch heute haben wir noch keine guten Antworten auf die Frage, wie wir mit Menschen umgehen sollen, für die das Leben keinen Wert hat. Die glauben, Massenmord bringt sie ihrem Gott näher. Wenn Religion spaltet statt zu verbinden, dringen Argumente nicht mehr durch. Die Drahtzieher des 11. September und die Attentäter selbst, sie sind keine Märtyrer. Sie sind Mörder. Aber nach wie vor heißen viele die Anschläge in religiöser Verblendung gut. Zuversichtlich macht das nicht. Auch nicht, dass der Westen moralische Debatten führt, während andere Länder wie China rücksichtslos eine Position der Stärke aufbauen.

Mehr Sicherheit garantieren, ohne die Menschlichkeit zu verlieren, das könnte eine schöne europäische Vision sein. Momentan ist es leider nicht mehr als eine Illusion. Aber die Hoffnung lebt.

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